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Zeitnaher Verkauf von UG mit Vermögen ausschließlich auf dem Geschäftskonto

19.12.2020 11:16 |
Preis: 80,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Meine Frage bezieht sich auf diesen Fall:

Person A ist alleiniger Geschäftsführer und Gesellschafter einer UG, welche nicht am Geschäftswesen teilgenommen hat und lediglich als Holding genutzt wurde um Anteile an einer anderen Gesellschaft zu halten.

Aus dem Verkauf von genau diesen Anteilen hat die UG im Jahre 2020 Einkünfte in Höhe von 100.000€ erzielt. Die UG hält nach dem Verkauf keine weiteren Anteile an Unternehmen, hat kein weiteres Vermögen und keinerlei Verpflichtungen oder Schulden, lediglich die 100.000€ auf dem Geschäftskonto. A nimmt deshalb an, dass der Gewinn der UG im Jahr 2020 ungefähr 100.000€ - ca. 1.500€ Steuern (Holdingprivileg) ~ 98.500€ beträgt, wird sich dies aber selbstverständlich noch von dem Steuerberater der Firma bestätigen lassen.

A möchte schon seit längerer Zeit Auswandern und weil die UG ihren ursprünglichen Zweck erfüllt hat, diese so schnell es geht "loswerden".

Seine erste Idee ist "Option 1":

A verkauft die UG mit 100.000€ auf dem Geschäftskonto an Familienmitglied B.

- A kann als Kaufpreis nicht weniger als 100.000€ ansetzen, da die Firma dieses Vermögen auf dem Konto hat, und es somit schwer wäre zu argumentieren, dass diese weniger wert ist
- A muss die 100.000€, die er im Zuge des Verkaufes von B bekommt mit ca. 26% versteuern
- B ist nun alleiniger Gesellschafter der UG, welche er zum 31.12.2020 per Beschluss auflöst und diese damit in die Liquidierung geht
- Nach dem Sperrjahr bekommt B ca. 100.000€ aus dem Liquidationserlös
- B muss diesen Liquidationserlös ebenfalls versteuern
- Es findet also eine Doppelbesteuerung statt, welche A vermeiden möchte

---

A hat nun eine zweite Idee: "Option 2":

A überlegt eine Vorabausschüttung vor dem 31.12.2020 vorzunehmen, sich ca. 97.000 auszuschütten und natürlich direkt bei der Ausschüttung die Kapitalertragssteuer abzuführen.

Danach soll die "leere" UG für einen geringen Kaufpreis (~1000€) an Familienmitglied B, welches längerfristig in Deutschland bleibt, noch vor Jahresende verkauft werden. Das Familienmitglied würde wieder direkt im Anschluss des Verkaufes die Liquidierung der UG zum 31.12.2020 einleiten.

A hat jedoch die Pflichtrücklage nicht beachtet, heißt:
- Sagen wir 25.000€ (es geht nicht um die genauen Zahlen, sondern um das grundsätzliche Prinzip) müssten als Pflichtrücklage in der UG verbleiben
- Damit kann A die UG nicht für 1.000€ verkaufen, sondern muss diese für ca. 25.000€ verkaufen
- Die 25.000 die A im Verkauf erhält muss A wiederrum mit ca. 26% versteuern
- Sobald die Liquidation abgeschlossen ist und B die 25.000€ Pflichtrücklage ausgezahlt bekommt muss B diese auch wiederum mit 26% versteuern
- Es findet also effektiv wieder eine Doppelbesteuerung statt

---

Fragen:
1. Ist der grundsätzliche Ablauf (abgesehen von den genauen Zahlen, diese würden eh von dem Steuerberater kommen) bei beiden Optionen so richtig oder besteht hier von meiner Seite aus ein Denkfehler?
2. In beiden Fällen kommt es zu einer Doppelbesteuerung, gäbe es eine Möglichkeit den Verkauf / die Übertragung so durchzuführen, dass keine Doppelbesteuerung stattfindet und A trotzdem zeitnah nicht mehr Gesellschafter der UG ist?

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

19.12.2020 | 13:09

Antwort

von


(225)
Niedergründauer Straße 32
63505 Langenselbold
Tel: 01702047283
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Sehr geehrter Fragesteller,

gerne möchte ich Ihre Frage auf der Grundlage Ihrer Angaben im Rahmen dieser Erstberatung beantworten.

Ich schlage vor, dass Sie mir im Nachgang noch mitteilen, warum Sie vor Ihrem Umzug in das Ausland nicht mehr Gesellschafter der UG sein wollen. Möglicherweise finden sich hier auch andere Wege. Je nach verwandtschaftlichem Grad, z.B. Eltern, wäre auch an eine unentgeltliche Übertragung zu denken. Ich möchte Ihnen die steuerlichen Folgen der von Ihnen geschilderten "Optionen" kurz darstellen.

"Option 1":

Zu einer Doppelbesteuerung kommt es hierbei nicht. Familienmitglied B erwirbt die Beteiligung zum Kaufpreis von 100.000 EUR, der bei Ihnen nach Maßgabe des § 17 EStG steuerpflichtig ist. Erfolgt jedoch eine Liquidation, ist bei B bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Gewinns zu berücksichtigen, dass vom Liquidationserlös die Anschaffungskosten (100 T€) in Abzug zu bringen sind, sodass kein steuerpflichtiger Gewinn entsteht.

"Option 2"

Würde im Ergebnis ebenfalls funktionieren, ist aber aus meiner Sicht viel zu kompliziert.

Melden Sie sich bitte gerne mit weiteren Hintergrundinformationen hinsichtlich der Motive. Im Ergebnis bin ich überzeugt, dass es eine einfache Lösung für Ihr Problem gibt. Gerne bin ich Ihnen dabei behilflich.

Herzliche Grüße
Michael Krämer
Rechtsanwalt


Rückfrage vom Fragesteller 19.12.2020 | 13:40

Guten Tag Herr Krämer,
vielen Dank für Ihre Antwort.

Generell ist es so, dass A vorhat längerfristig als "Digitaler Nomade" in der Welt unterwegs zu sein und seinen steuerlichen Wohnsitz ins nicht-EU Ausland zu verlagern. Daher möchte er alle Verbindungen nach Deutschland welche die steuerliche Gesamtsituation komplexer machen könnten sauber aufdröseln, hier versteuern und auflösen.

Es ist noch nicht ganz klar, wo die Reise hingehen soll aber er könnte es sich zum Beispiel vorstellen sich in Zukunft für das Bahamas "BEATS" Programm zu bewerben (https://www.bahamasbeats.com/) und für einige Zeit in der Karibik zu leben und zu arbeiten.

Er empfindet es in diesem Zusammenhang als störend, dass selbst wenn der Anteilsverkauf komplett in Deutschland versteuert wurde er immer noch in 2021 UND 2022 (da Sperrjahr voraussichtlich vom 01.01.2021 - 01.01.2022 geht) wegen der Beteiligung an einer UG in Liquidation unter das Risiko der erweiterten beschränkten Steuerpflicht fällt. Er würde gerne nach der Versteuerung der Anteile seine steuerlichen Pflichten in Deutschland zeitnah beenden.

A hat Eltern und ein Geschwisterteil aber selber keine Kinder. Aktuell dürfte kein Familienmitglied von ihm genügend Geldreserven haben um ihm die Firma direkt in Bar abzukaufen (Option 1).

Für eine Lösung wären daher die Präferenzen
- Zugriff auf den Gewinn innerhalb der nächsten sechs Monate (also bestenfalls vor Ablauf des Sperrjahres)
- bestenfalls müssen vor Übertragung nicht sechsstellige Summen unter den Familienmitgliedern transferiert werde (auch komplex wegen Schenkungssteuer)
- schneller Austritt aus der deutschen Besteuerungspflicht - der Anteilsverkauf wird natürlich in Deutschland versteuert und A wird auch 2021 wohl noch in Deutschland steuerpflichtig sein, würde aber im besten Fall gerne die Freiheit haben in 2022 auch in Niedrigsteuerländer auswandern zu können ohne potentiell unter die erweiterte beschränkte Steuerpflicht zu fallen.

Eine Option die mir noch eingefallen ist wäre, wenn A die UG zum 31.12.2020 auflöst und das Sperrjahr beginnt, dann der Jahresabschluss für 2020 mit Feststellung des Gewinns gemacht wird, er sich diesen Ausschüttet und dann die UG i.L. kostengünstig an ein Familienmitglied überträgt. In diesem Fall hätte er aber wieder die Problematik mit der Pflichtrücklage.

"Im Ergebnis bin ich überzeugt, dass es eine einfache Lösung für Ihr Problem gibt."

Das würde mich in der Tat sehr freuen. Schicken Sie gerne Ihre Lösungsvorschläge und vielen vielen Dank für die Beratung.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 20.12.2020 | 11:24

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne möchte ich Ihre Nachfrage wie folgt beantworten. Mein Vorschlag wäre, dass Sie zunächst eine, aus steuerlichen Gründen ggf. zwei Ausschüttungen, nämlich im Dezember 2020 und Januar 2021 vornehmen. Unter Beachtung der gesetzlichen Rücklage könnten Sie so 75 T€ ausschütten, die bei Ihnen zum Zeitpunkt der Beschlussfassung steuerpflichtiges Einkommen darstellen würden. Danach übertragen Sie die Gesellschaft entgeltlich oder unentgeltlich auf den mit Ihnen verwandten B und beginnen die Liquidation. Ich denke dies wäre der schmalste Weg.

Für ergänzende Rückfragen stehe ich Ihnen gerne per E-Mail (m.kraemer@mbk-office.de)
zur Verfügung.

Herzliche Grüße
Michael Krämer
Rechtsanwalt

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