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Zahnversicherung gekündigt


| 19.04.2018 16:56 |
Preis: 55,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von



Hallo!
Ich habe vor einigen Jahren von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt. Dabei habe ich bei den Angaben zur Zahnversicherung keine korrekten Angaben gemacht. Die Konsequenz war der Verlust des Zahntarifes. Das heißt, ich bin zwar noch bei dieser Versicherung allgemein krankenversichert, meine Zähne jedoch nicht.
Mir wurde das Angebot gemacht, nach einer Sanierung meiner Zähne den Zahntarif neu zu beantragen. Das habe ich gemacht. Allerdings wurde mein Antrag abgelehnt, weil angeblich zu viele spätere Folgebehandlungen anliegen würden. Folglich!
Ich würde gerne meine Zähne wieder versichern können. Per Gesetz habe ich sogar eine Versicherungspflicht, doch wer sollte mich versichern müssen? Und wie gehe ich konkret vor, falls es eine Möglichkeit gibt?
19.04.2018 | 18:59

Antwort

von


482 Bewertungen
Schönbornstr. 41
60431 Frankfurt
Tel: 069 - 523140
E-Mail:

Sehr geehrte Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

In der BRD herrscht seit dem 01.01.2009 eine Krankenversicherungspflicht. Diese Pflicht soll in Verbindung mit dem Kontrahierungszwang im Basistarif (§ 193 Abs. 5 VVG) verhindern, dass sich Personen nicht oder verspätet gegen Krankheit versichern und dadurch zu einem Kostenrisiko für die Allgemeinheit oder die Solidargemeinschaft der Versicherten werden. Nach § 193 Abs. 3 Satz 1 VVG ist jede Person mit Wohnsitz im Inland verpflichtet, bei einem in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmen für sich selbst und für die von ihr gesetzlich vertretenen Personen, soweit diese nicht selbst Verträge abschließen können, eine Krankheitskostenversicherung, die mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst und bei der die für tariflich vorgesehene Leistungen vereinbarten absoluten und prozentualen Selbstbehalte für ambulante und stationäre Heilbehandlung für jede zu versichernde Person auf eine betragsmäßige Auswirkung von kalenderjährlich 5.000 Euro begrenzt ist, abzuschließen und aufrechtzuerhalten.

Aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung verfügen Sie über eine Krankenversicherung bei einem privaten Krankenversicherer ohne Zahnzusatzversicherung. Diese Versicherung wird u.a. die Kosten für ambulante und stationäre Krankenbehandlungen abdecken. Leistungen für Zahnbehandlung und Zahnersatz fallen nicht unter die Begriffe ambulante und stationäre Heilbehandlung und gehören daher nicht zum geforderten Mindestumfang einer Krankheitskostenversicherung nach § 193 Abs. 3 Satz 1 VVG. Dementsprechend hat das BSG mit Urteil vom 20.03.2013 (Az.: B 12 KR 14/11) entschieden, dass eine Absicherung von Zahnbehandlungen oder Zahnersatz für die Erfüllung der Mindestanforderungen nach § 193 Abs. 3 S 1 VVG nicht erforderlich sei. Somit werden Sie bei keiner privaten Versicherung allein mit dem Argument der Versicherungspflicht eine Zahnzusatzversicherung abschließen können. Nachdem offensichtlich in der Zukunft Zahnfolgebehandlungen notwendig sein werden, ist Ihnen anzuraten, einen Antrag für eine Zahnzusatzversicherung bei einem Versicherer zu stellen, der einen Tarif ohne eine Gesundheitsprüfung anbietet. Entsprechende Anbieter werden Sie online recherchieren können.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mit für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
J. Petry-Berger
Rechtsanwältin


Nachfrage vom Fragesteller 20.04.2018 | 15:48

Hallo, noch einmal!
Ich habe mich mit meinem unabhängigen Versicherungsmakler kurzgeschlossen. Dieser hatte sich bei einigen Versicherern erkundigt. Sein Fazit:
Fast alle Versicherer bieten ihr Zusatzversicherung gekoppelt an die gesetzliche KV an, fast ausschließlich als Ergänzungsprodukt. Eine Versicherung hat er aus dem EDV-gestützten Pool herausgefischt, die 25% der Leistungen abdeckt.
Somit müsste ich erst meine Arbeitsstelle wechseln, um in die gesetztliche Versicherung zu kommen, die keinen Unterschied zwischen den Patienten macht. Leute wie ich fallen durchs Raster und die sozialen privaten KV haben wieder einmal sozialen Raum gewonnen. Ich sehe hier eine mächtige Lücke klaffen.
Frage? Hätte so eine Situation vor dem Sozialgericht eine Chance?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 21.04.2018 | 11:58

Sehr geehrter Fragesteller,

da es nach der genannten Entscheidung des BSG für den Mindestumfang des Krankenversicherungsschutzes nicht erforderlich ist, dass eine anderweitige Absicherung qualitativ dem Versicherungsschutz in der GKV entspricht und die anderweitige Absicherung ausdrücklich nicht Zahnbehandlungen und Zahnersatz absichern muss, ist eher nicht zu erwarten, dass ein Sozialgericht dem von Ihnen dargestellten Argument der Ungleichbehandlung von privat und gesetzlich Versicherten folgen wird. Nachdem die Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen im Lauf des (Versicherten-)Lebens praktisch unumgänglich ist und darüber hinaus oft besonders kostenintensiv dürften jedoch auch Zweifel an dem Ergebnis des BSG-Urteils bestehen. - Ich weise darauf hin, dass im Basistarif der privaten Krankenversicherer eine Kostenerstattung für Zahnbehandlung und -ersatz, Kieferorthopädie vorgesehen ist und die private Krankenversicherung einem Versicherten den Basistarif nicht verwehren darf, wenn er älter als 55 Jahre ist. Sie sollten daher prüfen , ob ein Wechsel in den Basistarif, für den keine Gesundheitsprüfung nötig ist, für Ihre Person eine Option darstellt.

Mit freundlichen Grüßen
J. Petry-Berger
Rechtsanwältin


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Bewertung des Fragestellers 19.04.2018 | 21:30


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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 19.04.2018
5/5.0

Danke, für die ausführliche und informative Antwort!


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