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Wohnungsräumung nach Wasserschaden

| 27.09.2019 18:11 |
Preis: 50,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwältin Doreen Prochnow


Hallo,

in unserer Eigentumswohnung gab es vor einiger Zeit leider einen Wasserschaden, der durch in Leck in der Wasserleitung in der Wohnung oberhalb von uns verursacht worden ist. Zu dem Zeitpunkt, als sich dies ereignet hat, waren wir in unserer Ferienwohnung in Italien. Wir sind beide Rentner und körperlich nicht mehr so fit. Über den Wasserschaden wurden wir telefonisch von der Hausverwaltung informiert, die eine Firma mit der Schadensbehebung beauftragt hat. Nun musste zur Trockenlegung des Raumes sowie die anschließende Renovierung das betroffene Zimmer leergeräumt werden. Auch dazu wurde eine Firma beauftragt. Nun ist mittlerweile der Schaden behoben, Boden neu verlegt und auch die Wände wieder neu angelegt. Jetzt hat uns die Hausverwaltung eine Rechnung in Höhe von 900,- € für das Ausräumen dieses Raumes sowie die Teilentsorgung von Möbeln vorgelegt, die wir wiederum unserer Hausratversicherung einreichen sollten. Da unsere Möbel schon sehr alt sind und wir auch sonst nichts von Wert in der Wohnung haben, haben wir vor vielen Jahren die Hausratversicherung gekündigt. Wir haben die Hausverwaltung darüber informiert, dass wir keine Hausratversicherung haben und gebeten, die Rechnung der Gebäudeversicherung vorzulegen. Die Letztgenannte lehnt leidereine Übernahme mit Verweis auf eine Hausratversicherung ab und nun sollen wir schlussendlich diese Rechnung zahlen. Wir sind Rentner und haben so viel Geld, um eine solche Summe aus der "Portokasse" zahlen zu können. Im Übrigen sehen wir es auch nicht, da wir den Schaden nicht verursacht haben. Unsere Frage: Müssen wir diese Rechnung bezahlen?

Vielen Dank im Voraus!



Einsatz editiert am 27.09.2019 19:03:39

Einsatz editiert am 27.09.2019 19:17:35

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Leider habe ich keine guten nachrichten für Sie.

Die Gebäudeversicherung ist grundsätzlich nur für Schäden am Gebäude zuständig, also Bodenbeläge und Wandverkleidungen, sowie Sanierungen und Bautrocknungen. Dies gilt oft ( Versicherungsbedingungen) unabhängig davon , ob diese im Sonder- oder Gemeinschaftseigentum stehende Gebäudeteile betreffen.

Für Schäden an Möbeln und aufgrund des Mobiliars (Räumung) oder sonstigem Sondereigentum ist die Hausratsversicherung zu ständig. Ist diese nicht vorhanden bleibt der Wohnungseigentümer auf Schäden an seinem Hab und Gut in der Regel sitzen.

Denn ein Schadenersatzanspruch durch die WEG oder einzelne Teilnehmer kommt nur bei Verschulden in Betracht. Eine verschuldensunabhängig Haftung für Schäden an Sondereigentum , die durch Gemeinschaftseigentum oder fremdes Sondereigentum verursacht werden, gibt es leider nicht (Bundesgerichtshof, Urteil vom 21.05.2010, Az.: VR 10/10).

Auch wenn der Schaden also vom Sondereigentum ihres über Ihnen liegenden Nachbarn ausgeht, haben Sie die Möglichkeit des Schadenersatzes leider nur, wenn er das Leck schuldhaft ( ihm vorwerfbar) verursacht hat. Vorwerfbar sind ihm Vorsatz und Fahrklässigkeit, also auch eine bewusste Verletzung von Sorgfaltspflichten. Dies ist bei Wasserschäden leider nicht die Regel, denn oft können Lecks und marode Leistungen erst erkannt werden, wenn es zu spät ist.

Ich fürchte also, dass Sie ohne Hausratsversicherung auf dem Schaden sitzen bleiben werden. Eventuell können Sie mit der Hausverwaltung Zahlungserleichterungen wie Stundungen oder Ratenzahlungen vereinbaren.

Sie sollten auch zwingend versuchen, abzuklären ( Hausverwaltung?), was Ursache des Schadens ist. Denn ein Schadenersatzanspruch kann nicht nur gegen Ihren Nachbarn bestehen, sondern auch gegen die Wohnungseigentümergesellschaft, wenn diese die Instandsetzung einer bereits als defekt erkannten Leitung versagt oder hinausgezögert haben( (OLG Frankfurt, Beschluss vom 06.01.1984, Az.: 20 W 309/83; OLG Celle, Beschluss vom 26.11.1984, Az.: 4 W 90/34). Auch der Verwalter könnte haften, wenn er sich nach einem entsprechenden Beschluss nicht um die Instandsetzung gekümmert hat oder aber nicht schnell genug auf einen entsprechenden Beschluss nach dem Erkennen des Reparaturbedarfs hingewirkt hat( OLG Köln. Beschluss vom 29.04.1996, Az.: 16 Wx 29/96). Entsprechende Versäumnisse kann ich dem Sachverhalt bisher nicht entnehmen, dennoch sollten Sie schauen, ob sich diese aus der Ursache und der Behandlung des Schadens ergeben könnten.

Fazit: Leider müssen Sie die Rechnung zunächst ausgleichen. Ein Ersatzanspruch gegen die Gebäudeversicherung kommt nicht in Betracht. Eventuell greift eine Haftung von anderen Eigentümern, der Gemeinschaft oder des Verwalters bzw. der jeweiligen Haftpflichtversicherung, wenn der Wasserschaden schuldhaft verursacht wurde. Eventuell besteht auch noch irgendeine Gewährleistungspflicht weil die Leitung erst vor kurzem von einem Unternehmen bearbeitet wurde. All dies muss - am besten mit der Hausverwaltung - ermittelt werden.

Es tut mir leid , dass ich keine besseren Nachrichten für Sie habe.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 27.09.2019 | 21:13

Liebe Fragesteller,

ein Punkt, zu dem was Sie noch unternehmen könnten fiel mir noch ein:

Es muss zwingend geprüft werden, ob die Räumung Ihrer Wohnung eventuell erforderlich war, um die Sanierung durchzuführen. Sanierungen der WEG hätten sie zu dulden, aber dann würde zumindest die Räumung der Wohnung einen Ersatzanspruch nach § 14 Nr. 4 WEG zu ersetzen. Diesen Anspruch könnten Sie versuchen der Rechnung entgegen zuhalten, um diese zu mindest zu mindern ( Räumung , eventuell aber nicht Entsorgung, es sei denn die Entsorgung war für die Sanierung unabdingbar oder die Möbel wurden bei der Sanierung beschädigt).

§ 14 Nr. 4 WEG lautet:

Jeder Wohnungseigentümer ist verpflichtet:

1. die im Sondereigentum stehenden Gebäudeteile so instand zu halten und von diesen sowie von dem gemeinschaftlichen Eigentum nur in solcher Weise Gebrauch zu machen, daß dadurch keinem der anderen Wohnungseigentümer über das bei einem geordneten Zusammenleben unvermeidliche Maß hinaus ein Nachteil erwächst;
2. für die Einhaltung der in Nummer 1 bezeichneten Pflichten durch Personen zu sorgen, die seinem Hausstand oder Geschäftsbetrieb angehören oder denen er sonst die Benutzung der in Sonder- oder Miteigentum stehenden Grundstücks- oder Gebäudeteile überläßt;
3. Einwirkungen auf die im Sondereigentum stehenden Gebäudeteile und das gemeinschaftliche Eigentum zu dulden, soweit sie auf einem nach Nummer 1, 2 zulässigen Gebrauch beruhen;
4. das Betreten und die Benutzung der im Sondereigentum stehenden Gebäudeteile zu gestatten, soweit dies zur Instandhaltung und Instandsetzung des gemeinschaftlichen Eigentums erforderlich ist; der hierdurch entstehende Schaden ist zu ersetzen.

Insofern gibt es hier eventuell noch Ansprüche, die sie geltend machen udnzur aufrechnung stellen könnten.

mit freundlichen Grüßen
Doreen Prochnow

Bewertung des Fragestellers 27.09.2019 | 21:14

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