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Wohnung wegen Wasserschadens unbenutzbar - kann man Schadensersatz fordern?

4. Oktober 2006 21:06 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bitte Sie bei folgendem Fall um Rat:
Meine Tante(79 Jahre)lebt zur Miete in einem Haus, daß sie und eine andere Mietpartei (älteres Ehepaar) bewohnen. Der Vermieter lebt nicht am Ort.
Nun wurde Anfang August diesen Jahres ein Wasserschaden immer augenfälliger, der beide Wohnungen in Mitleidenschaft zog. Am 12.August mußte meine Tante die Wohnung verlassen, da sie ihr Badezinmmer nicht mehr benutzen konnte. Sie lebt seit dem im Haus meiner Eltern -15 km entfernt-, was zum Glück auf Grund des vorhandenen Platzes kein Problem darstellt. An dem Zustand in ihrer Wohnung hat sich seit dem nichts verändert, außer,dass ein Raumtrockner nach dem Aufstemmmen der Wände die Feuchtigkeit beseitigt hat.
Mehrmaliges Nachfragen Ihrerseits, wann denn nun endlich Handwerker beginnen, den Schaden zu beseitigen, bzw. wann sie denn voraussichtlich wieder in ihre Wohnung einziehen könne, wurden von Vermieterseite immer mit der stereotypen Antwort erwidert, man könne ihr dazu leider keine Auskunft erteilen, da die Versicherung (Gebäudehaftpflicht-HUK Coburg) den Fortgang der Dinge in die Hand genommen habe und Ihre eigenen Handwerker dafür einsetzen wolle.
Nun hat meine Tante Ihre Miete noch für den Monat September gezahlt; ab Oktober ruhen die Überweisungen.
Meine Eltern haben natürlich höhere Kosten an Strom/Wasser/Abwasser etc. Außerdem kann es wohl als Minderungder Lebensqualität angesehen werden, ob jemand seit sieben Wochen in einem kleinen Zimmer lebt, oder seine eigene Wohnung zur Verfügung hat.
Mein Eindruck ist, daß der Vermieter es sich hier bewusst zu einfach macht mit dem Verweis auf die Versicherung und demWissen meine Tante ist gut bei Ihrer Schwester untergekommen. Ich glaube, ohne Forderungen an den Vermieter zu stellen und ihm damit ein wenig Druck zu machen, bewegt sich hier nichts.
Deshalb meine Frage: Wie sollten wir (bzw. meine Tante) hier weiter vorgehen? Kann man zu diesem Zeitpunkt schon Forderungen stellen, oder muß man damit warten, bis die Versicherung grünes Licht gibt - es hätte ja auch sein können, daß meine Tante die Zeit in eine Pension verbracht hätte - ?
Wenn ja, welche Forderungen können dies sein?
Ich möchte betonen, daß es ihr in erster Linie darum geht schnellstmöglich wieder in ihre Wohnung zu kommen, nicht jedoch jedwede Art von Entschädigung zu verlangen.
Noch ein Nachsatz zum Schaden als solchem:
Immerhin hat die Versicherung es in sieben Wochen schon so weit gebracht mit Hilfe von zwei Gutachtern die Schadensursache un das -ausmaß festzustellen: Schaden an Mauerwerk und Gebälk durch marode Leitungen.
Erfahren hat meine Tante dies durch Nachfragen, nicht durch Mitteilung des Vermieters.
Für Beantwortung meiner Fragen wäre ich ihnen dankbar.

Andreas K.

4. Oktober 2006 | 21:52

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

problematisch an der Situation Ihrer Tante ist, dass diese unmittelbar Ansprüche nur gegen den Vermieter richten kann, der Vermieter diese Ansprüche offensichtlich aber nur in Absprache mit dem Versicherer erfüllen will, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Ihre Tante kann zunächst den Vermieter zur Mängelbeseitigung auffordern, was offensichtlich geschehen ist. Bis zur Mängelbeseitigung sollte Ihre Tante die Miete mindern, hilfsweise ihr Zurückbehaltungsrecht an der Miete erklären. Eine Mietminderung in Höhe von 80 - 100 % ist realistisch, wenn sich im Badezimmer das einzige WC der Wohnung befindet und Ihre Tante kein Wasser hat, die Wohnung also faktisch kaum nutzen kann.

Weitere Kosten kann Ihre Tante dann geltend machen, wenn sie tatsächlich angefallen und belegbar sind. Wenn Ihre Tante für Strom, Wasser etc. eine Zahlung an Ihre Eltern leistet und diese die Zahlung belegbar quittieren, können diese Kosten erstattet werden. Fiktive Hotelkosten sind allerdings nicht zu erstatten.

Schadensersatz für entgangene Gebrauchsvorteile (hier: der Wohnung) sind im deutschen Recht nur ausnahmsweise erstattungsfähig. Geschützt sind nur Lebensgüter, deren ständige Verfügbarkeit für die eigene Lebenshaltung von zentraler Bedeutung sind. Dazu zählt auch die Wohnung, sofern eine fühlbare und nicht nur unerhebliche oder vorübergehende Beeinträchtigung vorliegt. Da dies nach mehr als siebenwöchiger Abwesenheit und unterstellter Unbenutzbarkeit der Wohnung nicht mehr der Fall ist, sollte Ihre Tante (auch um Druck) zu machen, insoweit Schadensersatz fordern. Ob dieser letztendlich durchgesetzt werden kann, ist sicherlich zweifelhaft und eine Frage des Einzelfalls.

Als Ausgangspunkt zur Höhe kann die übliche Miete, gemindert um die Gewinnspanne des Vermieters und die nicht anfallenden Kosten, angenommen werden. Sie können insoweit bereits einen Vorschuss, berechnet bis zu einem bestimmten Stichtag fordern. Die Geltendmachung weiterer Ansprüche sollte ausdrücklich vorbehalten werden.

Ein weiteres Mittel, um Druck zu machen, wäre sicherlich auch die Einschaltung eines Anwaltes zur Vertretung der Interessen Ihrer Tante. Auch damit würde Sie signalisieren, dass sie jetzt "Ernst machen".

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort eine erste Orientierung gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Matthes
Rechtsanwalt


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