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Wohnsitz in Frankreich - arbeiten in angemieteter Wohnung in Deutschland


| 20.10.2017 05:19 |
Preis: 40,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von



Sehr geehrte Damen und Herren.
Ich habe mir in Frankreich, grenznah und 10 Min. vom alten Wohnsitz in D. ein Haus gekauft. Bisher hatte ich von daheim aus beim deutschen AG im Homeoffice gearbeitet. Leider hat mein AG sich nicht bereit erklärt am französischen Wohnsitz eine Homeoffice Möglichkeit einzurichten. Gut, somit habe ich erst mal die alte Wohnung behalten, obwohl ich abgemeldet bin in D. um weiter von hier aus zu arbeiten. Chef hat dem auch zugestimmt. Auf der Suche nach einer ganz kl. Wohnung zum Arbeiten, nutze ich die alte Wohnung aktuell auch weiter für diesen Zweck (arbeiten). Die Grenzgängerbescheinigung wurde vom Finanzamt problemlos ausgestellt. Nun bekam ich heute ein Schreiben, dass mir die Grenzgängerbescheinigung wieder aberkannt wird, da die Personalabteilung meines Arbeitgebers nachträglich angegeben hat ich würde ja im Homeoffice arbeiten. Somit sagt jetzt das Finanzamt in D., dass ich dann ja wohl auch einen Wohnsitz in D. habe. Dem ist aber nicht so. Ich habe nur Räume zum Arbeiten angemietet und so muss es auch bleiben, sonst kann ich nicht arbeiten. Es befindet sich alles im Grenzgebiet. Neuer Wohnsitz/Wohnort, angemietete Räume zum Arbeiten (bisher noch die alte Wohnung, aber in Auflösung) sowie auch der Arbeitgeberstandort. Begründen beruflich genutzte Räume in Deutschland automatisch auch einen dortigen Wohnsitz? Müssten die Räume reine Gewerberäume sein? Das heißt eine Wohnung angemietet und als Büroarbeitsplatz wie Homeoffice ist nicht möglich? Wie kann ich nachweisen, dass es sich wie geschildert verhält? Vielen Dank für eine Antwort.
20.10.2017 | 08:49

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Besteuerung richtet sich nicht unbedingt nach dem Wohnsitz sondern der Ansässigkeit. Diese können sie trotz Wohnsitz in Deutschland auch in Frankreich haben, wenn zu diesem Staat die engeren sozialen und wirtschaftlichen Kontakte bestehen. Entscheidend ist also nicht, wo sie eine Wohnung unterhalten, sondern wo ihr Lebensmittelpunkt liegt, Art 2 Nr. 4 b DBA D FR. Dies muss dem Finanzamt dargelegt und gegebenenfalls bewiesen werden.

Nun zu ein paar Einzelheiten:

A) Allgemeine Rechtslage
Dadurch, dass ihr Arbeitsort eine Wohnung ist, werden sie Probleme haben , dem deutschen Fiskus zu erklären, dass dieser nur zu Arbeitszwecken dient. Allein das genutzte Wort "home-office", indiziert natürlich, dass es sich um eine Tätigkeit von zu Hause, also ihrem Wohnsitz aus handelt.

Haben sie jedoch ihren Wohnsitz in Deutschland, so entfällt die Grenzgängerregelung, da sie das Kriterium der Überwindung der Grenze ( Wohnen in einem Land und Arbeiten in Anderem Land, 45-Tage -Regelung) um zum Arbeitsort zu gelangen augenscheinlich nicht erfüllen. Um in Deutschland ein Home-office zu unterhalten müssten sie eine Wohnung anmieten, womit sie aber immer gleich einen Wohnsitz begründen, da sie Arbeitnehmer und nicht Selbständiger oder Freiberufler sind und folglich selbst keine Gewerberäume oder ähnliches anmieten können. Somit entfällt ihr Grenzgängerstatus grundsätzlich, wenn sie ein home-office in Deutschland begründen, da sie dann auch immer einen deutschen Wohnsitz haben.

Das Urteil des BFH (Urteil vom 11.11.2009) zum Aktenzeichen I R 84/08 stellt insofern die grundlegenden Anforderungen dar. Grundsätzlich erfüüllen sie diese auch, problematisch ist aber, dass das home-offecie gleichzeig impliziert, dass sie dort auch wohnen, also es sich um ihren Wohnsitz handelt, womit die wichtigste aller Voraussetzungen ( Wohnen in einem Staat, Arbeiten in anderem) wegfällt, vgl- Art. 2 Nr. 4 DBA Deutschland -Schweiz.

Fazit:
Mit Anmietung einer Wohnung in Deutschland, erfüllen sie also grundsätzlich das Kriterium des Grenzgängers nicht mehr. Die Abmeldung der Wohnung reicht zur Abmeldung beim Finanzamt nicht, denn hier kommt es nur darauf an, wo sie tatsächlich wohnen, allenfalls kann die Nichtmeldung beim Einwohnermeldeamt aber Konsequenzen nach sich ziehen.

B) Lösungen
a) Die einzige Idee, die ich habe ist, ihren Arbeitgeber darum zu bitten, ihnen einen kleinen Raum im Grenzgebiet als Arbeitsstätte zur Verfügung zu stellen, ich denke jedoch , dass der Arbeitgeber sie dann auf Räumlichkeiten in seinem ohnehin bestehenden Betrieb verweisen wird. Dies wäre die eindeutigste und sicherste Variante für sie, dann müssten sie die von ihnen angemieteten Räumlichkeiten aufgeben.


b) Daneben gibt es die (wesentlich unsichere) Möglichkeit, den Arbeitsvertrag in soweit zu ändern, dass der Wohnsitz in Deutschland als Arbeitsstätte deklariert wird. Dann haben sie zwar immer noch eine Wohnung in Deutschland ( die auch wieder Einwohner melderechtlich erfasst werden muss), müssen aber nachweisen, dass sie in Frankreich ansässig sind, weil sie hier die näheren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen (Mittelpunkt des Lebensinteresses) haben.
Sie müssen also darlegen, dass sie in Deutschland zwar auch eine Wohnstätte haben, aber eben vorrangig die in Frankreich nutzen, so dass ihr Lebensmittelpunkt Frankreich ist. Dies können sie tun in dem sie nachweisen, dass Freunde und Familie, Konten, etc. In Frankreich sind, eben alles was zum Leben dazu gehört.
Sie sollten ebenso nachweisen, dass nach Deutschland keine engen Bindungen bestehen und sie sich hier ausschließlich aufhalten, um die arbeitsvertraglich geschuldeten Leistungen zu erbringen. Denn entscheidend bei der Ansässigkeit der Schwerpunkt ihres Lebensalltags.

Wie sie sich vorstellen können, ist dieser Schwerpunkt eine Einzelfallentscheidung unter Einstellung aller ermittelbaren Punkte, womit sich eine Entscheidung des Fiskus nichts wirklich prophezeien lässt.
Schon dass sie täglich ihre Wohnstätte in Deutschland tagsüber nutzen, ist hier natürlich ein gewichtiges Kriterium zu ihren Lasten, da man sagen könnte, dass auch nach Deutschland starke Beziehungen bestehen, da sie tagsüber natürlich auch soziale Kontakte und ähnliches pflegen können und auch die zeitliche Dauer des Aufenthalts nicht unbedingt für einen Schwerpunkt in Frankreich spricht. Auch mit der Ermittlung des gewöhnlichen Aufenthalts ( wird bemüht, wenn der Schwerpunkt des Lebens nicht ermittelbar ist) zeigt für sie keine positiveren Ergebnisse, auch hier lässt ist der Aufenthalt in der deutschen Wohnstätte von einigem Gewicht. Somit lässt sich auch nicht zwingend ihr gewöhnlicher Aufenthalt ermitteln, so entscheidet grundsätzlich die Staatsbürgerschaft. Diese wäre bei ihnen sicherlich noch deutsch, so dass das Finanzamt versuchen wird, diesen Auffangtatbestand zur Ermittlung der Ansässigkeit zu bemühen. Dies können sie nur verhindern, in dem sie ihren Lebensmittelpunkt in Frankreich nachweisen, was zugegeben sehr schwierig ist. Ob es für sie möglich ist die französische Staatsbürgerschaft zu erlangen, kann ich nicht beurteilen, dies wäre natürlich auch ein Weg bei doppeltem Wohnsitz.

Es tut mir leid, aber andere Wege sehe ich nicht. Sie müssen dem Finanzamt klarmachen, dass trotz zwei Wohnsitzen ihr Lebensmittelpunkt in Frankreich liegt und sie deswegen als dort ansässig gelten, auch wenn sie in Deutschland nur zu Arbeitszwecken eine weitere Wohnstätte unterhalten. Dies halte ich für sehr schwierig.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin Doreen Prochnow

Bewertung des Fragestellers 22.10.2017 | 07:07


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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 22.10.2017
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