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Wohnsitz im Ausland - Inhaber von Bankkonten in Deutschland. Steuerpflichtig?

01.08.2018 16:09 |
Preis: 85,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Diplom Kaufmann Peter Fricke


Ich wohne seit 1992 in Brasilien und bin seit 1995 in Deutschland abgemeldet.
Seit dieser Zeit unterhalte ich jedoch in Deutschland Bankkonten, auf die verschiedene Leute Geld für mich überweisen. Ich benutzte eine internationale Kreditkarte, mit der ich auf das Geld dieser Konten zugreifen kann. Die Einkäufe und Abhebungen werden fast ausschließlich in Brasilien getätigt.

Vor einem Jahr bin ich in Deutschland eine Erbschaft angetreten. Das Finanzamt hat mich von den Steuern befreit und ich habe ohne Steuern zu zahlen das gesamte Geld auf meine Konto überwiesen bekommen. Dazu wurde mir eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgehändigt.

Frage:
Bin ich unter den oben geschilderten Umständen in Deutschland steuerpflichtig?
Werden bei Einkäufen und Abhebungen mit der Kreditkarte bereits Steuern eingezogen?

Sehr geehrter Ratsuchender,


1.) Allgemeine Ausführungen

Nach § 1 I Satz 1 EStG sind natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Beides ist bei Ihnen nicht der Fall, so daß Sie erst einmal nicht der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen.

Aber in Absatz 4 der gleichen Norm ist die beschränkte Steuerpflicht geregelt. Natürliche Personen, die im Inland also weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind vorbehaltlich der Absätze 2 und 3 und des § 1a beschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn sie inländische Einkünfte im Sinne des § 49 EStG haben.

In § 49 EStG sind mehrere Einkunftsarten geregelt, insbesondere solche aus Kapitalvermögen. Ich gehe davon aus, daß Sie mit dem Geld in Deutschland auch Zinsen oder Erträge erwirtschaften, so daß Geld aus diesem Geld der beschränkten Steuerpflicht unterliegt.


2.) Erbschaftssteuer

Bei Erbschaften stellt § 2 I Nr. 1 ErbStG darauf ab, ob der Erbe oder der Versterbende im Inland der BRD seinen Wohnsitz hatte. Danach wären Sie eigentlich steuerpflichtig gewesen. Ob hier Freibeträge eine Besteuerung verhindert haben, kann ich nicht bewerten. Soweit hier aber auch aus diesem Geld noch Erträge erwirtschaftet werden, greift die Ausführungen unter obiger Ziffer 1.


3.) Einnahmen / Ausgaben

Wo Sie Ihr Geld abheben oder verwenden, ist unerheblich. Der Stamm des Kapitals gehört Ihnen und mag keiner Steuer unterliegen. Die Erträge wären dann aber in einer Steuererklärung zu deklarieren.

Soweit hier Dritte für Sie die Gelder einzahlen, sollte auch beachtet werden, daß dies Einnahmen nach § 2 Absatz 1 EStG sein können. Soweit die Einzahlungen nicht unter diese 7 Einkunftsarten fallen, sollte überdacht werden, ob es sich hier nicht um Schenkungen handelt, die wiederum nach dem ErbStG zu versteuern wären.

Ein Abzug von Steuern bei Abhebungen oder Einkäufen gibt es nicht. Sie werden hier die Quellensteuer meinen, mit welcher bei Einkünften aus Kapitalvermögen oder Spekulationsgeschäften durch eine pauschale Quellensteuer dafür Rechnung getragen wird, daß ein Teil als Vorabsteuer vom Kreditinstitut direkt einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wird.


4.) Abschließendes

Das ist bei Ihnen so alles nicht der Fall. Ihr Fall klingt aber irgendwie interessant wie auch mysteriös, so daß ich mir durchaus vorstellen könnte, daß bei Ihrer Fallgestaltung der Mittelherkunft und Mittelverwendung das deutsche Finanzamt irgendwann einmal hellhörig werden könnte.

Um dies zu überprüfen, müsste sich aber ein Steuerberater oder ein Rechtsanwalt einen gezielten Überblick über Ihre finanzielle Lage machen und Ihnen anschließend verlässlich einen Rechtsrat erteilen zu können. Dabei kann ich Ihnen gerne behilflich sein, bis dahin dürften meine ersten Ausführungen hier aber genügen, um Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

In der Hoffnung, Ihnen erst einmal behilflich gewesen zu sein verbleibe ich

Fricke
Rechtsanwalt und Diplom Kaufmann





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