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Wohnsitz, Steuerrecht, Meldepflicht, Hauptwohnsitz D, Wohnung in AT

01.09.2018 14:26 |
Preis: 70,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Rechtsanwälte,

ich bin Österreicherin, wohne aber seit 20 Jahren in Deutschland und habe auch dort nach wie vor meinen Hauptwohnsitz. Ich bin seit 10 Jahren selbständig/Freiberuflerin ohne angemeldetes Gewerbe (das muss ich aufgrund meines Tätigkeitsfeldes nicht). Nun habe ich vor einem Jahr eine Wohnung in meinem Heimatland Österreich erworben und lebe seit August 2018 hauptsächlich in Österreich, bin aber dort noch nicht gemeldet. Ich habe gezögert, da ich nicht weiß, welche Auswirkungen es steuerrechtlich und privat hat.

Ich darf meine Wohnung eigentlich nur 3 Wochen im Jahr selbst nutzen oder ich muss mich hier anmelden, bzw. muss ich Kurtaxe bezahlen, da es sich um einen Kurort handelt. Daher, es besteht Handlungsbedarf!

Beruflich möchte ich für 2018 meinen Hauptwohnsitz in Deutschland belassen und würde Ende 2018 mein „Büro’" auflösen und mich in Österreich offiziell neu niederlassen. Ich unterhalte in Deutschland KEIN! konkretes Büro. Es handelt sich dabei lediglich um eine Geschäftsadresse, die ich gegenüber den Behörden und dem Finanzamt angeben muss.

Ich habe über 50 % meiner Tätigkeiten in Deutschland ausgeführt, bzw. habe ich dort auch konkret gewohnt. Den Behörden gegenüber ist es natürlich möglich glaubhaft zu machen, dass mein Haupterfüllungsort nach wie vor Deutschland ist. Außerdem habe ich die 183-Tage-Grenze überschritten, also ist und war mein Hauptwohnsitz und mein steuerlicher Erfüllungsort für 2018 in Deutschland, nicht in Österreich.

Kann ich das Geschäftsjahr noch in Deutschland belassen und erst Ende des Jahres auflösen?
Sollte ich mich in Deutschland abmelden?
Wenn ich mich in Österreich melden muss, habe ich dann zwei Hauptwohnsitze?
Wo versteuere ich dann?
Unterliege ich dann dem Doppelbesteuerungsabkommen?
Was würde das finanziell für mich bedeuten?
Was bedeutet das für meine Krankenversicherung, wenn ich nun in Österreich ebenso gemeldet bin?

Übrigens, ich besitze kein Auto, das fällt schon mal weg.

Freundliche Grüße und vielen Dank vorab!
03.09.2018 | 08:05

Antwort

von


(676)
Hahnstr. 37A
60528 Frankfurt am Main
Tel: 069 1751 0514
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Kann ich das Geschäftsjahr noch in Deutschland belassen und erst Ende des Jahres auflösen?

Die Frage, wo Sie wirtschaftlich selbstständig tätig sind, ist grundsätzlich unabhängig von Ihrem Wohnort. Haben Sie also in D immer noch ein "Büro", so können Sie dort selbstständig tätig sein und einen Wohnsitz in AT inne haben.

Sie tragen vor, dass Sie seit August 2018 hauptsächlich in AT leben, ich gehe also davon aus, dass Sie sich auch gelegentlich in D aufhalten, vielleicht sogar noch in einer dort angemieteten Wohnung.

Unter diesen Voraussetzungen können Sie Ihr Büro in D einfach Ende des Jahres auflösen und dieses nach AT überführen.

2. Sollte ich mich in Deutschland abmelden?

Sobald Sie Ihren Hausstand in D aufgelöst haben und dort keine Wohnung mehr inne haben, sollten Sie sich auch abmelden. Die Meldung an sich schafft keine Steuerpflicht, Sie sollten sich aber dennoch abmelden, damit keine Komplikationen auftreten.

3. Wenn ich mich in Österreich melden muss, habe ich dann zwei Hauptwohnsitze?

Da Sie bereits jetzt in AT leben können Sie davon ausgehen, dass diese den Wohnsitz in AT bereits begründet haben. Ihren Hauptwohnsitz (Ansässigkeitsstaat) werden Sie nun in AT haben, es ist aber zu prüfen, ob dies für 2018 auch schon gilt.

4. Wo versteuere ich dann?

Sie wären grundsätzlich in beiden Ländern unbeschränkt steuerpflichtig. Wo Sie welches Einkommen zu versteuern haben richtet sich nach dem Doppelbesteuerungseinkommen (DBA). Eine Steuererklärung wäre aber in beiden Ländern zu machen.

5. Unterliege ich dann dem Doppelbesteuerungsabkommen?

Ganz recht, hier wäre zum einen zu prüfen, welcher der beiden Staaten Ihr Ansässigkeitsstaat ist. Nach Art. 4 Abs. 2 a DBA ist aus meiner Sicht für 2018 immer noch eine stärkere wirtschaftliche und Beziehung zu Deutschland gegeben, so dass Sie in 2018 weiterhin D als Ihren Ansässigkeitsstaat betrachten können. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie in D weiterhin eine Wohnung unterhalten bzw. dort gelegentlich übernachten.

Aus Art. 14 DBA sind Einkünfte aus selbstständiger Arbeit nur im Ansässigkeitsstaat zu versteuern, außer Sie haben in AT auch eine feste Einrichtung, also eine Art Büro, dann wäre eine Versteuerung auch dort denkbar.

6. Was würde das finanziell für mich bedeuten?

Dies kann im Detail nicht vorausgesagt werden, aus Art. 23 Abs. 2 DBA werden die deutschen Einkünfte aber in AT von der Besteuerung ausgenommen, diese sind also nur einmal in D zu besteuern. Haben Sie keine weiteren Einkünfte in AT, wird sich für Sie also erst einmal nichts ändern.

7. Was bedeutet das für meine Krankenversicherung, wenn ich nun in Österreich ebenso gemeldet bin?

Hier wäre wichtig zu wissen, ob Sie freiwillig gesetzlich versichert oder privat versichert sind. Die gesetzliche Krankenversicherung aus D können Sie auch in AT nutzen, da Sie aber nun in AT leben werden und ab 2019 dort auch Ihre Einkünfte versteuern werden, sollten Sie in eine Krankenversicherung aus AT wechseln.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Alexander Park, LL.B.

Nachfrage vom Fragesteller 03.09.2018 | 11:27

Vielen herzlichen Dank für Ihre rasche und kompetente Antwort!

Ihren Ausführungen entnehme ich, dass ich mich in Deutschland abmelden, aber dennoch für das Jahr 2018 Deutschland als Ansässigkeitsstaat beibehalten könnte, ist das richtig? Obwohl ich abgemeldet wäre, könnte ich dennoch offiziell mein "Büro" in Deutschland weiterhin behalten. Wie gesagt, ich habe dort keine Räumlichkeiten, es ist ein reiner Briefkasten.

Selbst wenn ich in beiden Ländern gemeldet wäre, so könnte ich denn glaubhaft machen, dass ich mein Büro und meinen Ansässigkeitsstaat in Deutschland habe, richtig?
Somit könnte ich mich ebenso in Österreich melden, ohne, dass es negative Konsequenzen für mich hätte?

Kann ich mich im September in AT anmelden und erst im Oktober in DT abmelden?
Oder verwirrt das die Behörden?

Vielen Dank vorab!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.09.2018 | 18:28

Gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage.

Wichtig ist hier die Frage, ob Sie in weiterhin eine Wohnung oder sonst etwas unterhalten. Wenn Sie dort komplett die Zelte abgebrochen haben und nur noch diesen Briefkasten haben, dann haben Sie ja keinen Wohnsitz mehr in D. Dann wäre auch das DBA nicht mehr interessant.

Für 2018 werden Sie aber wegen der stärkeren wirtschaftlichen Bindung nach D hier auch Ihre Ansässigkeit nach DBA inne haben.

Ja, eine Ansässigkeit in D lässt sich sehr gut vertreten. Die Reihenfolge der Abmeldung sollte stimmen, melden Sie sich also zeitnah mit der Abmeldung in AT an, wenn dies dort gesetzlich gefordert ist. Eine spätere Abmeldung in D als eine Anmeldung in AT wird die Behörden nicht verwirren, dies ist eine nicht ungewöhnliche Konstellation.

Mit freundlichen Grüßen

ANTWORT VON

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