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Wohnort Taiwan und dannach China - Steuerliche Auswirkung und Rueckkehr Deutschland

| 20.04.2008 12:43 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Ich bin 11/2000 von Deutschland nach Taiwan verzogen, um dort eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen (keine Entsendung). Zuvor hatte ich im Jahr 2000 keine Einkünfte (mit Ausnahme von Zinsen aus ein wenig Sparguthaben). Ich habe ab Okt. 1999 zu arbeiten aufgehört und war bis Juni 2000 auf einer Weltreise.
Mit dem Verzug nach Taiwan habe ich auch meine bis dahin angemietete Wohnung aufgegeben und mich in Deutschland abgemeldet.
Von 11/2000 - 3/2005 war ich dann in Taiwan beschäftigt und habe dort mein Einkommen versteuert (und inklusive 2005 erklärt)
3/2005 bin ich nach China gezogen um dort zunächst chinesische Sprache und Kultur zu studieren, zu reisen und dann evtl. ein Geschäft zu eröffnen.
Ich lebe bis heute in China und trage mich nun mit dem Gedanken im Mai 2008 bzw. Juni nach Deutschland zurückzukehren. Ein Geschäft habe ich nicht eröffnet.
Während meiner Zeit in China habe ich von Ersparnissen, Zinsen und Aktiengeschäften gelebt, die aus dem Verdienst meiner Zeit in Taiwan herrühren. Ich habe in China nicht gearbeitet und dort auch keine Einkommenssteuer bezahlt.
Meine Fragen dazu
1. Wenn ich im Mai 2008 nach Deutschland zurückkehre, in wie weit bin ich dann für das Jahr 2008 steuerpflichtig?
2. Macht es evtl. Sinn erst im zweiten Halbjahr zurückzukehren? Oder ist es vielleicht sogar besser so bald als möglich zurückzukehren, sodass die Zeit bis 05/2008 in der ich keine hohen Einkünfte (ein wenig Zinsen, Aktien sind ja runtergegangen) für eine Steuererklärung im Jahr 2008 günstig berücksichtigt werden könnte?
3. Ich gehe davon aus, dass ich für die Vorjahre, also die Zeit von 11/2000 - 31.12.2007 und eigentlich auch für die Zeit bis 5/2008 in Deutschland nur eingeschränkt steuerpflichtig bin, d. h. nur Zinseinkünfte und Dividendeneinkünfte die in Deutschland anfielen (und bei denen ja die Steuer pauschal abgezogen wurde) besteuert werden, aber nicht Einkommen aus der nichtselbstaendigen Arbeit in Taiwan und Aktienveraeusserungen? Stimmt das so, bzw. was muss ich zu diesen Einkünften der Vorjahre evtl. beachten?
4. Im Moment ist mir noch nicht klar, ob ich mich nur vorrübergehend in Deutschland aufhalte und etwa nach 3 oder 4 Monaten wieder ins Ausland gehe, um dort zu arbeiten, oder wieder in Deutschland wohnen und arbeiten werde. Wie sieht es in diesem Falle mit der Besteuerung aus? Muss ich etwas, wie etwa Fristen berücksichtigen?
5. Haben Sie weitere Tips für mich?

Vielen Dank für Ihre Mühe und mit freundlichen Grüßen

20.04.2008 | 14:21

Antwort

von


(139)
Nördliche Auffahrtsallee 65
80638 München
Tel: 089 / 550 559 45
Web: http://www.ra-manfredbinder.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben und der Höhe Ihres Einsatzes wie folgt beantworte.

Zu Frage 1.: Mit dem Zuzug nach Deutschland im Mai oder Juni 2008 werden Sie hier wieder unbeschränkt steuerpflichtig nach § 1 Abs. 1 S. 1 EStG , wenn Sie in Deutschland einen Wohnsitz oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Jedoch ist zu beachten, dass bei einem Wechsel von der beschränkten Steuerpflicht zu einer unbeschränkten Steuerpflicht für den gesamten Veranlagungszeitraum (VZ 2008) nur die Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht durchzuführen ist, § 2 Abs. 7 S. 3. EStG . Im Ergebnis bedeutet dies, dass die während einer beschränkten Steuerpflicht (im VZ 2008) erzielten inländischen Einkünfte in die Veranlagung einzubeziehen sind. Die Abgeltungswirkung des Steuerabzuges nach § 50 Abs. 5 S. 1 EStG tritt insoweit nicht ein. Die Einkommensteuer für Einkünfte, die dem Steuerabzug vom Kapitalertrag unterliegen, gilt dann durch den Steuerabzug als nicht abgegolten.
Des Weiteren sind während der beschränkten Steuerpflicht oder während nicht bestehender Steuerpflicht erzielte ausländische Einkünfte, die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegen, im Rahmen des Progressionsvorbehalts nach § 32b Abs. 1 Nr. 2 EStG zu berücksichtigen.

Zu Frage 2.: Wegen den oben genannten Regelungen macht es keinen Unterschied, ob Sie erst in der zweiten Hälfte des Jahres nach Deutschland ziehen und hier einen Wohnsitz begründen und damit der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen oder sofort. Ein anderes ergibt sich nur, wenn Sie in Deutschland keinen Wohnsitz begründen und die unbeschränkte Steuerpflicht im Wege des gewöhnlichen Aufenthaltes umgehen wollen, (dazu unten).

Zu Frage 3.: Für die VZ 2001 bis VZ 2007 unterlagen Sie mit den in Deutschland erzielten Einkünften aus Kapitalvermögen der beschränkten Steuerpflicht nach §§ 1 Abs. 4 , 49 Abs. 1 EStG . Hier gilt § 50 Abs. 5 Satz 1 EStG , wonach die Einkommensteuer, die dem Steuerabzug vom Kapitalertrag unterliegen, abgegolten ist. Für den VZ 2008 gilt dies nicht. Hier ist die Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht durchzuführen.

Zu Frage 4 und 5.: Wie oben beschrieben unterliegen Sie der unbeschränkten Steuerpflicht mit den oben aufgeführten Folgen, wenn Sie in Deutschland einen Wohnsitz begründen oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben. Dies gilt für die Begründung eines Wohnsitzes unabhängig davon, ob Sie nur vier oder fünf Monate in Deutschland bleiben, um dann wieder ins Ausland zu verziehen, oder in Deutschland bleiben. In Rahmen des gewöhnlichen Aufenthalts gilt zu beachten, dass eine unwiderlegliche Vermutung für das Vorhandensein eines gewöhnlichen Aufenthaltes an einen inländischen Aufenthalt während eines zusammenhängenden Zeitraums von mehr als sechs Monaten geknüpft wird.
Sollten Sie sich daher entschließen, nach einem weniger als sechs Monate währenden Aufenthalt in Deutschland wieder in das Ausland zu verziehen, dann empfiehlt es sich, keinen Wohnsitz zu begründen. Ausserdem sollte ein Verzug ins Ausland auch noch im VZ 2008 erfolgen, damit die unter oben 1. beschriebenen Wirkungen nicht in den VZ 2009 fallen, (freilich nur unter den Voraussetzungen der unbeschränkten Steuerpflicht).
Wenn Sie sich dazu entschließen sollten, in Deutschland zu bleiben, um hier zu arbeiten, ergeben sich nur die oben beschriebenen Besonderheiten.


Ich hoffe, dass ich Ihnen in Ihrer Angelegenheit weiterhelfen konnte. Bei Unklarheiten verweise ich auf die kostenlose Nachfrageoption.


Mit freundlichen Grüßen

Manfred A. Binder
Rechtsanwalt


info@ra-manfredbinder.de

Ich darf schließlich noch auf Folgendes hinweisen:
Durch Weglassen oder Hinzufügen weiterer Sachverhaltsangaben Ihrerseits kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen, so dass die Beratung innerhalb dieses Forums lediglich eine erste rechtliche Orientierung in der Sache darstellt und keinesfalls den Gang zu einem Kollegen vor Ort ersetzen kann.



Rückfrage vom Fragesteller 20.04.2008 | 15:20

Sehr geehrter Herr Binder,

zunaechst vielen Dank fuer die Antwort.

Ich bin Ihnen dankbar fuer die Erwaehnung der Paragraphen, verstehe aber noch nicht alles so ganz:

zu 1. Heisst das, dass die in 2008 bis zum Zeitpunkt der Begruendung eines Wohnsitzes (z.B. bis 05 / 2008) im Ausland erzielten Kapitaleinkuenfte (Zinsen, Aktien) nicht in Deutschland versteuert werden muessen?

zu 3. Verstehe ich nicht so ganz
-Wie ist das mit den Einkuenften fuer 11/2000 und 12/2000?

-Die Einkuenfte aus nichtselbststaendiger Arbeit in Taiwan muessen also in Deutschland nicht versteuert werden?

-Ertraege aus Aktiengeschaeften in Deutschland fuer 2001 bis einschliesslich 2007 in Deutschland muessen also in Deutschland nicht versteuert werden?

-Ertraege aus Aktiengeschaeften im Ausland fuer 2001-05/2008 und im Ausland erzielte Zinsen fuer 2001-05/2008 muessen also in Deutschland nicht versteuert werden?

zu 4. Vielen Dank fuer den Tip. Wie mache ich das, zunaechst keinen Wohnsitz zu begruenden?

Vielen Dank und mit freundlichen Gruessen

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 20.04.2008 | 23:39

Sehr geehrter Fragesteller,

In der Tat unterliegen ausländische Einkünfte aus Kapitalvermögen nicht der deutschen Einkommensteuer, wenn die betreffende Person nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist. Zieht diese Person aber wieder zurück nach Deutschland und wird dadurch unbeschränkt steuerpflichtig, werden die ausländischen Einkünfte, die im VZ bis zum Beginn der unbeschränkten Steuerpflicht angefallen sind, im Rahmen des Progressionsvorbehaltes berücksichtigt, dh., dass sie in das Steuersatzeinkommen einfließen.
Für das Einkommen der Zeiträume 11/00 und 12/00 gilt das gleiche wie für den VZ 2008, da Sie im VZ 2000 unbeschränkt einkommensteuerpflichtig in Deutschland waren.

Sofern Sie keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt während 01.01.2001 und 31.12.2007 in Deutschland hatten und damit hier unbeschränkt steuerpflichtig waren, gilt:
Weder ausländische Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit noch aus Kapitalvermögen, die aus ausländischen Beteiligungen herrühren unterlagen der deutschen Einkommensteuer. Wenn Sie allerdings im VZ 2008 einen Wohnsitz oder Ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, dann werden diese Einkünfte dem Progressionsvorbehalt unterworfen.

Erträge iSv privaten Veräußerungsgewinnen mit inländischen Wertpapieren unterliegen nicht der beschränkten Einkommensteuerpflicht. Der beschränkten Steuerpflicht unterfallen jedoch die Kapitalerträge wie Dividenden und Zinsen. Die Einkommensteuer gilt aber durch die einbehaltene Kapitalertragsteuer als abgegolten.

Einen Wohnsitz begründet, wer eine Wohnung innehat, also über die er tatsächlich verfügen kann und sie nicht nur vorübergehend benutzt. Ausreichend ist hierfür auch eine bescheidene Bleibe. Wer von vornherein eine Wohnung in der Absicht nimmt, sie nur vorübergehend (weniger als sechs Monate) beizubehalten und zu benutzen, begründet dort keinen Wohnsitz. Gleiches gilt auch, wer sich in regelmäßigen Abständen in der Wohnung eines Angehörigen oder Bekannten aufhält, sofern es nicht wie im Fall einer Familienwohnung oder der Wohung in einer Wohngemeinschaft gleichzeitig die eigene Wohnung ist.
Die Anmeldung bei der Ordnungsbehörde kann im allgemeinen als Indiz dafür angesehen werden, dass der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz unter der von ihm angegebenen Anschrift begründet.

Ich hoffe, dass ich die Unklarheiten beseitigen konnte und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen


Manfred A. Binder
Rechtsanwalt


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