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Wohngebäude-/Hausratversicherung bei selbst ausgeführten Elektroarbeiten

24.10.2010 09:57 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe eine Frage zum Versicherungsrecht. Ich bewohne eine Doppelhaushälfte (Eigentum), für die selbstverständlich eine Wohngebaüdeversicherung besteht. Die gesammte Elektroinstallation wurde im Jahr 2000 von einer Fachfirma durchgeführt und auch abgenommen. Nun habe ich im Zuge kleinerer Umbaumaßnahmen ein paar Steckdosen neu gesetzt und Leitungen entsprechend verlegt. Ich bin kein Elektriker, allerdings war dies Bestandteil meiner Ausbildung. Ich war der Meinung, das kleinere Elektroarbeiten (Lampen aufhängen, Leitungen zur Steckdose verlegen) von fachlich versierten Personen durchgeführt werden dürfen. Ein Bekannter sagte mir nun. das damit der Versicherungsschutz gefährdet sei, was ich nachvollziehen kann, wenn ein etwaiger Schaden von den von mir durchgeführten Arbeiten ausginge (Ich denke es macht Sinn, mich zwecks Abnahme oder Neuinstallation mit einem Fachbetrieb in Verbindung zu setzen).

Mal angenommen, es entstünde tatsächlich ein Schaden. Könnte die Versicherung die Leistung verweigern, wenn:
1. Der Schaden von der ursprünglich Elektroinstallation ausginge und nicht von meinen ausgeführten Arbeiten?
2. Der Schaden von einem Elektrogerät (Fernseher, Kaffeemaschine ect) ausginge und nicht von der Elektroinstallation?
3. Eine andere Schadensart wie z.B. Wasserrohrbruch aufträte?

Vielen Dank

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage!


Nachfolgend möchte ich gerne unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung sowie Ihres Einsatzes Ihre Frage wie folgt beantworten:

1. Gemäß § 81 Abs. 1 VVG ist der Versicherer bei vorsätzlicher Herbeiführung des Schadens nicht verpflichtet, Leistungen zu erbringen. Von einer vorsätzlichen Handlungsweise kann in Ihrem Fall jedoch keine Rede sein.

Wenn der Schaden grob fahrlässig herbeigeführt wurde, kann der Versicherer nach der Schwere des Verschuldens, seine Schadenszahlungen kürzen (§ 81 Abs. 2 VVG).

Eine grob fahrlässige Schadensherbeiführung setzt jedoch voraus, dass die erforderliche Sorgfalt in besonders krasser Weise missachtet wurde, d.h. die Vorkehrungen außer Acht gelassen wurden, die sich jedem hätten aufdrängen müssen.

Dies wird in der Rechtsprechung etwa für Fälle angenommen, in denen der Versicherungsnehmer einen Adventskranz über längere Zeit unbeaufsichtigt brennen lässt oder im Bett geraucht wird und es dadurch zu einem Brandschaden kommt ( OLG Hamburg VersR 1994, 89 / OLG Köln r+s 1994, 24)

Für eine ggf. grobfahrlässige Schadenverursachung Ihrerseits sehe ich hier keine ausreichenden Anhaltspunkte.

2. Aus den Versicherungsbedingungen kann sich jedoch die Möglichkeit ergeben, bei Verstoß gegen Obliegenheiten eine Kürzung der Schadenzahlungen vorzunehmen.

Regelmäßig ist in den Bedingungen der unterschiedlichen Versicher eine Klausel enthalten, wonach der Versicherungsnehmer zur Einhaltung aller gesetzlichen, behördlichen sowie vertraglich vereinbarten Sicherheitsvorschriften verpflichtet ist (vertragliche Obliegenheit des Versicherungsnehmers).

Weiter bestimmen die Bedingungen regelmäßig – inhaltsgleich mit § 28 Abs. 2 VVG – dass im Falle vorsätzlicher Obliegenheitsverletzung Leistungsfreiheit besteht, bei grob fahrlässiger Verletzung, die Schadenzahlung wiederum gekürzt werden kann.

Dazu ist jedoch erforderlich, dass der Verstoß gegen die Obliegenheit ursächlich für den Schaden ist, was der Versicherer darlegen und beweisen müsste.

Wenn der Schaden also auch dann eingetreten wäre, wenn die Leitungen durch einen Fachbetrieb und 100 % ordnungsgemäß verlegt worden wären, und es trotzdem zum Schaden gekommen wäre, würde es an der Kausalität fehlen.

Daraus ergibt sich für Ihre Fragen 2 + 3 bereits, dass der Versicherungsschutz in diesen Fällen nicht gefährdet ist, denn liegt die Schadenursache rein in einem Defekt z.B. des Fernsehers, dann hat sich ein etwaiger Fehler in der Elektroinstallation nicht mehr im Schaden (z.B. Brand ausgewirkt).
Kommt es zu einem Wasserrohrbruch, dann besteht schon gar kein Zusammenhang zu den Elektroinstallationen.

Differenzierter zu betrachten ist Ihre Frage 1:

Geht der Schaden allein auf die ursprüngliche Elektroinstallation zurück, dann besteht auch hier kein Risiko für den
Versicherungsschutz.

Ist der Schaden aber aus einer Kombination der ursprünglichen Installation mit der Teilneuverlegung zurückzuführen (etwa weil unpassende Anschlusstücke o.ä. verwendet wurden), dann wäre Mitursächlichkeit gegeben, was grundsätzlich ausreichen würde.
Im zweiten Fall wäre dann entscheidend, ob mit der Teilneuverlegung gegen gesetzliche oder behördliche Sicherheitsvorschriften im o.g. Sinne verstoßen wurde.
Derartige Sicherheitsvorschriften ergeben sich in erster Linie aus den Landesbauordnungen und Landesbrandschutzgesetzen. So schreibt etwa § 17 LandesBauO NRW vor, dass bauliche Anlagen so beschaffen sein müssen, dass der Entstehung eines Brandes vorgebeugt wird.

Es ist jedoch nicht festgelegt, dass bauliche Maßnahmen von einem Fachbetrieb durchzuführen sind. Da die Verlegung von Leitungen Teil Ihrer Ausbildung waren, besteht kaum Anlass, Ihnen in einem Schadenfall vorzuwerfen, die Sicherheitsvorschriften seien nicht eingehalten gewesen.

Sollte dies im schlimmsten Fall doch passieren, müsste der Versicherer (Ihnen wie oben dargestellt) auch zur Last legen können, dass Sie sich grob fahrlässig verhalten haben. Dies wäre jedoch nur bei ganz entscheidenden Qualitätsabweichungen Ihrer in Eigenleistung vorgenommenen Arbeiten von den Arbeiten eines Fachbetriebes möglich. Davon gehe ich jedoch nicht aus.

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass - auch wenn ein Schaden auf Ihre Eigenleistungen bei der Kabelneuverlegung zurückzuführen sein sollte – der Versicherer kaum die Möglichkeit haben wird, eine Kürzung der Leistungen vorzunehmen.

Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute!



Ich möchte Sie gerne noch abschließend auf Folgendes hinweisen:

Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann.


Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben. Sie können natürlich gerne über die Nachfrageoption mit mir Verbindung aufnehmen, wenn noch Unklarheiten bestehen.


Mit freundlichen Grüßen
Ingo Driftmeyer
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 24.10.2010 | 18:25

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Sie schrieben u.a., das gesetzlich nicht festgelegt ist, das bauliche Maßnahmen (hier Elektroarbeiten wie Steckdosenmontage und Kabelverlegung) von einem Fachbetrieb durchgeführt werden müssen. Wie gesagt, ich bin kein Elektriker bzw Elektrikermeister, habe in meiner Ausbildung aber die Kenntnisse erworben. Besteht denn eine VerpflichtungVorschrift, die Arbeiten von einem Elektrikermeiser trotzdem abnehmen zu lassen?

Vielen Dank

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.10.2010 | 20:38

Sehr geehrter Ratsuchender,

die Verpflichtung, selbst ausgeführte Arbeiten wie das Kabelverlegen von einem Fachbetrieb abnehmen zu lassen besteht nicht.

Insbesondere deshalb nicht, weil diese nicht mit außergewöhnlich hohen Gefahren im Hinblick auf Brandsicherheit verbunden sind.

Sollten Sie sich dennoch dazu entschließen, Ihre Arbeiten von einem Fachbetrieb in Augenschein nehmen zu lassen, wären Sie versicherungstechnisch aber auf der ganz sicheren Seite, da Sie dann alles getan haben, um grobe Fahrlässigkeit zu verhindern.

Stets Arbeiten von Fachbetrieben durchführen zu lassen, zu denen der Versicherungsnehmer auch in der Lage ist, kann ein Versicherer dabei regelmäßig nicht fordern, allein schon weil dies eine unzumutbare Kostenbelastung darstellt.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Nachfrage damit beantworten.

Mit freundlichen Grüßen
Ingo Driftmeyer
Rechtsanwalt

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