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Wieviel Geld bleibt bei Privatinsolvenz?


| 07.03.2006 11:11 |
Preis: ***,00 € |

Insolvenzrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger



Hallo, ich bin österr. Staatsbürgerin, lebe seit 1964 in Deutschland. Habe hier seit 71 gearbeitet und bin seit 2 Jahren in Rente (BfA). Nach dem Tod meines Mannes im Nov. 05 stehe ich nun vor einem Scherbenhaufen und muss vermutlich Privatinsolvenz anmelden, da ein Gläubiger meine Rente pfändet ud ich keinerlei Privatvermögen besitze. Nun habe ich gehört, dass man in Frankreich, Spanien, und ev. Österreich diesen Prozess, der hier 6 Jahre dauert, erheblich abkürzen kann. Wo kann ich dazu genaue Details erfahren, wie stellt man das an, wo kann ich verbindliche Auskunft erhalten, und wie rasch kann man das durchziehen? Wieviel Ged bleibt einem bei enr Insolvenz? Gibt es Menschen, die das hinter sich gebracht haben, und die man befragen kann? Gilt das vor allem auch für Österreich? Beraten Sie auch ausserhalb und was kostet das ca.?
Ich hoffe, es sind nicht zu viele Fragen und bedanke mich mal für jede Antwort.
Liebe Grüsse

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre online-Anfrage, zu der ich aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt Stellung nehmen möchte:

Richtig ist, dass die Insolvenzverfahren in den europäischen Mitgliedsstaaten unterschiedlich ausgestaltet sind und zum Teil niedrigere „Hürden“ stellen, als das deutsche Insolvenzrecht. Bei Ihrer Entscheidung, das Insolvenzverfahren im Hinblick hierauf ggf. in Österreich oder Frankreich durchzuführen, sollten Sie jedoch bedenken, dass gemäß der Europäischen Insolvenzordnung die Eröffnung des Hauptinsolvenzverfahrens in dem Mitgliedstaat erfolgen muss, in dem der Schuldner den Mittelpunkt seiner hauptsächlichen Interessen hat. Da als Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen der Ort gilt, an dem der Schuldner gewöhnlich der Verwaltung seiner Interessen nachgeht und damit für Dritte feststellbar ist, müssten Sie ggf. Ihren Wohnsitz wechseln.

Das österreichische Privatinsolvenzverfahren bietet gegenüber der InsO nicht unbedingt Vorteile. So gestaltet sich der Weg zur Restschuldbefreiung in Österreich deshalb schwieriger, da nicht die Möglichkeit der Verfahrenskostenstundung besteht und eine Vielzahl von Quotenregelungen vorgesehen sind, die generell für den Schuldner im Vergleich zu Verfahren in anderen Ländern eher Nachteile mit sich bringen werden. Kommt mit den Gläubigern nach dem Durchlaufen eines fest vorgeschriebenen Verfahrensablaufes keine Einigung zustande, schließt sich das sogenannte Abschöpfungsverfahren, in dem das Gericht die von dem Schuldner zu zahlenden Beträge festlegt, mit der Restschuldbefreiung an. Die Restschuldbefreiung wird erteilt, bei einer Mindestbefriedigungsquote von 10% in 7 Jahren bzw. nach Billigkeit oder bei 50% in 3 Jahren. In Frankreich kann demgegenüber bereits nach wenigen Monaten die angestrebte Restschuldbefreiung zum Zuge kommen, da im Regelfall kein Insolvenzverwalter bestellt wird und bei mangelnder Masse mit anschließender Verfahrensabweisung die Restschuldbefreiung erteilt werden kann. Hier benötigen Sie allerdings im Gegensatz zu Deutschland einen Rechtsanwalt, dessen Kosten Sie tragen müssen. Weiterhin kann nach englischem Insolvenzrecht eine Restschuldbefreiung bereits nach 1 Jahr erlangt werden. Konkrete Informationen über den Ablauf der Verfahren werden Sie von einem auf das jeweilige EU-Recht spezialisierten Rechtsanwalt erhalten. Die Erstberatungsgebühr beträgt in Deutschland bei Verbrauchern max. EUR 190,-. Darüber hinaus könnten Sie versuchen, von einer Schuldnerberatungsstelle in Deutschland die gewünschten Informationen zu erhalten. Die Beratung durch die Schuldnerberatungsstellen ist kostenfrei. Im Übrigen bieten auch bestimmte Unternehmen den Weg in die Schuldenbefreiung auf nationaler oder internationaler Ebene, wobei deren Seriösität jedoch zuvor genau geprüft werden sollte.

Für den Fall, dass Sie sich entscheiden, die Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens in Deutschland zu beantragen, könnten Sie nach der geltenden Pfändungstabelle über einen Betrag in Höhe von mtl. EUR 989,99 verfügen. Zu beachten ist jedoch, dass ein entsprechender Antrag erst nach einem erfolglosen außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern gestellt werden kann, weshalb Sie eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen sollten.

Ich hoffe, Ihnen eine hilfreiche erste Orientierung gegeben zu haben und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Jutta Petry-Berger
Rechtsanwältin
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"Hallo,
vielen Dank vor allem für die rasche Beantwortung und es hat mir im Moment doch sehr geholfen.
MfG "