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Wiederholter Ladendiebstahl - Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht?

08.04.2008 20:09 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Tanja Stiller


Hallo!
Ich(20) wurde vor kurzem zum 2. Mal beim Ladendiebstahl erwischt( Wert 65 Euro), das erste Mal war vor einem Jahr(Wert so ca. 50 Euro), es gab ein Verfahren vorm Jugendrichter und eine Abmahnung.
Nun ein paar Fragen dazu:

-Ist der erste Diebstahl irgendwie einsehbar(es gab ja keine Verurteilung?)bzw. hat er Einfluss auf die Tat jetzt?
-Kann die Tat nun auch nach Erwachsenenstrafrecht behandelt werden?
-Welche Strafe habe ich zu erwarten?
-Ist es ratsam der Vorladung durch die Polizei Folge zu leisten oder lieber nicht? (etwas Entlastendes hätte ich nicht wirklich zu sagen)
-Ich habe dummerweise meine ganzen Ersparnisse von 240 Euro in bar dabeigehabt, die ich an dem Tag auf mein Konto einzahlen wollte und wurde aufgefordert das geld zu zeigen, inwieweit ist das belastend?
Freundliche Grüsse

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für die Einstellung Ihrer Frage.

Zuerst möchte ich Sie daraufhin weisen, dass dieses Forum lediglich eine erste rechtliche Orientierung bieten soll, die in keinem Fall die Beratung durch eine Kollegin/ einen Kollegen vor Ort ersetzen kann.
Durch Hinzufügen oder Weglassen von Sachverhaltsangaben kann die rechtliche Beurteilung komplett anders ausfallen und somit zu einem anderen Ergebnis führen.

Ihre Frage beantworte ich aufgrund, der von Ihnen erhaltenen Angaben und dem eingesetzten Betrag wie folgt:

Sie schreiben, dass es ein Verfahren vor dem Jugendrichter gab und der Richter Sie „abgemahnt“ habe.
Nach Ihren Angaben kam es nicht zu einer „ Verurteilung“.
Daher gehe ich davon aus, dass das damalige Verfahren nach § 47 JGG gegen Sie eingestellt wurde.

Nach § 60 Abs.1 Nr.7 BZRG werden in das ERZIEHUNGSREGISTER das Absehen von einer Verfolgung nach § 45 JGG und die Einstellung des Verfahrens nach § 47 JGG eingetragen.
Nach § 61 Abs.1 Nr.1 BZRG dürfen Eintragungen im Erziehungsregister Strafgerichten und Staatsanwaltschaften mitgeteilt werden.
Daher ist die erste Tat für Gerichte und Staatsanwaltschaften einsehbar.

Im Ergebnis kann die Tat auch nach Erwachsenenstrafrecht bestraft werden.
Bei Heranwachsenden wird gemäß § 105 Abs.2 JGG Jugendstrafrecht angewandt, wenn
1. Die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand oder
2. es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.

Welche Strafe Sie zu erwarten haben, richtet sich in erster Linie danach, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommt.
Was Sie erwartet kann OHNE AKTENEINSICHT nicht seriös beurteilt werden.
Dies kann nur eine Anwältin/ ein Anwalt vor Ort beurteilen.
Dies bitte ich zu beachten.
Bei der Anwendung des Jugendstrafrechts halte ich Erziehungsmaßregeln bzw. Zuchtmittel für wahrscheinlich; bei der Anwendung des Erwachsenstrafrechts wird wohl eine Geldstrafe gegen Sie verhängt werden.

Einer Vorladung durch die Polizei brauchen Sie nicht Folge zu leisten, jedoch sollten Sie der Höflichkeit halber den Termin telefonisch absagen.
Die Aussage können Sie selbstverständlich verweigern, Sie müssen sich nicht selbst belasten.

Ich hoffe, dass ich Ihnen weiterhelfen und eine erste rechtliche Orientierung bieten konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Tanja Stiller
Rechtsanwältin

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