Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Wiederholter Dienstahl

| 10.04.2017 08:32 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Ich (w, 21) habe vor ein paar Tagen einen großen Fehler begangen. Ich habe im Aldi Lebensmittel im Wert von (17,86€) gestohlen und wurde erwischt, als ich nur einen Pflücksalat gezahlt habe. Bei der Polizei habe ich die Tat gestanden und mich entschuldigt. Ich habe die Tat begangen, da ich noch in der Ausbildung bin und daher kaum Geld habe. Musste mir vor kurzem wegen eines Unfalls ein neues Auto kaufen und diesen Monat kam noch das Bußgeld dazu. Außerdem leide ich seit Jahren an Bulimie und habe die Lebensmittel zur Suchbefriedigung gebraucht. In Therapie bin ich noch nicht.
Zu meinen Hintergründen: Mit 16 habe ich schon einmal gestohlen, der Wert lag bei ca. 70€. Ich wurde damals zu Sozialstunden und einer geringen Geldstrafe verurteilt. Mit 18 beging ich aus Panik Fahrrflucht und musste meinen Führerschein für 6 Monate abgegeben und eine Geldstrafe zahlen.
Nun meine Fragen:

Welche Strafe bekomme ich schlimmestenfalls? Kommt es zu einem Prozess vor Gericht?

Ich habe sofort nach der Tat Paychologen kontaktiert und bemühe mich jetzt um einen Therapieplatz, da da es einfach nicht so weiter gehen kann. Soll ich einen Brief an die Staatsanwaltschaft schreiben, im welchem ich das von der Krankheit erzähle und das ich mich um Besserung bemühe? Würde das etwas helfen?

Brauche ich dringend einen Strafverteidiger? Ich muss mit jedem Cent rechnen und habe daher nicht das Geld.

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Diese möchte ich aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes gerne wie folgt beantworten:

Zunächst ist anzumerken, dass eine Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall nur dann eingeleitet wird, wenn der Geschädigte einen Strafantrag gestellt hat oder die Staatsanwaltschaft ein "besonderes öffentliches Interesse" an der Strafverfolgung bejaht (§ 248a StGB ). Dies halte ich vorliegend für sehr wahrscheinlich, da die Inhaber von Lebensmittelgeschäften in der Regel immer einen Strafantrag stellen und auch die Staatsanwaltschaft ein "besonderes öffentliches Interesse" bejahen kann, da es sich um einen Wiederholungsfall handelt.

Sollte die eben geschilderte Voraussetzung erfüllt sein, so leitet die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein. Der Abschluss dieses Verfahrens kann unterschiedlich ausfallen.

a) Es besteht die Möglichkeit, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gem. § 153 StPO einstellt. Dies hätte für sie keine Folgen. Zudem ist es möglich, dass das Verfahren gem. § 153a StPO gegen die Erteilung von Auflagen und Weisungen eingestellt wird. Dies kann z.B. die Zahlung einer Geldbuße sein.

Dieses Vorgehen halte ich allein aufgrund der Aktenlage im hiesigen Fall für unwahrscheinlich, da Ihr Bundeszentralregisterauszug bereits eine Eintragung wegen Diebstahls enthällt.

b) Eine andere Variante besteht im Erlass eines Strafbefehls. Dies hätte zur Folge, dass sie nicht zu Gericht erscheinen müssten. Sie würden den Strafbefehl per Post zugestellt bekommen und müssten den dort angegebenen Betrag zahlen. Realistisch ist hierbei in Ihrem Fall ein Betrag von 20 - 40 Tagessätzen zu je 10 € (sprich 200-400 €).

Diese Vorgehensweise ist hier durchaus möglich.

c) Des Weiteren kann die Staatsanwaltschaft eine Anklage erheben. In diesem Fall wird das Gericht eine Hauptverhandlung anberaumen, in welcher Sie erscheinen müssen.

Im Zuge der Hauptverhandlung wird man sie zum Sachverhalt und den Hintergründen befragen.

Anschließend besteht erneut die Möglichkeit einer Verfahrenseinstellung gem. §§ 153 , 153a StPO . Darauf sollten Sie in jedem Fall vor Gericht hinwirken. Dies hat zur Folge, dass Ihrem Bundeszentralregisterauszug keine neue Eintragung hinzugefügt wird und von einer Auferlegung der Gerichtskosten an Sie abgesehen wird. Hierzu ist zu sagen, dass es im Hinblick auf die Einstellung sinnvoll ist, einen Strafverteidiger an Ihrer Seite zu haben, welcher dem Gericht begründet erklärt, warum es in Ihrem Fall zu einer Einstellung kommen sollte/muss.

[Möglich ist es auch, ein medizinisches Gutachten zur Frage der Schuldfähigkeit im Hinblick auf Ihre Bulimie-Erkrankung und die damit einhergehende Suchbefriedigung einzuholen. Sollte die Schuldunfähigkeit festgestellt werden, so sind Sie freizusprechen. Die Einholung eines solchen Gutachtens ist allerdings sehr kostspielig. Sollte der Arzt zu dem Ergebnis gelanden, dass Sie schuldfähig sind, so müssen Sie die Kosten des Gutachtens tragen].

Sollte das Gericht von einer Einstellung absehen, so ergeht ein Urteil. Zuvor sollten dem Gericht folgende Punkte verdeutlicht werden, welche zu einer Strafmilderung führen:

- Es handelt sich um "geringwertige" Sachen (17,86 €).

- Sie wurden bei der Tat überführt, sodass alle Sachen im Laden verblieben sind und dem Geschäftsinhaber kein realer Schaden entstanden ist.

- Sie befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation. Sie haben Geldschwierigkeiten und leiden an Bulimie.

- Die von Ihren Vorstrafen ausgehende Warnfunktion konnten Sie aufgrund Ihrer Erkrankung nicht wahrnehmen bzw. nicht entsprechend handeln.

- Sie nehmen nun therapeutische Hilfe in Anspruch und wollen sich ändern.

Unter Berücksichtigung dieser vorgenannten Strafzumessungserwägungen schätze ich, dass das Gericht eine Geldstrafe von ca. 30 Tagessätzen zu je 10 € verhängt. Es wird sehr sicher bei einer Geldstrafe bleiben. Eine Freiheitsstrafe ist hier nicht notwenig, um auf Sie einzuwirken.

Nun zum weiteren Vorgehen. Sie können durch Kontakt mit der Staatsanwaltschaft versuchen, eine Einstellung gem. § 153 , § 153a StPO schon im Ermittlungsverfahren zu erzielen. Hier könnte Ihnen ein guter Strafverteidiger mit Sicherheit behilflich sein. Gleiches gilt für die Verteidigung in der Hauptverhandlung.

Dies müssen Sie aber auch unter Berücksichtigung dessen, dass sie wohl "schlimmstenfalls" eine Geldstrafe zu erwarten haben und Ihre finanzielle Situation sehr angespannt ist, selbst beurteilen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben. Sollten Sie weitere Rückfragen haben, können Sie gerne die kostenlose Nachfragefunktion nutzen. Da ich selbst schwerpunktmäßig im Strafrecht tätig bin, können Sie mich auch gerne telefonisch kontaktieren.


Mit freundlichen Grüßen,

Sarah Neumann
(Rechtsanwältin aus Dortmund)





Bewertung des Fragestellers 12.04.2017 | 11:34

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Schnelle Antwort. Auf meine Fragen wurde verständlich eingegangen."