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Wiedereinstieg nach Elternzeit in Teilzeit

29.01.2013 17:09 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Sehr geehrte Damen und Herren,

zum 29.6.2013 endet meine Elternzeit (nach 3 Jahren) und ich möchte wieder arbeiten, allerdings in Teilzeit und in einer anderen Abteilung. Zur Vorbereitung auf die Gespräche mit meinem AG erbitte ich Ihren Rat.

Eckdaten:
- Ich bin angestellt seit dem 1.7.2002, unbefristeter Vertrag als regionale Verkaufsleiterin im Aussendienst, außertariflich angestellt.
- Seit Januar 2008 bin ich in Mutterschutz/Elternzeit (Elternzeit für das zweite Kind hatte sich direkt angeschlossen, habe zwischen den Kindern nicht gearbeitet).
- Die Firma hat 600 Mitarbeiter am Standort in Deutschland.

Nun möchte ich gerne in die Firma zurück, möchte aber Teilzeit arbeiten und das im Innendienst (Aussendienst ist für mich zeitlich nicht mit den Kinderbetreuung abzudecken).

Im Gespräch mit meinem AG stelle ich mir folgendes Szanario vor:
Mir wird eine Stelle angeboten, wie ich sie hatte, die kann und möchte ich aber nicht mehr machen (sehr hohe Arbeitszeiten, viel Reisetätigkeit, kann ich nicht in Einklang bringen mit den Kindern). Wie gehe ich nun vor? Das TzBfG müsste ja greifen, wenn ich spätestens 3 Monate vorher den Antrag stelle, allerdings wird bei genau meinem bisherigen job TZ nicht gehen (ging nie in der Vergangenheit und will ich auch gar nicht, da dennoch viel Reisetätigkeit nötig wäre). Habe ich eine Art "Anspruch" auf TZ- Beschäftigung in einer anderen Abteilung? Als Apothekerin bin ich sicher qualifiziert für verschiedene Abteilungen im Unternehmen (Pharma).

In der Elternzeit hatte ich kaum Kontakt mit der Firma, da sich Strukturen und Geschäftsleitung komplett geändert haben, nun habe ich ganz neue Ansprechpartner und Vorgesetzte.

Ich möchte gerne wieder arbeiten, mir geht es um eine gute Gesprächsgrundlage für die Verhandlung mit meinem AG, nicht um eine Abfindung.

Wie kann ich mich hinsichtlich der Frage (TZ in anderer Abteilung) und auch sonst auf das Gespräch vorbereiten?

Vielen Dank!

Sehr geehrte Ratsuchende,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung und Ihres Einsatzes wie folgt:

Grundsätzlich haben Sie als Arbeitnehmerin einen Anspruch auf Verringerung Ihrer Arbeitszeit aus § 8 TzBfG, da Ihr Arbeitsverhältnis nach § 8 Absatz 1 TzBfG mehr als 6 Monate bestanden hat und wohl kein Ausschlussgrund für ein solches Verlangen nach § 8 Absatz 6 TzBfG existiert.

Der Arbeitgeber hat demnach, wenn Sie den Antrag mit der 3-Monatsfrist des § 8 Absatz 2 TzBfG stellen, Ihre Arbeitszeit zu reduzieren, soweit nicht betriebliche Gründe entgegenstehen, § 8 Absatz 4 TzBfG. Diese Verringerung bezieht sich aber nur auf Ihren bestehenden Arbeitsvertrag und damit die bisherige Tätigkeit.

Sie haben daher leider keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Beschäftigung in einer anderen Abteilung. Lediglich wenn betriebliche Gründe einer Weiterbeschäftigung in der bisherigen Abteilung entgegenstehen sollten, kann ggf. ein Anspruch gegen den Arbeitgeber bestehen, vergleichbare Stellen in anderen Abteilungen anzubieten.
Ansonsten kann eine solche Abänderung des bestehenden Arbeitsvertrags nur freiwillig, also mit Zustimmung beider Vertragsparteien erfolgen. Denn dies würde nicht nur den Umfang, sondern auch den Inhalt des Beschäftigungsverhältnisses abändern, was aber im TzBfG nicht vorgesehen ist. Auch die grundsätzlich bestehende Fürsorgepflicht des Arbeitgebers dürfte nicht soweit gehen, um eine Verpflichtung des Arbeitgebers zur Beschäftigung in einer anderen Abteilung zu begründen.

Um die Kinderbetreuung zu gewährleisten, können Sie aber gemäß § 8 Absatz 2 S. 2 TzBfG die gewünschte zukünftige Verteilung der Arbeitszeit angeben. Nach § 8 Absatz 3 TzBfG hat der Arbeitgeber diese Wünsche auch zu berücksichtigen, soweit hier betriebliche Belange nicht entgegen stehen, insbesondere wenn hierdurch nicht der Ablauf des Betriebs gestört wird.

Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben. Bei Unklarheiten benutzen Sie bitte die kostenfreie Nachfragefunktion.

Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 30.01.2013 | 11:56

Vielen Dank für Ihre Antwort, zu der ich folgende Konkretisierung benötige:

Die zentrale Antwort liegt für mich in folgendem Satz:
"Lediglich wenn betriebliche Gründe einer Weiterbeschäftigung in der bisherigen Abteilung entgegenstehen sollten, kann ggf. ein Anspruch gegen den Arbeitgeber bestehen, vergleichbare Stellen in anderen Abteilungen anzubieten."

D.h. wenn mein TZ-Antrag in meiner bisherigen Stelle abgelehnt wird (wovon ich ausgehe), besteht dann ein Anspruch meinerseits auf eine vergleichbare Stelle in einer anderen Abteilung? Ja oder Nein? Mit "kann ggf." habe ich hier keine konkrete Antwort. Vielen Dank nochmal und viele Grüße!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.01.2013 | 12:39

Vielen Dank für Ihre Nachfrage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Ein Anspruch auf eine vergleichbare Stelle in einer anderen Abteilung besteht, wie bereits dargelegt, grundsätzlich nicht.

Kann der Arbeitgeber aber tatsächlich gerichtsfest betriebliche Gründe nachweisen, die einer Reduzierung der Arbeitszeit entgegenstehen würden (was in der Praxis eher selten der Fall ist), könnte man argumentieren, dass der Arbeitgeber im Rahmen seiner Fürsorgepflicht verpflichtet ist, Ihnen eine Teilzeitstelle in einer anderen Abteilung anzubieten. Hierbei muss aber auch bedacht werden, dass dies einen Eingriff in das Organisationskonzept des Arbeitgebers bedeuten würde, den er nicht durch einfache Umorganisation kompensieren kann. Es käme also in erster Linie darauf an, ob in der anderen Abteilung tatsächlich Bedarf an weiterer Arbeitskraft besteht. Vor Gericht kann es daher leider schwierig werden, dieses Verlangen auch durchzusetzen, da ein gesetzlicher Anspruch hierauf gerade nicht besteht.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

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