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Wie werden die Tchibo-Bahntickets versteuert?


29.12.2007 12:23 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Kay Fietkau



Sehr geehrter Damen und Herren Rechtsanwälte,


ich bin Gewerbetreibende und bin umsatzsteuerpflichtig.

Ich habe für meinen Gewerbebetrieb einige Tchibo-Bahntickets erworben, die ich nun weiterverkaufen möchte.

Tchibo weist die Umsatzsteuer auf den Kassenbons mit 0% aus, wenn man die Tickets öffnet sieht man aber, dass die Bahn 19% Umsatzsteuer auf den Betrag von 58 EUR für den Monat Dezember quittiert hat. Auf dem Kassenzettel steht nicht, dass die Tickets im Namen und Rechnung der Deutsche Bahn AG verkauft werden.

Auf einen Betrag von 58 EUR ist die Steuer ja bereits entrichtet, jedoch kann ich den Beleg von der Bahn nicht zu meinen Unterlagen nehmen, weil ich die Tickets ja an die Kunden schicken muss. Mir bleibt somit nur noch der Kassenzettel von Tchibo, auf dem 0% Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Damit ist ein Vorsteuerabzug wohl nicht möglich.

Werde ich beim Weiterverkauf den Umsatz wie jeden anderen Artikel mit 19% versteuern, obwohl auf den Betrag von 58 EUR schon die Umsatzsteuer abgeführt wird? Nach meinem Rechtsgefühl muss ich nur die Differenz zwischen dem Verkaufserlös und 58 EUR mit 19% versteuern.

Beispiel:

Verkauf für 70 EUR
Einkauf für 58 EUR
58 EUR mit 0% Umsatzsteuer
12 EUR mit 19% Umsatzsteuer

Teilen Sie diese Auffassung?

Mit freundlichen Grüßen

M.B.
Eingrenzung vom Fragesteller
30.12.2007 | 10:40
Sehr geehrter Fragesteller,

vorweg möchte ich Sie darauf hinweisen, dass diese Plattform nur dazu dienen soll, Ihnen einen ersten Eindruck der Rechtslage zu vermitteln. Die Leistungen im Rahmen einer persönlichen anwaltlichen Beratung/Vertretung können und sollen an dieser Stelle nicht ersetzt werden.
Auf Grund des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes möchte ich Ihre Fragen zusammenfassend wie folgt beantworten:

Bei einer Lieferkette (Lieferant-Händler-Endverbraucher) funktioniert die Umsatzbesteuerung grundsätzlich so, dass der Lieferant Umsatzsteuer auf den vollen Nettopreis aufschlägt und diese ans Finanzamt abführt. Der Händler bezahlt diese Umsatzsteuer zunächst. Verkauft er dann die Ware an den Endverbraucher weiter, schlägt er auf den von ihm verlangten vollen Nettopreis (nicht nur auf seinen Gewinnspanne) die Umsatzsteuer auf. Von dieser zieht er dann die an den Lieferanten gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer ab und führt an das Finanzamt den verbleibenden Differenzbetrag ab. Im Ergebnis erhält somit das Finanzamt die volle Umsatzsteuer auf den Endverkaufspreis ausschließlich vom Endverbraucher. Lieferant und Händler werden gar nicht belastet.

In Ihrem Beispiel (wenn alles reibungslos abgelaufen wäre):

Tchibo-Sie:

48,74 € (Nettoumsatz) --> Tchibo
+ 9,26 € (19 % USt)
-----------------------
= 58,00 €

Finanzamt erhält 9,26 € Umsatzsteuer (die Sie zunächst zahlen).

Sie-Endverbraucher:

58,82 € (Nettoumsatz) --> Sie
+ 11,18 € (19 % USt)
-----------------------
= 70,00 €

Finanzamt erhält 11,18 € ./. 9,26 € (Vorsteuer) = 1,92 €


In dem von Ihnen geschilderten Fall ist nun jedoch die Besonderheit aufgetreten, dass Ihr Lieferant (Tchibo) die enthaltene Umsatzsteuer nicht ausgeführt hat.

Grundsätzlich kann Vorsteuer jedoch nur dann abgezogen werden, wenn die Rechnung des Lieferanten die Umsatzsteuer ausweist - R 192 Absatz 7 Umsatzsteuerrichtlinien (UStR). Dies würde in Ihrem Beispiel dazu führen, dass der Vorsteuerabzug entfiele und Sie die vollen 11,18 € an das Finanzamt abführen müssten.

Um diesen Konflikt aufzulösen gibt es nun grundsätzlich folgende 2 Möglichkeiten:

(1) Sie fordern Ihren Lieferanten (Tchibo) auf, die Rechnung dahingehend zu berichtigen, dass die von Ihnen gezahlte Umsatzsteuer korrekt ausgewiesen wird. Sie nehmen dann die berichtigte Rechnung in Ihre Abrechnungsunterlagen.

(2) Sie rechnen aus der Rechnung Ihres Lieferanten die gezahlte Umsatzsteuer heraus, d.h. Sie teilen den Bruttobetrag in den Nettobetrag und die Vorsteuer auf. Die Vosteuer setzen ziehen Sie dann wie gewöhnlich von der vom Endverbraucher gezahlten Umsatzsteuer ab und führen die Differenz (= 1,92 €) an das Finanzamt ab. Bei dieser Möglichkeit ist darauf zu achten, dass Sie den Vorgang so dokumentieren, dass das Finanzamt ihn im Nachhinein noch nachvollziehen kann.

Ich hoffe, Ihnen Ihre Frage beanwortet zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen


Kay Fietkau
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 30.12.2007 | 18:23

(2) Sie rechnen aus der Rechnung Ihres Lieferanten die gezahlte Umsatzsteuer heraus, d.h. Sie teilen den Bruttobetrag in den Nettobetrag und die Vorsteuer auf. Die Vosteuer setzen ziehen Sie dann wie gewöhnlich von der vom Endverbraucher gezahlten Umsatzsteuer ab und führen die Differenz (= 1,92 €) an das Finanzamt ab. Bei dieser Möglichkeit ist darauf zu achten, dass Sie den Vorgang so dokumentieren, dass das Finanzamt ihn im Nachhinein noch nachvollziehen kann.

Sehr geehrter Herr Fietkau,

vielen Dank für die Beantwortung der Frage.

Gehen wir davon aus, dass Tchibo mir keine ordentliche Rechnung ausstellen wird.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, ist dann zwar ein Vorsteuerabzug ohne einen Beleg mit ausgewiesener Umsatzsteuer nicht möglich, beim Weiterverkauf muss ich jedoch nur die Differenz von der vereinnahmten Umsatzsteuer und der wegen des fehlenden Beleges nicht geltend gemachten Vorsteuer an das Finanzamt abführen (1,92 EUR) wenn ich den Vorgang entsprechend dokumentiere.

Meine Befürchtung wäre gewesen, dass ich die Vorsteuer nicht geltend machen kann und ZUSÄTZLICH noch die Umsatzsteuer auf den kompletten Umsatz ein zweites Mal bezahlen muss und somit doppelt belastet wäre. (Also Vorsteuer 9,26+Umsatzsteuer 11,18). Danke, dass Sie mir diese Sorge genommen haben.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 04.01.2008 | 16:53

Vielen Dank für die Nachfrage, die ich wie folgt kurz beantworten kann:

Sie rechnen aus der Rechnung von Tchibo die Umsatzsteuer (9,26 €)heraus und buchen diese - genauso wie wenn sie ausgewiesen wären - als Vorsteuer. Umsatzsteuer stellen Sie dem Enderwerber in voller Höhe in Rechnung (11,18 €). An das Finanzamt zahlen Sie dann die Differenz (1,92 €).

D.h.:

Rechnung von Tchibo an Sie

gezahlter Rechnungsbetrag = Nettowarenwert + Umsatzsteuer
Umsatzsteuer = Vorsteuer = 9,26 €

Sie haben an Tchibo Nettowrenwert + Umsatzsteuer (9,26 €) gezahlt. Tchibo hat an Finanzamt 9,26 € Umsatzsteuer abgeführt.


Rechnung von Ihnen an Enderwerber

neuer Nettowarenwert + Umsatzsteuer
Umsatzsteuer = 11,18 €

Endverbraucher zahlt neuen Nettowarenwert + Umsatzsteuer (11,18 €) an Sie. Von der Umsatzsteuer (11,18 €) ziehen Sie Vorsteuer (9,26 €) ab und zahlen Differenz (1,92 €) an Finanzamt.

Mit freundlichen Grüßen

Kay Fietkau
Rechtsanwalt

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