Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Wie stehen die Chancen, dass wir das Pferd zurückgeben können?

24.09.2009 18:29 |
Preis: ***,00 € |

Tierrecht, Tierkaufrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Sonja Richter


Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,
ich habe Mitte August einen 6-jährigen Wallach gekauft. Er sollte hauptsächlich zum Umsteigen meiner Tochter vom Pony dienen.
Lt. Aussage der Bereiterin/Vermittlerin, die dieses Pferd zur Ausbildung und Verkauf vom Züchter hatte, ist das Pferd gut angeritten. Man habe ihn eben erst spät angeritten, da er noch sehr klein und "wenig Pferd" war. Das war für uns so in Ordnung.
Wir haben das Pferd probegeritten. Beim Aufsteigen erklärte sie mir, dass ihn immer jemand festhält und man dann problemlos aufsteigen könne. Das hat beim Ausprobieren auch funktioniert.
Wir haben das Pferd dann gekauft.

Nun ist es ca. 5 Wochen bei uns im Stall und diese Methode hat eigentlich geklappt. Unser Reitlehrer/Bereiter versucht allerdings seit dieser Zeit mit viel Ruhe und Geduld das "normale" Aufsteigen zu üben. Kurz gesagt, es funktioniert nicht. Er will aufsteigen und das Pferd rennt sofort los. Er hat durch seine langjährige Erfahrung die Schnelligkeit und kommt auch hoch, aber für meine Tochter und auch für mich ist es unmöglich, alleine aufzusteigen. Leider ging dies Festhalten beim Aufsteigen bei mir letztens schief und ich landete im Krankenhaus mit nicht unerheblichen Verletzungen, da das Pferd nicht nur losrannte, sondern auch noch buckelte ohne Ende. Ich reite selbst bereits seit 30 Jahren und man kann sagen, dass ich nicht gerade unerfahren bin.

Zudem gibt es ein riesen Problem zusätzlich, was den Umgang betrifft. Er gibt nämlich hinten die Hufe nicht (keine Chance). Diesen Umstand haben wir leider nicht vor Ort ausprobiert-es wurde aber auch nicht erwähnt. Nun war vor 2 Wochen der Hufschmied da und es war eine einzige Katastrophe. Wir hingen zu fünft unter Einsatz unseres Lebens an dem Pferd und haben versucht, ihn hinten aufzu-heben um ihn auszuschneiden. Nur durch die langjährige Erfahrung meines Hufschmiedes ist es dann mehr schlecht als recht gegangen. Dies war alles andere als ungefährlich.
Zu erwähnen wäre auch, dass wir beim Tüv bei der Beugeprobe auch schon erhebliche Probleme hatten. Da habe ich mir aber nichts großartiges dabei gedacht.

Ansonsten ist das Tier brav im Umgang. Aber er muss wohl schlechte Erfahrungen gemacht haben. Auch ist er Männern gegenüber äußerst skeptisch und ängstlich.

Kurz um sind diese Umstände für mich und meine Tochter untragbar.
Wir wissen nicht, ob wir dieses Pferd jemals vernünftig und alleine besteigen können und das Problem mit den hinteren Hufen ist mehr als fraglich, ob sich das lösen lässt. Meine Tochter ist 15 Jahre alt und ich kann unter diesen Umständen sie nicht beruhigt umsteigen lassen.

Wie stehen die Chancen, dass wir das Pferd zurückgeben können?

In voraus besten Dank.

Mit freundlichem Gruß
Peggy Lechner

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage auf Grundlage der mir vorliegenden Informationen und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt:

Für eine Rückgabe des Pferdes gibt es nur drei Möglichkeiten:

1. Der Verkäufer nimmt das Pferd freiwillig zurück.
2. Sie können Anfechtungsrechte geltend machen.
3. Sie können den Rücktritt im Rahmen des Gewährleistungsrechts erklären.

Zu 1.:
Hier müssen Sie mit dem Verkäufer/Züchter verhandeln, ob und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen dieser bereit ist, das Pferd freiwillig zurückzunehmen.

Zu 2.:
Ein Kaufvertrag kann dann rückabgewickelt werden, wenn Sie Anfechtungsrechte geltend machen können. Das Gesetz kennt die Irrtumsanfechtung (§ 119 BGB) und die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung (§ 123 BGB). Nach Ihrer Schilderung kann ich jedoch nicht erkennen, daß die Voraussetzungen hierfür erfüllt wären. Sie irrten nicht über den Kaufgegenstand (das Pferd) und wurden - vermutlich - nicht arglistig durch den Verkäufer getäuscht. Diese Möglichkeit der Rückabwicklung scheidet daher meines Erachtens aus.

Zu 3.:
Sie könnten u.U. zu einem Rücktritt im Rahmen des Gewährleistungsrechts berechtigt sein. Ihnen stehen Gewährleistungsrechte zu, wenn das Pferd mangelhaft ist oder ihm zugesicherte Eigenschaften fehlen. Als Mängel kommen hier die Probleme beim Besteigen und die Hufprobleme in Betracht.

- Besteigen
Über das Besteigen wurde ausdrücklich gesprochen. Dabei wurde Ihnen zugesichert, daß das Pferd gut angeritten ist. Aus dieser Formulierung konnten und durften Sie schließen, daß das Pferd beim weiteren Training zum Reiten geeignet ist. Zum Reiten gehört auch das Auf- und Absteigen. Mit der Äußerung des guten Anreitens konnten Sie daher grundsätzlich davon ausgehen, daß Sie das Pferd “normal” besteigen können.

Diese Art von Zusicherung einer Eigenschaft des Pferdes wurde jedoch etwas eingeschränkt durch den Hinweis, wie das Tier zu besteigen ist. Diese Äußerung könnte für Ihre Gewährleistungsrechte problematisch sein. So kann man den Hinweis möglicherweise so verstehen, daß das Pferd nur auf die vom Züchter beschriebene Art und Weise bestiegen werden kann und eine Änderung nicht eintreten wird. Andererseits könnte man diesen Hinweis aber auch nur für eine derzeitige Zustandsbeschreibung ohne Einschränkung hinsichtlich des späteren Besteigens werten. Hier kommt es auf den genauen Gesprächsverlauf und eine etwaige Auslegung der gemachten Äußerung an.

Im Ergebnis kann daher das fehlende Besteigen der Beschreibung des Züchters entsprechen und damit keinen Mangel darstellen. Es läßt sich jedoch auch das Ergebnis vertreten, daß ein Mangel vorliegt. Eine genaue Prognose läßt sich bei Auslegungsfragen selten stellen. Ihre Rechte stehen diesbezüglich daher “auf dünnem Eis”.

- Hufproblem
Ein Gegenstand (hier: das Pferd) ist dann frei von Mängeln, wenn er die Beschaffenheit aufweist, die bei Sachen der gleichen Art üblich ist und die der Käufer nach der Art der Sache erwarten kann (vgl. § 434 BGB). Bei einem Pferd kann man sicherlich üblicherweise erwarten, daß es die Hufe geben kann. Daher liegt m.E. im fehlenden Hufe-Geben ein Mangel, der Gewährleistungsrechte auslöst.

Im Rahmen des Gewährleistungsrechts ist die Nachbesserung (§ 439 BGB) vorrangig. Nachbesserung bedeutet in der Regel Reparatur oder Neulieferung derselben Sache. Eine “Reparatur” läge hier im Ermöglichen des Hufegebens. Wenn ich Sie jedoch richtig verstanden habe, wird dies nicht möglich sein. Daher scheidet dieses aus. Eine Neulieferung würde bedeuten, daß Sie ein absolut vergleichbares Tier bekommen müßten. Das wird häufig nicht möglich sein.

Wenn die Nachbesserung nicht möglich ist oder verweigert wird, stehen Ihnen weitergehende Rechte zu. Hierzu gehört der Rücktritt (§ 440 BGB). Dieser führt zu einer Rückabwicklung des Vertrags.

Im Ergebnis halte ich daher einen Rücktritt auf Basis des fehlenden Hufegebens für erfolgversprechend

Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung gegeben zu haben, und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Sonja Richter
- Rechtsanwältin -

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 74878 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ich fand die Anwort ein bischen vage ("formlos", "müsste auch online gehen") - als Laie ist das ja genau das was man wissen will: WIE formuliert man das genau und an wen muss das Schreiben sich richten. Die Auskunft, dass das ... ...
FRAGESTELLER
4,8/5,0
Herr RA Zimmlinghaus hat innerhalb kurzer Zeit meine Frage beantwortet. Dadurch konnte ich, wie er empfohlen hat, auch gleich richtig (2x Widerruf einegreicht) reagieren. Keine Frage blieb mehr offen und ich kann gelassen dem ... ...
FRAGESTELLER
4,6/5,0
Schnell und kompetent, realitische Bewertung der Möglichkeiten ...
FRAGESTELLER