Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Wie lange muss ich Kinderunterhalt zahlen?

| 4. Januar 2010 18:04 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von


18:44

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Tochter ist mittlerweile 21 Jahre alt und hat ihren Realschulabschluss. Leider hat sie für 2009 keine Lehrstelle mehr bekommen und jobt deshalb zur Zeit. Sie verdient ca. 600-700 Euro netto. Die Mutter bekommt weiterhin den Kinderunterhalt von mir, sowie das komplette Kindergeld. Da meine Tochter nicht auf Ausbildungsplatzsuche geht ist nun meine Frage: bin ich weiterhin verpflichtet Kinderunterhalt zu zahlen obwohl sich meine Tochter nicht in Ausbildung befindet und sie o. g. Einkommen hat? Wenn ja, in welcher Höhe und wie lange noch?
Zur Zeit lebt sie im Haus ihrer Mutter und ihr Lebensgefährte ist vor kurzem ebenfalls dort eingezogen. Hat diese eheähnliche Gemeinschaft auf den Unterhalt Auswirkungen, da der Partner ebenfalls Einkommen hat und seine Ausbildung bereits beendet ist?

4. Januar 2010 | 18:14

Antwort

von


(1012)
Golmsdorfer Str. 11
07749 Jena
Tel: 036412692037
Web: http://www.jena-rechtsberatung.de
E-Mail:

Sehr geehrte(r) Fragesteller(in),

die von Ihnen gestellten Fragen beantworte ich unter Berücksichtigung des geschilderten Sachverhaltes sowie Ihres Einsatzes wie folgt:


I. Allgemeines

Volljährige Kinder haben einen Unterhaltsanspruch, solange sie sich noch in der Schul- oder Berufsausbildung befinden. Der Unterhaltsanspruch umfasst nicht nur die Zeit der Schulausbildung, sondern grundsätzlich auch die Zeit der Berufsausbildung. Deshalb hat auch ein Lehrling Anspruch auf Unterhalt, auf den er sich aber seine Ausbildungsvergütung anrechnen lassen muss.

Grundsätzlich hat ein Kind nur einen Anspruch auf Finanzierung einer Ausbildung. Deshalb kann das Kind nicht nach erfolgreicher Beendigung der ersten Lehre Unterhalt für eine weitere Lehre beanspruchen.

Ein volljähriges Kind hat keinen Anspruch mehr auf Naturalunterhalt (Betreuung), sondern nur noch auf Barunterhalt (Geld). Gegenüber volljährigen Kindern sind beide Eltern barunterhaltspflichtig, und zwar auch derjenige Elternteil, bei dem das Kind lebt.

Für den Barunterhalt eines volljährigen Kindes haften beide Elternteile. Das heißt, mit Eintritt der Volljährigkeit haben grundsätzlich beide Eltern Unterhalt in Geld zu zahlen. Das gilt auch für denjenigen Elternteil, bei dem das Kind lebt. Dieser Elternteil kann dem nicht entgegenhalten, er leiste (weiterhin) Naturalunterhalt. Der Naturalunterhalt kann aber mit dem Barunterhalt verrechnet werden.

Da beide Eltern barunterhaltspflichtig sind, stellt sich die Frage, wie der Unterhaltsanspruch des Kindes auf beide Elternteile aufzuteilen ist. Keineswegs ist es etwa so, dass jeder Elternteil die Hälfte schuldet. Das wäre nur der Fall, wenn beide Eltern gleich viel verdienen. Vielmehr haftet jeder Elternteil (nur) anteilmäßig in Höhe seines unterhaltsrelevanten Einkommens abzüglich des Selbstbehalts.

Volljährige Schüler, Studenten und Auszubildende, die noch im Haushalt eines Elternteils wohnen, erhalten den Tabellenbetrag der vierten Altersstufe bis zur Beendigung der Ausbildung. Der Bedarf des Kindes bestimmt sich in der Regel, sofern beide Elternteile leistungsfähig sind, nach dem zusammengerechneten Einkommen beider Elternteile.

Der angemessene Bedarf eines volljährigen Kindes mit eigenem Hausstand beträgt in der Regel 640 € monatlich. Darin enthalten sind Kosten für Unterkunft und Heizung bis zu 270 €, jedoch keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Von diesem Betrag kann bei erhöhtem Bedarf oder mit Rücksicht auf die Lebensstellung der Eltern abgewichen
werden.

Auf den Unterhaltsbedarf werden Einkünfte des Kindes, auch BAföG-Darlehen und Ausbildungsbeihilfen (gekürzt um ausbildungsbedingte Aufwendungen) angerechnet. Bei Einkünften aus unzumutbarer Erwerbstätigkeit gilt § 1577 Absatz 2 BGB entsprechend.

Die anteilige Barunterhaltspflicht beider Elternteile bestimmt sich nach Maßgabe des § 1606 Absatz 3 Satz 1 BGB , geht jedoch für den einzelnen Elternteil nicht über den Unterhaltsbetrag hinaus, der sich allein nach seinem Einkommen aus der Unterhaltstabelle ergibt. Vor Berechnung des Haftungsanteils nach § 1606 Absatz 3 Satz 1 BGB ist das Nettoeinkommen jedes Elternteils zu ermitteln. Außerdem ist vom Restbetrag ein Sockelbetrag in Höhe des angemessenen Selbstbehalts (1.100 €) abzuziehen.

Kindergeld mindert nach Maßgabe des § 1612 b BGB den Barbedarf des Kindes.

Soweit sich die Tochter hier nicht bemüht, eine Ausbildung zu finden , kann der Unterhaltsanspruch auch entfallen.

Während der Zeit, in der Ihre Tochter jobbt, entfällt der Unterhaltsanspruch. Nur während der Ausbildung oder eine Überbrückungsphase besteht ein Unterhaltsanspruch.


II. Berechnung

Hier kommt es auf Ihr Einkommen, auf das Einkommen der Mutter und das Einkommen der Tochter an und ob das Kind zu Hause oder außerhalb wohnt.

Da der Bedarf des Kindes bei 640 € liegt und die Tochter auch diesen Betrag verdient und noch Kindergeld erhält, ist grundsätzlich kein Unterhaltsbedarf mehr gegeben.



Rechtsanwalt Steffan Schwerin

Rückfrage vom Fragesteller 4. Januar 2010 | 18:39

Vielen Dank für Ihre prompte Antwort.

Bezüglich der Dauer der Unterhaltszahlungen muss ich aber nochmal kurz nachfragen. Gibt es nicht die Altersgrenze von 25 Jahren, bis zu welchem man Unterhalt zu zahlen hat?
Diese Frage basiert aber nicht auf der Tatsache, dass meine Tochter zur Zeit Geld verdient. Es könnte ja auch sein, dass sie im Herbst doch eine Ausbildung anfängt, dann würde die Unterhaltszahlung ja wieder einsetzen oder sehe ich das falsch?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 4. Januar 2010 | 18:44

Sehr geehrter Fragesteller,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt:

Kinder haben solange Anspruch auf Kindesunterhalt, bis sie eine eigene Lebensstellung erreicht haben, also auf eigenen Füßen stehen können. Umfasst sind die Kosten einer angemessenen Ausbildung. Dabei sind sowohl die Begabungen und Fähigkeiten des Kindes als auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern zu berücksichtigen. Das Kind trifft allgemein die Pflicht, die Ausbildung mit Fleiß und Zielstrebigkeit zu verfolgen, um sie innerhalb angemessener und üblicher Dauer zu beenden. Ein so genanntes „Bummelstudium“ müssen die Eltern nicht finanzieren.

Im Normalfall besteht der Anspruch auf Kindesunterhalt bis zum Ausbildungsabschluss in einem Beruf. Auch wenn das Kind nach Abitur und Lehre noch ein Studium anhängen möchte, sind die Eltern weiterhin unterhaltspflichtig, wenn das Studium mit der Ausbildung in einem engen zeitlichem und sachlichem Zusammenhang steht und die weiteren Kosten den Eltern wirtschaftlich zumutbar sind.

Volljährige Kinder, die sich nicht mehr in der Ausbildung befinden, müssen durch eine eigene Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt sicherstellen.

Es gibt keine wirkliche Altersgrenze. Unterhalt ist für die Zeit der Ausbildung zu zahlen.

Sobald Ihre Tochter die Ausbildung beginnt, lebt die Unterhaltsverpflichtung auf und endet dann erst mit Abschluss der Ausbildung.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen


Steffan Schwerin
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 4. Januar 2010 | 18:47

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Steffan Schwerin »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 4. Januar 2010
5/5,0

ANTWORT VON

(1012)

Golmsdorfer Str. 11
07749 Jena
Tel: 036412692037
Web: http://www.jena-rechtsberatung.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Zivilrecht, Miet- und Pachtrecht, Familienrecht, Vertragsrecht, Internet und Computerrecht, Arbeitsrecht