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Wie Gewinnabführung bei Holdinggesellschaft gestalten?

29.11.2019 08:15 |
Preis: 80,00 € |

Gesellschaftsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Johannes Kromer


Zusammenfassung: Für die Gewinnabführung in einer Holding kann ein Gewinnabführungsvertrag steuerlich sehr vorteilhaft sein.

Ich habe im Jahr 2018 eine GmbH als Muttergesellschaft (Holding) gegründet. Nach der Eintragung habe ich eine Tochtergesellschaft (GmbH) gegründet, als Gesellschafter mit der Muttergesellschaft.
Zudem habe ich Anfang 2019 mit der Muttergesellschaft Anteile an einer anderen GmbH übernommen.
Die Muttergesellschaft führt keine operativen Geschäfte die Neu gegründete Tochtergesellschaft führt erst seint Juli.2019 Geschäfte, die übernommene Tochtergesellschaft war schon seit 2016 aktiv.

Meine Frage ist nun wie ich für die Gewinnabführung vorgehen muss?
Ich habe das bisher in keiner weise schriftlich oder sonst irgendwie festgehalten oder dem Finanzamt gemeldet.
Ich möchte für die Jahresabschlüsse 2019, der beiden Tochtergesellschaften, die Gewinnabführung an die Muttergesellschaft möglich machen.
Sodass die Steuerlast geringer ausfällt und die Muttergesellschaft die Gewinne wieder Reinvestieren kann.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Der aktuelle Status Ihrer Gestaltung ist derjenige, dass auf Ebene der Tochtergesellschaften ein Gewinn (oder Verlust) anfällt und entsprechend versteuert wird. Der Gewinn auf Ebene der jeweiligen Tochter-GmbH ist bei dieser zu versteuern. Wenn dann der (nach Steuern) verbleibende Gewinn an die Holding-Gesellschaft ausgeschüttet wird, fällt auch hier eine Versteuerung an.
Die steuerlichen Vorteile einer Holding-Gesellschaft setzten die Gründung einer steuerlichen Organschaft nach §§ 17, 14 ff. KStG, § 2 Abs. 2 S. 2 GewStG. Dazu ist ein Gewinnabführungsvertrag zwischen Tochter-Gesellschaft und Holding-Gesellschaft abzuschließen. Häufig wird in solchen Fällen auch ein kombinierter Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abgeschlossen, so dass das Weisungsrecht der Gesellschafterversammlung der Tochtergesellschaft an die Geschäftsführung der Tochter-Gesellschaft auf die Holdinggesellschaft übertragen wird.

Ein Gewinnabführungsvertrag ist im AktG geregelt, aber auch im GmbH-Recht anerkannt. Der BGH hat hierzu – neben den steuerlichen Voraussetzungen – in seiner sogenannten „Supermarkt-Entscheidung" durch Beschluss vom 24.10.1988, Az. II ZB 7/88 folgende rechtliche Kriterien aufgestellt:

1. Abschluss des Vertrages

Der Abschluss des Vertrag erfolgt durch die Geschäftsführer. Der Vertrag kann in Schriftform abgefasst werden.

2. Zustimmung Gesellschafterversammlung Holding

Der Vertrag bedarf der Zustimmung der Gesellschafterversammlung der Holding mit mindestens 3/4 der bei der Beschlussfassung abgegebenen Stimmen. Eine notarielle Beurkundung des Beschlusses ist nicht erforderlich.

3. Zustimmung Gesellschafterversammlung Tochter
Der Vertrag bedarf der Zustimmung der Gesellschafterversammlung der Tochter-GmbH. Es ist zwar keine Satzungsänderung notwendig, aber gefordert wird ein Gesellschafterbeschluss in notariell beurkundeter Form.
Offen ließ der BGH, welche Mehrheit der Beschluss haben muss. Nach weit überwiegender Meinung ist ein einstimmiger Beschluss erforderlich, was aber in der Holding wohl kein Problem bereitet.

Der Vertrag ist im Handelsregister der Tochter-Gesellschaft einzutragen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.
Gerne stehe ich Ihnen auch für eine weitergehende Beratung zur Verfügung und kann bei entsprechender Beauftragung auch die erforderlichen Dokumente anfertigen.

Mit freundlichen Grüßen

Ergänzung vom Anwalt 29.11.2019 | 09:23

Vorteil der steuerlichen Organschaft: die Versteuerung verlagtert sich von der Tochter-Gesellschaft auf die Holdingmutter und es ist eine Verrechnung mit etwaigen Verlusten einer anderen Tochter-Gesellschaft möglich.

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