Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
499.484
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Werbungskosten: pendeln von 2 Wohnungen aus (Wegen Umbau)- welche Entfernung gilt?

| 15.04.2014 13:55 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt René Piper


Zusammenfassung: Mit der Entfernungspauschale, werden die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte pauschaliert. Maßgeblich ist der Lebensmittelpunkt. Bei mehreren Wohnungen zählt grundsätzlich nur die der regelmäßigen Arbeitsstätte am nächsten liegende.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir haben im Mai 2013 ein Haus gekauft, welches umfangreich saniert/modernisiert wurde, mit großem Anteil an Eigenleistung durch uns. Während der Umbauphase (bis Feb. 2014) behielten wir unsere bisherige Mietwohnung bei.

Von August 2013 bis Oktober 2013 sind wir regelmäßig 2-3 mal pro Woche nach der Arbeit zum Haus gefahren, um nach Feierabend gleich dort arbeiten zu können und dann dort zu schlafen. Damit entfiel lästiges, zeitraubendes Pendeln zwischen Mietwohnung und Haus. Am nächsten Morgen fuhren wir dann vom Haus direkt zur Arbeit.

Der Weg vom Haus zur Arbeit ist erheblich weiter als der Weg von der Mietwohnung zur Arbeit.

Bis zu unserem endgültigen Umzug Ende Feb. 2014 waren wir in der Mietwohnung gemeldet, nicht im Haus.

Frage 1: Hängt der Ansatz der Entfernungspauschale vom gemeldeten Wohnort ab?

Frage 2: Können wir für den Zeitraum August 2013 bis Oktober 2013 die Wegstrecke vom Haus zur Arbeitsstätte ansetzen anteilig für die Tage der Woche, die wir im Haus verbrachten?

Frage 3: Ab November 2013 bis zum Umzug Ende Februar 2014 waren wir sogar ganzwöchig Mo - Sa im Haus (um die Arbeiten voranzutreiben, da wir sonst den Einzugstermin nicht halten könnten). Sollte Frage 2 mit „Nein" beantwortet werden müssen, wie sieht es dann aus, wenn man nun ganzwöchig im Haus verbleibt = Lebensmittelpunkt? (In der Wohnung nur noch Sonntags aufgehalten, um Kleidung zu waschen etc…). Kann jetzt die weitere Entfernung vom Haus zur Arbeitsstätte angesetzt werden? (Achtung: Es wurde noch immer nicht umgemeldet! Ist das von Belang?)

Zusätzliche Problemstellung: Von Jan bis Okt. 2013 hat mich (Ehefrau) mein Arbeitgeber befristet in einer weiter entfernten Niederlassung eingesetzt und mir für diesen Zeitraum die erhebliche Mehrentfernung über Kilometergeld (Spesen) von der Mietwohnung zur entfernten Arbeitsstätte erstattet. Sagen wir mal, 30km Entfernung. Das Haus liegt aber nun 50km entfernt. (Steuerlicher Ansatz hier: Dienstfahrt, nicht Entfernungspauschale)

Frage 4: Kann ich analog zu den Fragen 2) und 3) die 20 Mehrkilometer vom Haus ansetzen?

Frage 5: Unabhängig von der Antwort auf die vorherigen Fragen: der Arbeitgeber hat vergessen (???), die Spesen/Fahrtkostenerstattung im Feld 17 der Lohnsteuerbescheinigung einzutragen. Muss er das korrigieren? Wie sonst könnte ich die 20 Mehrkilometer in der Steuererklärung ansetzen/gegenrechnen?

Danke
401K

PS: Kurze ja/nein Antworten mit einem kurzen Erklärungssatz genügen mir (keine Paragraphen/Urteile etc... nötig), daher der geringe Einsatz.

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen gerne auf Grundlage der angegebenen Informationen im Rahmen einer Erstberatung verbindlich wie folgt beantworten möchte

Frage 1: Hängt der Ansatz der Entfernungspauschale vom gemeldeten Wohnort ab?

Mit der Entfernungspauschale, werden die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte pauschaliert. Maßgeblich ist der Lebensmittelpunkt. Bei mehreren Wohnungen zählt grundsätzlich nur die der regelmäßigen Arbeitsstätte am nächsten liegende (BFH, Beschluss v. 04.05.2011, Az.: VI B 152/10).

Frage 2: Können wir für den Zeitraum August 2013 bis Oktober 2013 die Wegstrecke vom Haus zur Arbeitsstätte ansetzen anteilig für die Tage der Woche, die wir im Haus verbrachten?

Nein, dass wird nicht gehen. Ihr damaliger Lebensmittelpunkt war nach Ihren Schilderungen die Mietwohnung. Bei mehreren Wohnungen zählt grundsätzlich nur die der regelmäßigen Arbeitsstätte am nächsten liegende (BFH, Beschluss v. 04.05.2011, Az.: VI B 152/10) (siehe Frage 1).


Frage 3: Ab November 2013 bis zum Umzug Ende Februar 2014 waren wir sogar ganzwöchig Mo - Sa im Haus (um die Arbeiten voranzutreiben, da wir sonst den Einzugstermin nicht halten könnten). Sollte Frage 2 mit „Nein" beantwortet werden müssen, wie sieht es dann aus, wenn man nun ganzwöchig im Haus verbleibt = Lebensmittelpunkt? (In der Wohnung nur noch Sonntags aufgehalten, um Kleidung zu waschen etc…). Kann jetzt die weitere Entfernung vom Haus zur Arbeitsstätte angesetzt werden? (Achtung: Es wurde noch immer nicht umgemeldet! Ist das von Belang?)

Grundsätzlich sind mehrere Lebensmittelpunkte nicht möglich. Rechtsgrundlage ist § 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 6 EStG. Hier heißt es: "Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, so sind die Wege von einer Wohnung, die nicht der ersten Tätigkeitsstätte am nächsten liegt, nur zu berücksichtigen, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird." In Ihrem Fall könnte man aber argumentieren, dass Sie den Lebensmittelpunkt am Ort der Mietwohnung ab November 2013 aufgegeben haben und diesen an den Ort des Hauses verlegt haben. Der Umstand, wo Sie gemeldet sind kommt bei der Beurteilung des Lebensmittelpunkts lediglich eine Indizwirkung zu. Grundsätzlich kann man auch an einem Ort den Lebensmittelpunkt haben, an dem man noch nicht gemeldet ist (BFH-Urteil vom 30.10.2008, VI R 10/07).
Sie könnten also m. E. ab November 2013 die Fahrten ab dem Ort des Hauses ansetzen, da Sie Ihren Lebensmittelpunkt verlegt haben.

Frage 4: Kann ich analog zu den Fragen 2) und 3) die 20 Mehrkilometer vom Haus ansetzen?

Arbeitnehmer können nur die Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte in Höhe der Entfernungspauschale steuerlich geltend machen (BFH-Urteile vom 9.6.2011, VI R 55/10, VI R 36/10, VI R 58/09). Fahren Sie dagegen zu einem beruflichen Tätigkeitsort, der nicht Ihre regelmäßige Arbeits­stätte ist (vorübergehende Entsendung zur Zweigniederlassung), liegt eine Auswärtstätigkeit vor, die mit der doppelten Reisekostenpauschale von 0,30 € pro gefahrenem Kilometer (also Hin- und Rückfahrt) steuerlich geltend gemacht werden kann.

Frage 5: Unabhängig von der Antwort auf die vorherigen Fragen: der Arbeitgeber hat vergessen (???), die Spesen/Fahrtkostenerstattung im Feld 17 der Lohnsteuerbescheinigung einzutragen. Muss er das korrigieren? Wie sonst könnte ich die 20 Mehrkilometer in der Steuererklärung ansetzen/gegenrechnen?

Gem. § 108 Gewerbeordnung hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf eine ordnungsgemäße Lohnabrechnung. Hat der Arbeitgeber die Lohnabrechnung nicht ordnungsgemäß erbracht, können Sie eine korrigierte Abrechnung verlangen. Dies hat der Arbeitgeber dann dem Finanzamt zu übermitteln und Ihnen einen entsprechenden Ausdruck der korrigierten elektronischen Lohnsteuerbescheinigung auszuhändigen (§ 41b EStG).

Gern können Sie von Ihrem Recht zu einer kostenlosen Nachfrage Gebrauch machen. Weitergehende Fragen beantworte ich für Sie im Rahmen einer Mandatsübertragung, ebenso übernehme ich gern weitere Tätigkeiten im Rahmen eines Mandats. Eine Mandatsausführung kann auch unbeachtlich der örtlichen Entfernung erfolgen und eine Informationsweiterleitung erfolgt dann per E-Mail, Post etc. Meine Kanzlei ist bundesweit tätig, weshalb auch eine Gerichtsvertretung an jedem Ort Deutschlands möglich ist.

Bitte beachten Sie, dass die Ergänzung oder Änderung des Sachverhalts zu einer vollkommen anderen rechtlichen Beurteilung führen kann.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen

René Piper
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 16.04.2014 | 10:42

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Mit einer so ausführlichen Antwort habe ich gar nicht gerechnet. Hat mir sehr geholfen, vielen Dank."
Stellungnahme vom Anwalt: