Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Werbungskosten oder Sonderausgaben

04.07.2010 19:18 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Hallo,
zunächst erkläre ich Ihnen die Situation:
• Meine Frau hat ihre Studium und Doktorarbeit im Iran in Fachbereich Medizin abgeschlossen und eine Approbation als Ärztin bekommen.
• Um im Baden-Württemberg ihre Beruf als Ärztin ausüben zu dürfen musste sie eine „Prüfung eines gleichwertigen Kenntnisstandes" bei dem Regierungspräsidium bestehen.
• Sie hat in 2008 und 2009 gelernt und am Oktober 2009 die Prüfung bestanden. Als Ergebnis hat sie eine Deutsche Approbation bekommen.
• Nach 8 Jahren Pause hat meine Frau ab Feb 2010 begonnen als Ärztin im Deutschland zu arbeiten.
• Sie hat im 2008, 584€ und im 2009, 1464€ verschiedene Aufwände für die Seminar Besuch, Fachliteraturen, Praktikum, Prüfungsgebühr und Zeugnisgebühr gehabt.
• Ich habe die Aufwände als Berufsausbildungskosten in meiner Einkommensteuererklärung angegeben.
• Für 2008 wurde zunächst „Berufsausbildungskosten" angenommen. Aber als ich dieses Jahr für 2009, gleich wie für 2008 vorgehen wollte, wurde es abgelehnt und für 2008 wurde es auch rückgängig(200€ zurück verlangt) gemacht!
• Das Finanzamt meint, dass es sich um Werbungskosten handelt.
• Ich habe einen Einspruch eingelegt, aber der wurde noch mal abgelehnt.
• Die Antwort von Finanzamt auf meinen Einspruch ist:
"Die Kosten für das Studium wurden als Werbungskosten in voller Höhe anerkannt. Eine Berücksichtigung als Sonderausgaben ist somit nicht mehr möglich"!
• Wenn die Kosten als Werbungskosten gerechnet werden, kriege ich von Finanzamt nichts zurück!?

Nun meine Fragen;
Habe ich eine Chance zu begründen, dass der Aufwand sich um einer Berufsausbindung handelt? Bzw. habe ich eine Möglichkeit den Aufwand zurück zu bekommen?
Wenn Ja, wie soll ich meine Argumente formulieren?

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

Nach der seit 2004 bestehenden Regelung sind Aufwendungen für eine Erststudium als Sonderausgaben bis zu einem Betrag von höchstens EUR 4.000,- von den Einnahmen abzugsfähig.

Handelt es sich hingegen um Aufwendungen für eine nachfolgende Ausbildung nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung stellen die Aufwendungen keine Kosten der Berufsausbildung, sondern durch die erwerbsbezogenen Veranlassung um Werbungskosten so der BFH vom 18.06.2009 (Az. VI R 14/07 ).

Die Aufwendungen Ihrer Frau sind als (vorweggenommene) Werbungskosten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG bei ihren Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit zu berücksichtigen. Sie sind keine Kosten der Berufsausbildung i.S. von § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG .

Die Rechtsprechung des BFH unterschied zwischen den Werbungskosten, die als abziehbaren Kosten einer Fortbildung in einem bereits ausgeübten Beruf galten und den als Sonderausgaben begrenzt abziehbaren Kosten einer Ausbildung zu einem künftigen Beruf.

Als Fortbildungskosten erkannte der BFH nur Ausgaben an, die ein Steuerpflichtiger tätigt, um sich in dem bereits ausgeübten Beruf fortzubilden und den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden.

Dagegen nahm der BFH Berufsausbildungskosten schon dann an, wenn die Aufwendungen die Grundlage für einen künftigen Beruf oder für einen Berufswechsel dienten.

Solche Aufwendungen stünden noch nicht mit einer konkreten beruflichen Tätigkeit und hieraus fließenden Einnahmen im Zusammenhang. Ausgaben dieser Art erwüchsen grundsätzlich jedem Steuerpflichtigen; sie gehörten daher zu den Kosten der Lebensführung und seien deshalb nach § 12 Nr. 1 EStG nicht als Werbungskosten abziehbar.

Zu den Berufsausbildungskosten gehörten stets die Aufwendungen eines Steuerpflichtigen für ein Erststudium an einer Hochschule, weil es eine andere berufliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung eröffne (BFH-Urteil vom 4. Dezember 2002 VI R 120/01 ).

Mit der Entscheidung BFHE 201, 156 , BStBl II 2003, 403 hat der BFH diese Rechtsprechung aufgegeben und von der strikten Unterscheidung zwischen Aus- und Fortbildung Abstand genommen.

Nach der geänderten Rechtsprechung können auch Aufwendungen für ein erstmaliges Hochschulstudium Werbungskosten i.S. von § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sein. Ob das Studium eine Basis für andere Berufsfelder schafft oder einen Berufswechsel vorbereitet, ist unerheblich (vgl. etwa BFH-Urteile vom 17. Dezember 2002 VI R 137/01 ).

In Ihrem Fall nimmt das Finanzamt Werbungskosten und keine Aufwendungen für die Berufsausbildung an. Insoweit nimmt das Finanzamt eine Fortbildung auch keine Erstausbildung an.

Aus meiner Sicht müssen Sie derart argumentieren, dass die Fortbildung in Deutschland Teil des Erststudiums ist, da das Studium im Ausland nicht anerkannt wird und damit die Erstausbildung nicht beendet wurde, sondern eine Ergänzung in Deutschland bedurfte.

Ich hoffe ich konnte Ihnen einen ersten hilfreichen Überblick verschaffen.

Mit besten Grüßen

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 78756 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Die Antwort erfolgte noch am selben Tag und hat mir sehr geholfen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für die schnelle Beratung. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle Beantwortung - auch der Rückfrage. Perfekt. ...
FRAGESTELLER