Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
503.210
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Werbungskosten Entfernungspauschale

| 05.04.2014 18:37 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt René Piper


Zusammenfassung: Die Entfernungspauschale mindert das Einkommen. Der Weg zur Arbeitsstätte kann evtl. Kindergeldanspruch sichern.

Guten Abend,

eine kurze Frage:
Eine Auszubildende wohnt in einem großen Wohnheim (Nur ein Zimmer, Bett, Waschbecken) auf dem Gelände des Ausbildungsbetriebs.
Gemeinschaftsküche im Haus, Gemeinschaftsdusche, Gemeinschaftswaschmaschine.
Kurz: Sie schläft dort nur unter der Woche und alles, was einen selbstständigen Haushalt ausmacht, ist nicht vorhanden.
Das Zimmer ist als Zweitwohnsitz angemeldet (aber: es ist eine Gemeinde OHNE Zweitwohnungssteuer); der Hauptwohnsitz ist zu Hause bei den Eltern, wo auch ihre Freunde sind (Sozialkontakte).
Es kostet auch nur eine pauschale Gebühr inkl. allem (Strom, Heizung, usw. / eine eigene NK-Abrechnung erfolgt daher auch nicht)

Darf man bei der Steuererklärung nun die Entfernungspauschale vom Hauptwohnsitz anrechnen, obwohl es ja eigentlich keine Fahrten unter der Woche gibt?
Wo kann man das auch mal richtig nachlesen?
(Es handelt sich ja um eine fahrzeugUNabhängige ENTFERNUNGSpauschale und nicht (mehr) um eine fahrzeugabhängige Pendlerpauschale.)

Damit ginge auch einher, dass das Zimmer kostenmäßig nicht mit angegeben würde.
Auch würde man keine Wochenendheimfahrten zusätzlich angeben.

Im Internet fand ich leider nichts passendes, da man dort meist von einer richtigen Wohnung mit Hausstand (Kochen, Waschen, Duschen, usw.) mit Nebenkosten usw. als Zweitwohnsitz ausgeht; das träfe ja hier nicht zu.


Vielen Dank und ein schönes Wochenende!

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen gerne auf Grundlage der angegebenen Informationen im Rahmen einer Erstberatung verbindlich wie folgt beantworten möchte.

Mit der Entfernungspauschale, werden die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte pauschaliert.

Die Entfernungspauschale ist für die Tage anzusetzen, an denen der Arbeitnehmer die Arbeitsstätte aufsucht.

Da die Auszubildende unter der Woche auswärts tätig ist dürfte es sich um eine sogenannte doppelte Haushaltsführung handeln. Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung wird als Werbungskostenabzug nur eine Familienheimfahrt pro Woche anerkannt. Die Auszubildende kann eine Heimfahrt pro Woche absetzen und kann gleichzeitig Unterkunftskosten und in den ersten drei Monaten Verpflegungskosten als Werbungskosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung absetzen.

Anderes würde evtl. gelten, wenn die Auszubildende öfter als einmal die Woche nach Hause fährt. Dann kann sie nämlich sämtliche Heimfahrten mit der Entfernungspauschale von 0,30 Euro je Entfernungskilometer als Werbungskosten geltend machen. Dann kann sie die Übernachtungskosten und die Verpflegungspauschbeträge in den ersten drei Monaten aber nicht mehr von der Steuer absetzen

Entfernungspauschale erhält aber nur, wer auch Steuern abführt. Da Auszubildende normalerweise keine Steuern zahlen, bringt die Entfernungspauschale Auszubildenden im Regelfall nichts.

Allerdings: Der Weg zur Ausbildung könnte evtl. einen Kindergeldanspruch sichern, da die Entfernungspauschale das Einkommen mindert.

Gern können Sie von Ihrem Recht zu einer kostenlosen Nachfrage Gebrauch machen. Weitergehende Fragen beantworte ich für Sie im Rahmen einer Mandatsübertragung, ebenso übernehme ich gern weitere Tätigkeiten im Rahmen eines Mandats. Eine Mandatsausführung kann unbeachtlich der örtlichen Entfernung erfolgen und eine Informationsweiterleitung erfolgt dann per E-Mail, Post etc.

Bitte beachten Sie, dass die Ergänzung oder Änderung des Sachverhalts zu einer vollkommen anderen rechtlichen Beurteilung führen kann.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Mit freundlichen Grüßen

René Piper
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 06.04.2014 | 09:46

Guten Morgen,

nun, ich fürchte, Sie haben die Frage nicht richtig durchgelesen oder ich habe meine Frage nicht klar genug formuliert:

Wie ich oben geschrieben habe, handelt es sich ja nicht um einen "Haushalt" im eigentlichen Sinne, da ja im Grunde nichts, was einen selbstständigen Haushalt definiert, vorhanden ist!

Daher ist die Frage, da das Zimmer ja kein "Haushalt" ist, dann die Entfernungspauschale zum Hauptwohnsitz geltend gemacht werden kann, obwohl die Fahrten nicht stattfinden?
Das kam in Ihrer Antwort noch nicht klar raus.

(ja, Sie zahlt auch Lohnsteuer; eine Ausbildungsvergütung wird doch i.d.R. versteuert?!?!?!)

Den Hinweis mit dem Kindergeld halte ich ehrlich gesagt für nicht ganz richtig, da das Kindergeld bei der Erstausbildung einkommensunabhängig gewährt wird. Oder?!?!?

Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.04.2014 | 17:50

Wenn die Fahrten nicht stattfinden kann die Entfernungspauschale auch nicht geltend gemacht werden. Es können nur die Fahrten geltend gemacht werden die auch stattfinden, also z.B. die Wochenendheimfahrten zum Hauptwohnsitz.

Rechtsgrundlage ist § 9 Abs. 1 ESTG:

"Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind. Werbungskosten sind auch
....
4.Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Sinne des Absatzes 4. Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht, eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4 500 Euro im Kalenderjahr; ein höherer Betrag als 4 500 Euro ist anzusetzen, soweit der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt."

Maßgeblich ist der Lebensmittelpunkt. Bei mehreren Wohnungen zählt grundsätzlich nur die der regelmäßigen Arbeitsstätte am nächsten liegende (BFH, Beschluss v. 04.05.2011, Az.: VI B 152/10). Als Wohnung ist hier die Unterkunft gemeint. Deshalb gilt das oben gesagte. Die Auszubildende könnte auch den Betrag von der Unterkunft zur Ausbildungsstätte ansetzen. Es wird nochmal darauf hingewiesen, dass die Familienheimfahrten im oben beschriebenen Rahmen angesetzt werden kann.

Es gibt einen Grundfreibetrag der 2014 8.354 Euro beträgt. Bis zur Höhe dieses zu versteuernden Einkommens fällt in der Regel keine Steuer an. Wenn die Auszubildende das zunächst abführt, kann sie sich den Betrag am Jahresanfang wiederholen, wenn Sie nicht über den Grundfreibetrag kommt. Deshalb meinte ich das die Entfernungspauschale Auszubildenden oft nichts bringt. Wenn sie mehr verdient, kann die Entfernungspauschale im beschriebenen Rahmen angesetzt werden

Kindergeld wird seit 2014 einkommensunabhängig gewährt, wenn es sich um die erste Ausbildung des Kindes handelt. Einschrän­kungen gibt es, wenn sich eine zweite Ausbildung anschließt. Dann gibt es das Kindergeld nur, wenn das Kind nicht mehr als 20 Wochenstunden regelmäßig arbeitet – und das auch nur bis zum 25. Geburtstag.

Bewertung des Fragestellers 28.03.2016 | 16:12

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

Stellungnahme vom Anwalt: