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Welpenverkauf


| 04.10.2006 23:01 |
Preis: ***,00 € |

Kaufrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Hallo,

ich habe im Jahr 2004 einen Wurf aus meiner Hündin gehabt und die Welpen verkauft (Kaufpreis 950 E, Golden Retriever mit Papieren). Ich habe das nur als Hobby gemacht.
Bei einem Welpen stellte sich nach 6 Monaten heraus, das der Rüde keine sichtbaren Hoden hatte. Er sollte mit 2 Jahren operiert werden, um die Hoden aus der Bauchhöhle zu entfernen.
Die Käfer wollen nun Geld von mir. Und zwar mindestens 500 Euro. Oder die OP Kosten (670 Euro). Muß ich das bezahlen? Oder ist in diesem Fall die Wertminderung nicht geringer anzusiedeln?
Ich bin dankbar für jede Hilfe, da ich durch das neue Kaufrecht mit der Gewährleistung nicht durchsteige!

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Sehr geehrte Ratsuchende,

Ihre Anfrage beantworte ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt:

Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) werden Tiere dem gleichen rechtlichen Grundsätzen unterworfen wie der Kauf von Produkten und unterliegen damit der zweijährige Gewährleistungsfrist. Eine Sachmängelhaftung kann nur dann ausgeschlossen werden, wenn eine Privatperson an eine andere Privatperson verkauft. Züchter können nicht einfach jegliche Haftung ausschließen, nur weil sie sich darauf berufen, Hobbyzüchter zu sein. Wer den Verkauf plant und mit Wiederholungsabsicht auftritt, handelt unternehmerisch und muss Ersatz leisten.

Erkrankt ein Tier in den ersten sechs Monaten, unterstellt der Gesetzgeber, dass die Krankheit bereits zu dem Zeitpunkt des Verkaufs vorlag. Käufer, die neben dem eigentlichen Kaufpreis hohe Tierarztkosten haben, können zum Teil sogar Schadenersatz verlangen.

Obgleich es sich bei Tieren nach dem Gesetz um Sachen handelt, wird bei den Gerichten auch immer wieder die Besonderheit berücksichtigt, dass es sich um Lebewesen handelt und damit auch Krankheiten entwickeln können, bzw. durch Stresssituationen entsprechende Symptome ausgelöst werden können.

Weiterhin werden auch häufig eintretende Krankheiten oder Fehlentwicklungen bei Tieren nicht als Mangel gewertet. Ob dies in Ihrem Fall zutrifft vermag ich abschließend nicht zu beurteilen, jedenfalls ist das dargestellte Problem bei Rüden nicht unbekanntes.

Anbei habe ich Ihnen einige Urteile beigefügt, die die Einschätzung untermauern, dass bei einer derartigen Fehlentwicklung bei einem Hund nicht unbedingt eine Minderung- bzw. ein Schadensersatzanspruch greift. Allerdings kann das in Ihrem Fall zuständige Gericht diesen Fall auch entsprechend anders sehen.

Insoweit würde ich Ihnen raten sich mit dem Käufer gütlich zu einigen, wobei ich den Minderungsbetrag nicht derart hoch ansetzen würde, sondern als Richtgröße € 250,- (meine persönliche Einschätzung) ansetzen würde, was in etwa auch das Prozeßrisiko berücksichtigt.

Ich hoffe Ihnen einen entsprechenden Überblick gegeben zu haben.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

1. Bei kranken Hundewelpen Geld zurück
Stellt der Käufer eines Hundewelpen nach fünf Monaten fest, dass der Hund an einem vererbten Hüftschaden leidet, dann kann er vom Hundezüchter den Kaufpreis zurückfordern. Der Käufer hat jedoch keinen Anspruch auf Ersatz der schon verauslagten Tierarztkosten, da dem Züchter kein Verschulden zu Last gelegt werden konnte. Der Hüftschaden selbst war bei Übergabe des Hundes nämlich noch nicht zu erkennen.
Landgericht Kleve, Az.: 5 S 99/03

2. Gewährleistungsfragen beim Pferdekauf
Die Parteien eines Pferdekaufvertrages stritten über eine Krankheit des verkauften Pferdes, die gut vierzehn Tage nach Übergabe des Tieres vom Pferdekäufer bemerkt wurde. Nach der Untersuchung eines Tierarztes stellte dieser ein Kehlkopfpfeifen und die Verhaltensauffälligkeit des Koppens fest. Der Käufer begehrte eine Minderung des Kaufpreises von 1.000 Euro und machte geltend, dass die Mängel innerhalb der ersten sechs Monate aufgetreten seien. Deshalb sei nach Gesetz zu vermuten, dass das Pferd bereits von Anfang an krank gewesen sei. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Denn bei einem Pferd handelt es sich um ein Lebewesen, auf das wegen seiner Art als Kaufsache die Anwendung einer Beweislastumkehrregelung nicht angemessen erscheint. Pferde können nämlich als Lebewesen auf eine Art und Weise Krankheiten entwickeln, wie dies ansonsten nur Menschen möglich und bei toten Gegenständen naturgemäß ausgeschlossen ist.
Amtsgericht Worbis, Az.: 1 C 437/03

3. Beweislastregeln beim Pferdekauf
Eine chronische Darmentzündung (Gastropathie) tritt häufig bei Pferden auf, ohne dass es zu klinischen Symptomen oder Leistungsbeeinträchtigungen kommen muss. Stallwechsel oder andere Stresssituationen können diese Krankheit kurzfristig auslösen. Aus diesem Grund ist daher die Beweislastumkehrregelung des § 476 BGB bei dem Auftreten einer solchen Krankheit nicht anwendbar. Das heißt der Pferdekäufer muss selbst beweisen, dass die Krankheit bereits bei Übergabe des Pferdes vorhanden war. Da dieser Beweis im streitigen Fall nicht zu führen war, wurde die Klage des Käufers auf Rückabwicklung des Kaufvertrages abgewiesen.
Landgericht Kiel, Az.: 5 O 115/04

4. Kein Mangel bei häufiger Tierkrankheit
Eine verkaufte Katze, die an einer Sporeninfektion leidet, weist zwar nach dem Kaufvertragsrecht einen Mangel auf, doch ist dieser Mangel für die Gewährleistung ohne Belang, da bei Katzen eine solche Sporeninfektion sehr häufig (hier: ca. 20 Prozent) auftritt. Der Käufer muss daher von Anfang an mit derartigen Beeinträchtigungen rechnen und kann keine Gewährleistungsrechte beim Verkäufer geltend machen.
Amtsgericht Zittau, Az.: 5 C 389/04

5. Welpe mit genetischem Fehler
Verkauft ein Hundezüchter einen Welpen und wird bei diesem Tier später eine Fehlstellung des Sprunggelenks tierärztlich festgestellt, so haftet hierfür der Verkäufer nicht, wenn er bei der Auswahl der Zuchttiere darauf geachtet hat, dass genetische Fehler bei den Elterntieren nicht vorliegen. Denn in diesem Fall ist beim Hundeverkäufer kein Verschulden festzustellen. Er hat weder vorsätzlich noch fahrlässig gehandelt. War die Fehlstellung des Sprunggelenks genetisch bedingt, so beruhte sie auf einem schon durch die Zeugung vorgegebenen Defekt der spezifischen, für die Knochenentwicklung maßgeblichen Anlagen des Hundes. Hinsichtlich eines solchen, in der Natur des Tieres begründeten genetischen Fehlers ist dem Züchter keine Fahrlässigkeit vorzuwerfen, wenn er die Zucht nach den dafür geltenden, auf Wissenschaft und Erfahrung beruhenden züchterischen Grundsätzen betreibt.
Bundesgerichtshof, Az.: VIII ZR 281/04

6. Mit Fehlern muss gerechnet werden
Eine plötzliche Lahmheit beim gekauften Pferd kann viele kurzfristig auftretene Ursachen gehabt haben. Dies gilt auch für die Spaterkrankung, weil eine Entwicklung auch hier in einem Zeitraum von weniger als sechs Monaten vorstellbar ist. Selbst wenn Spat zwar erst nach Übergabe aufgetreten sein sollte, aber eine erbliche Prädisposition besäße, liegt kein Mangel vor. Denn eine solche Veranlagung führt keineswegs sicher dazu, dass Spat als Mangel auch auftritt, sondern es müssen weitere Umstände hinzutreten. Der Käufer muss mit dem Vorliegen solcher Abweichungen vom Idealzustand rechnen, weil diese im Gegensatz zu anderen Waren, bei denen durch sorgfältige Herstellung eine gleiche Art und Beschaffenheit erreicht wird, nicht vermieden werden können.
Landgericht Lünebur

Nachfrage vom Fragesteller 05.10.2006 | 09:57

Ich muß noch einmal nachfragen, der Hund wurde am 9.5.2004 verkauft. Somit sind die zwei Jahre doch auch abgelaufen, auch wenn ich bereits vorher davon wußte und den Käufern damals eine Minderung angeboten hatte, die nicht angenommen worden ist, oder?
Operiert wurde der Hund am 29.6.2006.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.10.2006 | 21:03

Da die 2 Jahre bereits abgelaufen sind, ist der Käufer in der Beweislast, was ihm aufgrund der Operation dann schwer fallen durfte. Zudem müßte er zwischenzeitliche Hemmung der Verjährung durch das Verhandeln über den Mangel nachweisen. Insoweit sehe ich Ihre Chancen als recht positiv an den Ansprüchen des Käufers entgegenzutreten.

Mit besten Grüßen

RA Schröter

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