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Welches Steuerdomizil wenn Wohnsitz/Arbeit in der Schweiz sowie in Deutschland?

| 24.01.2015 21:18 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Ausgangslage:

Ich bin Student und arbeite neben meinem Studium 30% für eine Schweizer Firma (mit schweizerischem Arbeitsvertrag und schweizerischem Gehalt). Zudem habe ich in der Schweiz meinen Wohnsitz gemeldet, wo ich auch Steuern zahle.

Nun bin ich für meine Abschlussarbeit in Deutschland, wo ich meine Thesis für eine deutsche Firma (mit deutschem Arbeitsvertrag und deutschem Gehalt) schreibe. In Deutschland werde ich mindestens bis Ende meiner Arbeit bei meiner Freundin wohnen (ab jetzt noch für min. 6 Monate).

Am Wochenende fahre ich meistens zurück in die Schweiz, da sich dort mein eigentlicher Lebensmittelpunkt befindet (Familie, Freunde und Nebenjob).

Nun zu meinen Fragen:

Muss ich mich in Deutschland offiziell melden?
Kann ich meinen Wohnsitz in der Schweiz behalten?
Wie und wo zahle ich welche Steuern?

Beste Grüsse



Einsatz editiert am 24.01.2015 21:23:39

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Frage anhand Ihrer Sachverhaltsdarstellung wie folgt.

Muss ich mich in Deutschland offiziell melden?

Nach dem Meldegesetz BaWü ist nur derjenige verpflichtet, der eine Wohnung bezieht. Vorliegend beziehen Sie jedoch keine Wohnung, sondern halten sich hier nur bei Ihrer Freundin ständig auf. Sie begründen insoweit keinen Wohnsitz, der sie zur Anmeldung verpflichten würde, sondern begründen vielmehr einen steuerrechtlich maßgeblichen ständigen Aufenthalt (§ 9 Abgabenordnung).
Nichtsdestotrotz werden Sie von Ihrem Arbeitgeber zumindest steuerrechtlich angemeldet. Schließlich ist dieser verpflichtet, die von Ihnen zu entrichtende Lohnsteuer einzubehalten und an das Betriebsstättenfinanzamt abzuführen. Später dazu etwas mehr.

Kann ich meinen Wohnsitz in der Schweiz behalten?

Selbstverständlich. Wieso denn nicht? Kleines Problem im zusammenwachsenden Europa, ist aber die Frage der Krankenversicherung und der Einkommensteuer.

Damit kommen wir schon zu Ihrer dritten Frage.
Hier wird es etwas komplizierter. Da Sie in beiden Ländern wegen eines Wohnsitzes und des ständigen Aufenthaltes Einkommensteuerpflichtig wären, greift hier das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland. Nach Art. 4 DBA D/CH ist zu bestimmen, in welchem Land Sie ansässig sind. Da aber Art. 15 Abs. 2 eine eindeutige Regelung schafft, kann dies vorerst außen vor bleiben.

Maßgeblich für eine Besteuerung in Deutschland sind danach, dass Sie in Deutschland arbeiten und in der Schweiz nach Art. 4 ansässig sind, wenn Sie sich mindestens 183 Tage während des betreffenden Kalenderjahres in Deutschland aufhalten, Ihr deutscher Arbeitgeber nicht in der Schweiz ansässig ist und die Vergütung nicht von einer Betriebsstätte getragen werden, die der Arbeitgeber in der Schweiz hat.
Soweit sie also weniger als 183 Tage in Deutschland verweilen, hat Deutschland nur die Quellensteuer zu beanspruchen.

Soweit die rechtliche Grundlage, nun zur Frage was müssen Sie tun.

Sie benötigen eine sog. Ansässigkeitsbescheinigung Ihres Schweizer Wohnortes, mit dem Sie dem deutschen Finanzamt nachweisen, dass Sie dort zu Steuer herangezogen werden. Dennoch darf Ihnen auch der deutsche Staat von Ihren deutschen Einkünften eine sog. Quellensteuer von bis zu 4,5 % davon abziehen. Dieser wird grundsätzlich auf die Steuerlast im Ansässigkeitsstaat angerechnet, so dass es grundsätzlich bei dem Betrag der eigentlichen Steuerlast bleibt.

Weiterführende allgemeine Informationen finden Sie unter…
http://www.eures-t-oberrhein.eu/ich-wohne-in-d-und-arbeite-in-ch,676,de.html

http://www.grenzgaenger-service.net/

und die DBA
http://www.firma-ausland.de/download/dba-schwz.pdf


Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 24.01.2015 | 22:48

Guten Abend Herr Wehle,

vielen herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Das hilft mir schon viel weiter.

Ich habe noch eine wichtige Anmerkung: Da ich bloß eine kleine Entschädigung für meine Arbeit in Deutschland erhalte, hat mir das Finanzamt in München eine Bescheinigung für "beschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer" ausgestellt. Die Bescheinigung habe ich dann der Firma übergeben.

Hat diese Bescheinigung noch eine Auswirkung auf meine beschriebene Situation?

Besten Dank,

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 26.01.2015 | 20:59

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Nachfrage wie folgt.

Das zuständige Betriebsstättenfinanzamtes Ihres Arbeitgeber geht wohl von keinem Wohnsitz bzw. gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland aus, so dass Sie hier nur der beschränkten Steuerpflicht nach § 49 Abs. 1 Nr. 4a EStG unterfallen.
Mit der Höhe Ihres Einkommens hat das eigentlich weniger zu tun, es wird insoweit nur auf Ihren Aufenthalt abgestellt. Da Sie nicht in Deutschland Wohnhaft sind, kann Ihnen keine Lohnsteuerklasse zugeordnet werden, so dass der Arbeitgeber verpflichtet wäre nach Lohnsteuerklasser VI abzurechnen, was selbstverständlich die höchsten Abzüge ohne jegliche Anrechnung von Werbungskosten und dergleich nach sich ziehen würde.
Die beschränkte Steuerpflicht beinhaltet insoweit die Lohnsteuerklasse I und eine Veranlagung findet nicht statt. Mit anderen Worten eine Anrechnung von Werbungskosten findet nur noch eingeschränkt statt, so dass grundsätzlich eine Steuererstattung nicht zu erwarten ist.
den entsprechenden Antrag finden Sie unter https://www.finanzamt.bayern.de/Informationen/Formulare/Auslandssachverhalte/Grenzpendler/Antrag-auf-Bescheinigung-beschraenkt-stpfl-AN_2012.pdf

Grundsätzlich ist dabei anzumerken, dass bei einem jährlichen Einkommen von weniger als 8.352 Euro grundsätzlich steuerfrei ist. Sollte Ihre Entschädigung unterhalb dieser Freigrenze sein, findet kein Steuerabzug statt und die vom Finanzamt München empfohlene Maßnahme ist finanziell gesehen für Sie die günstigste und einfachste Möglichkeit der steuerlichen Behandlung Ihrer deutschen Einkünfte. anderenfalls möchte ich anraten, die im o.g. Antrag angedachten Möglichkeiten der Anrechnung ggf. auch von einem Steuerberater beurteilen zu lassen.

http://www.iww.de/pistb/archiv/einkommensteuer-besteuerung-beschraenkt-steuerpflichtiger-arbeitnehmer-ab-2009-f43887 und

http://www.iww.de/pistb/archiv/beschraenkte-steuerpflicht-moeglichkeiten-der-veranlagung-von-beschraenkt-steuerpflichtigen-arbeitnehmern-f34279

Ich hoffe Ihre Fragen hinreichend beantwortet zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen
RA A. Wehle

Bewertung des Fragestellers 28.01.2015 | 07:32

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