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Welche Rolle spielt eine frühere Verurteilung für eine erneute Anzeige wegen Betrugs

24.01.2005 16:46 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


20:41
Hallo,

Es geht um folgenden Sachverhalt. Ich wurde wegen Betruges in mehreren Faellen zu 3 Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewaehrung, plus Schadenswiedergutmachung verurteilt. Nun hat mein ehemaliger Arbeitgeber Anzeige wegen Betrugs gegen mich erstattet, da angeblich mehrfach Geld aus der Kasse verschwunden ist. Diese angeblichen Betrugsfaelle (ich gehe davon aus, das jede mir vorgeworfene Geldentnahme eine eigenstaendige Straftat darstellt) liegen allerdings vor der Verurteilung und damit auch vor der Bewaehrungszeit.

Soweit ich das sehe baut mein Arbeitgeber die Anzeige auf Indizien und Aussagen auf. Welche Rolle spielt die fruehere Verurteilung fuer die erneute Anzeige? Und was kann mir bei Anklageerhebung (schlimmstenfalls) passieren?
24.01.2005 | 17:02

Antwort

von


(24)
Köbelinger Str. 1
30159 Hannover
Tel: 0511. 220 620 60
Web: http://www.tarneden.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre bisherige Verurteilung bewegt sich - was Freiheitsstrafen angeht - im untersten Bereich dessen, was nach dem Gesetz möglich ist.

Da die "neuen" Taten vor der letzten Verurteilung begangen sind, sind Sie nicht in der Bewährungszeit begangen, weshalb Sie kein sog. "Bewährungsversager" sind. Der Widerruf der Bewährung aus diesem Grund droht Ihnen daher nicht.

Was Ihre Frage angeht folgendes:

Zunächst ist abzuwarten, ob die Taten überhaupt zur Anklage kommen.

Dann ist die nächste Frage, ob die angeklagten Taten auch zur Verurteilung gelangen.

Sollte beides der Fall sein - Sie fragen ja nach dem, was schlimmstenfalls passieren kann - wird bei Ihnen eine voraussichtlich eine Gesamtstrafe gebildet werden, d.h. das bereits bestehende Urteil und die weiteren Taten werden in einem Urteil zusammengezogen.

Das hat den Vorteil, dass die Strafe in der Summe geringer ausfällt, als wenn zwei Urteile nebeneinander ausgeurteilt werden würden.

Eine Bestimmung des Strafmaßes ist von hier aus unmöglich, weil mir wesentliche Daten nicht bekannt sind, nämlich:

1. Wieviele Taten werden Ihnen vorgeworfen?

2. In welchem zeitlichen Abstand sollen sie begangen sein?

3. Wie groß soll der Schaden sein?

4. Sind Sie anderweitig vorbestraft?


Sie können mir diese Daten gern zukommen lassen, damit ich die Frage genauer beantworten kann. Ich muss jedoch bereits hier darauf hinweisen, dass Angaben zu dem zu erwartenden Strafmaß mit äußerster Vorsicht gemacht werden müssen, weil die Richter einen großen Spielraum haben und die regionalen Unterschiede enorm sind.

In diesem Sinne verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen



Rolf Tarneden
Rechtsanwalt
tarneden@wieck-zimmermann.de





Nachfrage vom Fragesteller 25.01.2005 | 20:29

Hallo,

Vielen Dank fuer Ihre Antwort. Die polizeiliche Vernehmung steht mir erst noch bevor, daher habe ich keine genauen Angeben. Ich gehe davon aus (da es so zur Sprache kam) das es sich ueber einen Zeitraum von mehreren Wochen handelt (4-6 Wochen) in denen sich das ganze abgespielt haben soll. Um wieviele einzelne Faelle es geht ist mir unbekannt, ich gehe aber mal so von 5-10 aus. Der enstandene Schaden wird sich wohl auf ca 1000-1500 Euro belaufen. Andere Vorstrafen liegen nicht vor. Welches Strafmass haette ich im Falle einer Verurteilung ca zu erwarten bzw wie wahrscheinlich ist eine Verlaengerung der Bewaehrungszeit oder der zur Bew. ausgesetzten Haftstrafe? Inwiefern kann es hier zu einer Haftstrafe ohne Bewaerung kommen, bzw aus welchem Grund koennte eine Aufhebung der Bewaehrung erfolgen? (Sie schrieben das dies nicht aufgrund "Bewaehrungsversagens" geschenen koenne). Vielen Dank fuer die Hilfe.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.01.2005 | 20:41

Sehr geehrter Fragesteller,

bei den von Ihnen gegebenen Daten

-Zeitraum von mehreren Wochen handelt (4-6 Wochen)
-5-10 Fälle
-Schaden ca 1000-1500 Euro
-keine Vorstrafen

würde ich davon ausgehen, dass eine Gesamtfreiheitsstrafe von etwa 8 Monaten (+ / - 3 Monate) zu erwarten ist. Ich weise nochmals auf meine gemachten Vorbehalte hinsichtlich solcher Voraussagen hin. Auch hängt die Strafe davon ab, ob Sie sich geständig einlassen.

Bewährungszeit: 3 Jahre
ggf. Bewährungsauflage (Schadenwiedergutmachung, Hilfsarbeiten verrichten, ggf. Bewährungshelfer etc.)

Eine Haftstrafe ohne Bewährung sollte nicht verhängt werden. Gehen Sie dabei im Grundsatz davon aus, dass bei Freiheitsstrafe unter 1 Jahr die Bewährung die Regel, bei Freiheitsstafen über einem Jahr die Bewährung die Ausnahme ist. Wenn Sie keine Bewährung bekommen, legen sie sofort Berufung ein. Jedes andere Ergebnis kann nicht widerspruchslos akzeptiert werden.

Ein Bewährungswiderruf wird bei Ihnen aus meiner Sicht überhaupt nicht erfolgen. Im schlimmsten Fall gibt es eine Gesamtstrafe ohne Bewährung. Im Rahmen der gebildeten Gesamtstrafe geht ihre Bewährungsstrafe dann mit auf, egal ob die Gesamtstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen



Rolf Tarneden
Rechtsanwalt
tarneden@wieck-zimmermann.de

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