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Wegzugsfall_Zweitwohnsitz

10.07.2019 10:56 |
Preis: 65,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik, M.mel.


Zusammenfassung: Werbungskostenabzug bei beruflicher Nutzung einer im Miteigentum von Ehegatten stehenden Wohnung

Sehr geehrte Damen und Herren,

aufgrund einer beruflichen Veränderung meines Partners (nicht verheiratet) werden wir voraussichtlich zum 01.01.20 unseren privaten Lebensmittelpunkt weg verlegen (Wegzugsfall), jedoch werde ich den heutigen Standort als Zweitwohnsitz anmelden, da ich weiterhin dort arbeiten werde. Um keine doppelte Miete zu bezahlen, überlegen wir nun am Zweitwohnsitz zum 01.11.20 eine kleine Wohnung zu kaufen.

Nun die Frage:
Kann ich den Zweitwohnsitz vollständig über meine Steuererklärung geltend machen, auch wenn beide im Grundbuch eingetragen sind und die Fianzierung auf uns beide läuft? Oder ist dann nur noch ein 50 % Ansatz von Zinsen, Abschreibung etc. möglich. Andernfalls müssen wir überlegen, dass ich alleine das Eigentum erwerbe oder zumindest alleine finanziere, je nachdem was der ausschlaggebende Punkt ist.

Vorab vielen Dank für die Beantwortung der Frage.


Einsatz editiert am 11.07.2019 21:00:22

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Die im Miteigentum von Ehegatten stehenden Wohnung und der Werbungskostenabzug bei beruflicher Nutzung nur eines der Ehegatten waren bereits Gegenstand der Entscheidung des Bundesfinanzhofes, Urteil vom 6.12.2017, VI R 41/15 (veröffentlicht am 4.4.2018), so dass man davon ausgehen kann, dass das FA auch nach Grundsätzen in der Entscheidung vorgehen wird. Danach können Sie nur die Hälfte der „grundstücksorientierten" Aufwendungen (insbesondere Absetzung für Abnutzung —AfA— und Schuldzinsen)abziehen. Die sog. nutzungsorientierten Aufwendungen (Energiekosten, Wasser) in voller Höhe. Hier ist die Besprechung der Entscheidung
https://www.rechtslupe.de/steuerrecht/einkommensteuer/einkommensteuer-privat/die-miteigentum-ehegatten-3130301
und hier ist der Volltext
https://www.sis-verlag.de/archiv/einkommensteuer/rechtsprechung/8640-bfh-werbungskostenabzug-bei-beruflicher-nutzung-einer-im-miteigentum-von-ehegatten-stehenden-wohnung



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 14.07.2019 | 17:27

Vorab vielen Dank für die Beantwortung der Frage.

Habe ich die Entscheidung des Bundesfinanzhofs jedoch richtig verstanden, dass wenn ich und mein Freund ( nicht verheiratet) beide im Grundbuch stehen, die Finanzierung jedoch nur auf mich läuft (nur einer alleine trägt die Aufwendungen), ich es steuerlich auch zu 100 % absetzen kann?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.07.2019 | 18:23

…gerne
Der BFH sagt in der zitierten Entscheidung:
„Sind Eheleute Miteigentümer eines Grundstücks und errichten sie hierauf ein Gebäude oder erwerben sie - wie im Streitfall - eine Eigentumswohnung zu Miteigentum, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass jeder von ihnen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten entsprechend seinem Miteigentumsanteil getragen hat, und zwar unabhängig davon, wie viel er tatsächlich aus eigenen Mitteln dazu beigetragen hat."
D.h., dass die Variante mit Miteigentum und alleiniger Finanzierung hier nicht weiter hilft, die Kosten zu 100% abzusetzen. Allerdings bezieht sich diese Aussage auf Ehegatten und nicht auf nichteheliche Lebenspartner. Ich sehe aber keinen Grund, warum die nichtehelichen Lebenspartner anders (hier besser) behandelt werden sollen als Ehegatten.
Des Weiteren heißt es in der Entscheidung:
„Etwas anderes gilt dann, wenn ein Ehegatte sich an den Anschaffungskosten für das Miteigentum des anderen Ehegatten beteiligt, um die Wohnung teilweise zu beruflichen Zwecken nutzen zu können. Davon kann dann auszugehen sein, wenn nur ein Ehegatte Einkünfte erzielt oder jedenfalls erheblich höhere als der Ehepartner und er sich deshalb mit einem deutlich höheren Beitrag an den Anschaffungskosten beteiligt als der andere. In diesem Fall ist dieser Beitrag, soweit er die anteiligen Anschaffungskosten des beruflich oder betrieblich genutzten Raums deckt, von dem nutzenden Ehepartner als in seinem beruflichen Interesse aufgewendet anzusehen mit der Folge, dass er für die Zeit der Nutzung zu AfA als Werbungskosten berechtigt ist (Beschluss des Großen Senats des BFH in BFHE 189, 160 , BStBl II 1999, 782 , unter C.I.2.)."
Der BFH meint hier die AUSNAHMESituation, wenn ein Ehegatte Einkünfte erzielt oder jedenfalls erheblich höhere als der Ehepartner. In dem Fall kann der zahlende Ehegatte sich deshalb mit einem deutlich höheren Beitrag an den Anschaffungskosten beteiligt als der andere. D.h., dass wenn Sie ein erheblich höheres Einkommen haben als Ihr Lebenspartner und zu 100% Finanzieren, KANN das FA diese Aufwendungen zu 100% anerkennen. Zu sagen ist, dass zu dieser Variante in Bezug auf die doppelte Haushaltsführung noch keine ständige Rechtsprechung gibt, so dass hier erhebliche Unsicherheit besteht. Zwar hat der BFH in der Entscheidung vom 23.8.1999 (GrS 2/97 )
http://www.bfh.simons-moll.de/bfh_1999/XX990782.HTM
hierzu Stellung genommen und die Aussage unter Ziff. 2 getroffen. Es ging aber um ganz andere Konstellation.
In der Praxis wird das FA bei einem Miteigentum nur 50% Abzug zulassen. Sollten Sie argumentieren, Sie sind die Darlehensnehmerin, wird das FA bezweifeln, ob das auch tatsächlich so ist, d.h. Sie alleine finanzieren und nicht aus einem „gemeinsamen Topf". Verdienen Sie deutlich mehr als Ihr Partner, kann das FA dem folgen. Sonst nicht
Freundliche Grüße
Zelinskij

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