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Wechsel zum Wechselmodell ?

02.01.2019 11:13 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Situation: Scheidung 2012 gemeinsames Kind war damals 6 Jahre.
Im Notarvertrag stand dass ich die Wochenenden mit dem Kind habe;
„Der Aufenthalt der Tochter Nathalie ist in der Regel von Donnerstag 18.30 Uhr bis Sonntag
13.00 Uhr beim Ehemann. Sodann ist der Aufenthalt der Tochter bei der Ehefrau" – wir hatten uns bewußt gegen die übliche 12:2 Regelung entschieden ( jede 2. Woche 2 Tage besuchen).
Es stellte sich aber heraus, dass Unternehmungen für die Mutter mit der Tochter so nicht machbar waren. Ich habe mit meiner Ex die Änderung gemacht – kein Notarvertrag einfach so schriftlich – dass ich 3 von den 4 Wochenenden (komplett) das Kind habe.
Meine damalige berufliche Situation: 4 Tage in der Woche weg. Ich wohnte nicht in der Nähe der Schule, während hingegen die Mutter sehr nahe wohnte. Das paßte vor 6 Jahren.
Jetzt: Unsere Tochter ist 12,5. Ich wohne gegenüber der Schule meiner Tochter, 300 m von der Mutter weg. Ich bin nur noch von Di morgen bis Do abends beruflich unterwegs. Die meisten Freundinnen meiner Tochter wohnen in unserem Haus. Unsere Tochter hat auch bei mir ihr eigenes Zimmer; ich lebe mit einer alleinerziehenden Mutter mit ihren 2 Kindern zusammen ( Wohngemeinschaft keine Lebensgemeinschaft).
Ich würde gerne das Wechselmodell beantragen. Die Mutter wird das aufgrund der finanziellen Folgen für sie ablehnen.
Es kommt auch immer wieder zu Irritationen, da die Mutter der Tochter verbietet zu mir zu kommen.
Frage: kann unsere Tochter mit 12,5 J (mit)bestimmen wo sie ihre Zeit verbringen will. (Anlass: diesen Sonntag wollte ich Tochter vom Flughafen abholen, war mit Mutter 2,5 Wochen weg; Mutter verbietet dies aber, trotz dass Tochter wollte und wir das eigentlich vereinbart hatten).
Ich habe mal gelesen dass es ein Urteil gibt (OLG Hamm NJW 2012,398 ) das besagt, dass ein Wechselmodell nicht erstritten werden kann. Aber ich habe auch gehört dass inzwischen dieses von vielen Gerichten favorisiert wird.

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Wenn zwischen den Eltern Einigkeit besteht, gibt es keinerlei Hinderungsgründe, das Wechselmodell hinsichtlich des Umgangsrechts zu praktizieren.

Ihre Vermutung geht jedoch dahin, dass sich die Kindesmutter diesem Umgangsmodell widersetzen wird.


2.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, eine gerichtliche Entscheidung herbei zu führen, die auf das Praktizieren des Wechselmodells gerichtet ist.

Voraussetzung ist, dass beide Elternteile nur unweit der Schule des Kindes ihren Wohnsitz haben und dass sich das Wechselmodell auch mit den Arbeitszeiten der Eltern vereinbaren lässt. Selbstverständlich muss auch der Wohnraum so beschaffen sein, dass beispielsweise ein Kinderzimmer zur Verfügung steht.


3.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist ein entsprechender Antrag zulässig. Der Bundesgerichtshof argumentiert, dass das Gesetz eine gerichtliche Regelung des Umgangsrechts nicht ausschließe, die im Ergebnis dazu führe, dass eine gleichmäßige Betreuung des Kindes beider Elternteile im Sinne eines Wechselmodells erfolge.


4

D. h. zunächst, dass Sie die Möglichkeit haben, das Wechselmodell gerichtlich geltend zu machen. Ob das Gericht diesem Antrag stattgibt, ist eine andere Frage, die natürlich nicht zu vorwegnehmend beurteilen werden kann.

Da die Tochter 12 1/2 Jahre alt ist, darf man davon ausgehen, dass das Gericht die Tochter anhört. Würde das Gericht von einer Anhörung der Tochter Abstand nehmen, halte ich das für rechtsfehlerhaft.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

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