Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Was genau sind Krypto Hebelprodukte (Perpetual Kontrakte) im steuerlichen Sinn

12.01.2021 22:15 |
Preis: 80,00 € |

Wirtschaftsrecht, Bankrecht, Wettbewerbsrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich trade auf Bybit.com und Phemex.com die dort angebotenen Hebelprodukte (Perpetual Kontrakte).
Durch die Änderung der Verlustbegrenzung aus Kapitalvermögen stellen sich jetzt einige wichtige Frage zur Besteuerung aber am Anfang steht doch die Frage ob die Perpetual Kontrakte überhaupt von der Änderung betroffen sind. Dazu muss erst die Frage beantwortet werden, was genau diese Kontrakte sind im steuerlichen Sinn. Ich konnte auf einschlägigen Seiten keine einheitliche Meinung zu dem Thema finden.
Sie werden als Krypto-Derivate bezeichnet, mal als Optionen, von den Handelsplattformen werden sie als Futures ähnlich beschrieben (siehe die Links unten). Um was für ein Produkt handelt es sich bei den auf Bybit und Phemex angebotenen Perpetual Kontrakten.
Ich bitte um eine klare Definition um diese auch in dem § 20 EStG klar zu identifizieren und steuerlich richtig einordnen zu können. Ich bitte auch um Begründung unter nenen von Gesetzen oder anderen rechtsverbindlichen Dokumenten.


https://phemex.com/de/contract/introduction
https://phemex.com/de/contract/perpetual-contract?symbol=BTCUSD
https://www.bybit.com/en-US/contract-rules/


Mit freundlichen Grüßen

Einsatz editiert am 13.01.2021 14:05:44
14.01.2021 | 21:58

Antwort

von


(427)
Wichlinghauser Markt 5
42277 Wuppertal
Tel: 0202 697 599 16
E-Mail:
Diese Anwältin zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Fragesteller,

auf Grundlage der durch Sie mitgeteilten Informationen beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

Die von Ihnen verlinkten Produkte fallen unter § 20 Abs. 2 Nr. 3 a) und b) EStG.

Zitat:

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören auch
(...)
der Gewinn

a)
bei Termingeschäften, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße bestimmten Geldbetrag oder Vorteil erlangt;
b)
aus der Veräußerung eines als Termingeschäft ausgestalteten Finanzinstruments;

Sie handeln nicht mit einer Kryptowährung, deren steuerliche Behandlung man durchaus als nicht endgültigt geklärt betrachen darf, die aber jedenfalls nicht unter § 20 EStG fällt, da sie dort nicht explizit genannt ist. D.h. nur für Kryptowährungen selbst ist § 20 EStG nicht anwendbar. Auch wenn Ihre Produkte im Zusammenhang mit einer Kryptowährung stehen ist § 20 EStG anwendbar.

Die Produkte die Sie haben sind Futures, also Termingeschäfte. Im Fall der Derivate hängen diese vom Wert einer veränderlichen Bezugsgröße ab, das entspricht § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 a) EStG. Soweit es sich um Optionen handelt, liegt ein Fall von § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 b) EStG vor.

Dafür gibt es in § 20 Abs. 6 EStG spezifische Regelung zur Verrechnung von Verlusten:

Zitat:
) 1Verluste aus Kapitalvermögen dürfen nicht mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden; sie dürfen auch nicht nach § 10d abgezogen werden. 2Die Verluste mindern jedoch die Einkünfte, die der Steuerpflichtige in den folgenden Veranlagungszeiträumen aus Kapitalvermögen erzielt. 3§ 10d Absatz 4 ist sinngemäß anzuwenden. 4Verluste aus Kapitalvermögen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 1 Satz 1, die aus der Veräußerung von Aktien entstehen, dürfen nur mit Gewinnen aus Kapitalvermögen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 1 Satz 1, die aus der Veräußerung von Aktien entstehen, ausgeglichen werden; die Sätze 2 und 3 gelten sinngemäß. 5Verluste aus Kapitalvermögen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 dürfen nur in Höhe von 20 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 ausgeglichen werden; die Sätze 2 und 3 gelten sinngemäß mit der Maßgabe, dass nicht verrechnete Verluste je Folgejahr nur bis zur Höhe von 20 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 verrechnet werden dürfen. 6Verluste aus Kapitalvermögen aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung, aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des Absatzes 1, aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des Absatzes 1 auf einen Dritten oder aus einem sonstigen Ausfall von Wirtschaftsgütern im Sinne des Absatzes 1 dürfen nur in Höhe von 20 000 Euro mit Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeglichen werden; die Sätze 2 und 3 gelten sinngemäß mit der Maßgabe, dass nicht verrechnete Verluste je Folgejahr nur bis zur Höhe von 20 000 Euro mit Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden dürfen. 7Verluste aus Kapitalvermögen, die der Kapitalertragsteuer unterliegen, dürfen nur verrechnet werden oder mindern die Einkünfte, die der Steuerpflichtige in den folgenden Veranlagungszeiträumen aus Kapitalvermögen erzielt, wenn eine Bescheinigung im Sinne des § 43a Absatz 3 Satz 4 vorliegt.


Mit freundlichen Grüßen


Rückfrage vom Fragesteller 16.01.2021 | 12:52

Sehr geehrte Frau Stadler,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Wenn es sich um Futures bzw. Termingeschäfte handelt wir verhält es sich dann mit den Gebühren.
Bei dem Handel entstehen Börsengebühren (Taker und Maker-Gebührensatz bei Kauf und Verkauf) und Finanzierungsgebühren (alle 8 Stunden über die Haltedauer der Kontrakte). Sind das Aufwendungen die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Veräußerungsgeschäft stehen, die den Gewinn mindern und können sie unbegrenzt in Abzug gebracht werden oder zählen sie als Verluste und sind auch durch die 20.000€ begrenzt?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 16.01.2021 | 12:59

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich auch Ihre Nachfrage:

Für die Geltendmachung von Werbungskosten für Kapitaleinkünften gib es in § 20 Abs. 9 EStG die folgende Regelung, die die Geltendmachung von Werbungskosten grundsätzlich ausschließt:

Zitat:
1Bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen ist als Werbungskosten ein Betrag von 801 Euro abzuziehen (Sparer-Pauschbetrag); der Abzug der tatsächlichen Werbungskosten ist ausgeschlossen. 2Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, wird ein gemeinsamer Sparer-Pauschbetrag von 1 602 Euro gewährt. 3Der gemeinsame Sparer-Pauschbetrag ist bei der Einkunftsermittlung bei jedem Ehegatten je zur Hälfte abzuziehen; sind die Kapitalerträge eines Ehegatten niedriger als 801 Euro, so ist der anteilige Sparer-Pauschbetrag insoweit, als er die Kapitalerträge dieses Ehegatten übersteigt, bei dem anderen Ehegatten abzuziehen. 4Der Sparer-Pauschbetrag und der gemeinsame Sparer-Pauschbetrag dürfen nicht höher sein als die nach Maßgabe des Absatzes 6 verrechneten Kapitalerträge.

Mit freundlichen Grüßen

ANTWORT VON

(427)

Wichlinghauser Markt 5
42277 Wuppertal
Tel: 0202 697 599 16
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Datenschutzrecht, Vertragsrecht, Internet und Computerrecht, Zivilrecht, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Arbeitsrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 78091 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,4/5,0
Schnell und verständlich das Gefragte beantwortet. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen Dank für Ihre Einschätzung, bzw. Aufklärung über die Rechtslage. Sie haben mir sehr geholfen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Gute Beratung, vielen Dank ...
FRAGESTELLER