Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Was genau ist 'übliche' Abnutzung des Parketts


| 27.07.2005 10:29 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann



Guten Tag!

Ich wohne in einer Wohngemeinschaft, mit der wir zu Ende August unsere Wohnung gekündigt haben. Wir wohnen dann 6 2/3 Jahre hier. Nun setzt eine Diskussion mit unserem Vermieter um das Parkett ein. Es ist in den "öffentlichen" Räumen - Flur, Esszimmer, Wohnzimmer - stark versehen mit Kratzspuren, dunklen Flecke u.ä. Dabei muss man unterscheiden, dass diese im Flur und Esszimmer hauptsächlich rund um einen Esstisch (durch Stühle etc.) und im Flur durch Straßenschuhe o.ä. entstanden sind - alles bei "normaler" Nutzung der Wohnung. Im Wohnzimmer dagegen haben drei größere Partys, bei denen die Mitte des Raums Tanzfläche war, sehr deutliche Spuren hinterlassen.

Es besteht kein Zweifel, dass das Parkett in diesen Räumen "hinüber" ist und für das Wohnzimmer sind wir auch bereit, uns an den Kosten zu beteiligen, aber unser Vermieter möchte nun, dass wir das komplette Parkett in all diesen Räumen ersetzen.
Ich hab nun viele Antworten auf dieser Seite gelesen und bin mir im Klaren, dass prinzipiell der Boden Sache des Vermieters ist, aber mir ist nicht ganz klar, ab wann genau es sich nicht mehr um "übliche" Abnutzung handelt.

Drei Faktoren muss man noch berücksichtigen:

1. Das Parkett ist nach Meinung diverser Experten sehr schlecht verlegt (es gibt große Fugen, Wellungen usw.) und auch die Qualität des Parketts ist äußerst fraglich.

2. Wir haben zu Beginn unseres Mietverhältnisses hier noch ca. ein halbes Jahr in einer Baustelle gelebt - die Dachterrasse, Fassade, das Treppenhaus, selbst die Wohnungstür wurden noch gemacht. Wir hatten unverhältnismässig viel Bauschmutz in der Wohnung, was auch stets vom Vermieter anerkannt wurde (es gab angemessene Mietminderungen). Dadurch war das Parkett schon nach einem halben Jahr angegriffen - später hatten wir wegen kompletter Erneuerung der Terrassen, Wasserschäden in der Decke u.ä. regelmäßig weitere Handwerker in der Wohnung ...

3. Nach Aussage eines Parkettlegers, der das Parkett nun begutachtet hat (um einen Kostenvoranschlag für ein neues machen zu können), haben wir das Parkett falsch gepflegt, wodurch die zahlreichen dunklen Flecken entstanden sind. Wir hätten es nicht nass wischen dürfen. Darauf wurden wir aber nie hingewiesen, es war auch der anwesenden Vermieterin neu - wir haben einfach handelsüblichen Parkettreiniger benutzt und die Packungsanweisung befolgt.

Nun meine Fragen:

1. Ab welchem Grad genau sind die Schäden am Parkett unser Problem? Welche Rolle spielen die obigen Faktoren? Wie kann der Grad unseres "Verschuldens" festgestellt bzw. beziffert werden? Gibt es da Faustregeln?

2. Für den Fall, dass wir für das Parkett aufkommen müssen: Wie genau errechnen wir den Zeitwert des Parketts? (Wir wissen, dass es bei Verlegung vor 6 2/3 Jahren 100 DM pro Quadratmeter gekostet hat). Welche Nutzungsdauer wird bei Fertigparkett (Buche natur) angenommen?

3. Müssen wir bei von uns zu verantwortenden Schäden für das Parkett im ganzen Zimmer aufkommen oder nur anteilig für den beschädigten Bereich?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe!
Sehr geehrter Ratsuchender,


vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ihre Fragen möchte ich wie folgt beantworten.

Ad 1):

Der Grad Ihres Verschuldens kann nicht nach einer Faustregel bemessen werden. Grundsätzlich haften Sie nur für Schäden, die durch eine nichtvertragsgemäße Nutzung entstanden sind. Das Begehen des Parkettbodens mit Schuhen ist jedenfalls vertragsgemäße Nutzung, so daß die damit verbundenen Schäden nicht von Ihnen zu verantworten sind. Nicht zu verantworten haben Sie auch die Schäden, die durch die fehlerhafte Reinigung bzw. Pflege entstanden sind, wenn man Sie vorher nicht darauf hingewiesen hat, daß Sie keinen handelsüblichen Parkettreiniger benutzen durften. Wenn es sich um Parkettboden handelt, der abweichend von üblichem Parkett zu pflegen ist, hätte der Vermieter Sie vorher darauf hinweisen müssen.

Letztlich werden Sie auch nicht für Schäden aufkommen müssen, die nur durch die schlechte Verlegung des Bodens entstanden sind, da auch dies in den Verantwortungsbereich des Vermieters fällt. Es wird deshalb auch darauf ankommen, ob die Party-Schäden im Wohnzimmer bei ordnungsgemäßer Verlegung des Bodens ebenfalls entstanden wären, oder ob sich hier nur die schlechte Qualität des Bodens und seiner Verlegung niedergeschlagen hat.

All dies sind aber Punkte, die einer Faustregel nicht zugänglich sind. Es wird, wie so oft, auf den konkreten Einzelfall ankommen, was nichts anderes bedeutet, als daß im Falle eines Rechtsstreits ein Sachverständiger begutachten wird, welche Schäden von Ihnen durch übermäßige Abnutzung zu verantworten sind, und welche Schäden nicht zu Ihren Lasten gehen.

Ad 2):


Die Lebensdauer von Parkett liegt in der Regel bei 50 bis 60 Jahren, hängt aber auch von der verwendeten Qualität ab. Ein Parkettboden minderer Güte hält naturgemäß nicht solange, wie ein hochwertiger Boden. Der Zeitwert hängt also von dem Alter und der Qualität des Bodens ab, was letztlich ebenfalls nur gutachterlich festgestellt werden kann. Handelt es sich um einen Parkettboden, der bei ordnungsgemäßer Verlegung 30 Jahre gehalten hätte, und ist er trotz ordnungsgemäßer Verlegung bereits nach 6 Jahren "hinüber", wäre also ein Restzeitwert von 4/5 des damaligen Preises zu ersetzen. Wurde der Boden aber schlecht verlegt, und hätte seine Lebensdauer deshalb nur maximal 10 Jahre betragen, reudiziert dies natürlich den entstandenen Schaden.

Fazit: Auch hier lässt sich keine klare Aussage treffen, da es auf die Qualität des Materials und seine Verlegung ankommen wird.

Ad 3)

Aufkommen müssen Sie nur für die von Ihnen zu verantwortenden Schäden und keinesfalls für eine Neuverlegung des gesamten Bodens, wenn diese Schäden separat behoben werden können.

Zwar müsste im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung der Vermieter die Höhe des Schadens und Ihre Verantwortlichkeit dafür beweisen. Da aber die Gutachterkosten die Kosten des Verfahrens schnell in die Höhe treiben dürften, und Sie, selbst wenn Sie nachher nur einen Teil des Schadens bezahlen müssten, daran anteilig beteiligt wären, ist eine außergerichtliche Einigung auf jedenfall zu empfehlen. Sollten Sie dazu Hilfe benötigen, dürfen Sie sich selbstverständlich gerne an mich wenden.

Ich hoffe, Ihnen zunächst geholfen zu haben.


Mit freundlichen Grüßen

Andreas Schwartmann
Rechtsanwalt



--
Rechtsanwalt A. Schwartmann
Gleueler Str. 249 D-50935 Köln
Tel: (0221) 355 9205 / Fax: (0221) 355 9206 / Mobil: (0170) 380 5395

www.andreas-schwartmann.de

Nachfrage vom Fragesteller 27.07.2005 | 11:35

Vielen Dank für die schnelle und umfangreiche Antwort. Eine Nachfrage hätte ich aber noch:

Unter 3) sagen Sie, dass wir nicht für die Neuverlegung aufkommen müssen, wenn der Schaden seperat behoben werden kann.
Wer beurteilt, ob man das kann?
Wenn es in einem Zimmer eine Ecke gibt, die ganz klar von uns beschädigt ist - der Vermieter sagt aber, man muss das ganze Zimmer machen, damit es einheitlich aussieht, also müssen wir auch alles zahlen, hält das stand?
Oder kann man auch sagen: Er würde sowieso das Zimmer neu machen (was er vorhat), also müssen wir nur eine bestimmte Quadratmeterzahl zahlen? Oder vielleicht sogar gar nichts, weil er ja eh renovieren würde - unabhängig von dem Schaden?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.07.2005 | 18:28

Wenn es Streit gibt, ob sich der Schaden zimmerweise beheben läßt, oder das gesamte Parkett ausgetauscht werden muß, entscheidet letztlich wiederum ein Sachverständiger. Wenn der Vermieter, wegen der schlechten Verlegung und der normalen Abnutzung, ohnehin das ganze Zimmer neu macht, werden Sie nur für die Kosten aufkommen müssen, die "Ihren" Schaden betreffen.

Mit freundlichen Grüßen
A. Schwartmann

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Die Antwort ist zwar inhaltich nicht ganz befriedigend (da es immer auf einen Gutachter hinausläuft), aber das ist nicht Schuld des Beantworters. Mit Schnelligkeit, Verständlichkeit und Ausführlichkeit der Antwort bin ich sehr zufrieden! "