Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Bewertungen
505.147
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Wann wird man zum steuerlichen Resident in Deutschland

04.09.2018 16:54 |
Preis: 70,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Stimmt es, dass wenn der ausländische Bürger über 183 Tage während der 12 Kalendarmonaten mit Aufenthaltstitel in Deutschland ist, dann ist er auch steuerpflichtig in Deutschland?

Ein Bürger der Russischen Föderation hat Aufenthaltstitel in Deutschland mit Arbeitserlaubnis (Blaue Karte EU) vor knapp 2 Jahren bekommen und arbeitet bei einer Firma in Deutschland.
Dabei hat er sich im letzten Jahr über 250 Tage außerhalb Deutschland, und zwar in Russland aufgehalten.
Ist er in diesem Fall doch steuerpflichtig in Deutschland, oder eher nicht?

Und wie werden die Steuern berechnet bei diesem Bürger der Russischen Föderation, der Aufenthaltstitel in Deutschland mit Arbeitserlaubnis hat und gleichzeitig in Deutschland und in Russland angestellt ist?

Wenn er 50000 Euro brutto jährlich in Deutschland und 40000 Euro brutto in Russland als Gehalt verdient?
Dabei wird in Russland Steuer automatisch abgezogen (und zwar 13% also 5200 Euro von 40000 Euro).
Also die Frage welcher Betrag unterliegt dann in Deutschland zum Versteuern:
a) 50000 Euro, mit Steuerstufe wie bei gemeinsamen Einkommen 90000 Euro (50+40)?
b) 90000 Euro, mit Steuerstufe wie bei gemeinsamen Einkommen 90000 Euro aber die schon bezahlte 5200 Euro werden verrechnet?
c) 50000 Euro, mit Steuerstufe wie bei gemeinsamen Einkommen 50000 Euro?
oder andere Variante?

Einsatz editiert am 05.09.2018 16:08:47
06.09.2018 | 13:31

Antwort

von


(79)
Zweinaundorferstrasse 1
04318 Leipzig
Tel: 015731344210
Tel: 034197475372
Web: http://www.kanzlei-vicky-neubert.de
E-Mail:
Diese Anwältin zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ihre Frag hängt davon ab, wo genau der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz bzw. seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. (Wohnt er hier in einer Mietwohnung, erhält er Post hierher etc. sind Sachen die für einen Wohnsitz sprechen) Denn je nach dem ob er diesen in Dtl hat oder nicht, ist er entweder unbeschränkt steuerpflichtig oder beschränkt steuerpflichtig. Das er sich längere Zeit in Russland aufhält nicht muss nicht unbedingt ausschlaggebend sein. Es spricht bereits die Aufenhaltserlaubnis und die Arbeitserlaubnis schon dafür, dass hier auch ein Wohnsitz begründet ist. Aber das kann ich mangels Kenntnis der tatsächlichen Sachlage nicht einschätzen.

Eine natürliche Person, die in Deutschland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist in Deutschland beschränkt steuerpflichtig, wenn sie inländische Einkünfte hat. Ein Arbeitnehmer erzielt insbesondere dann inländische Einkünfte, wenn er seine Tätigkeit in Deutschland ausübt. Bei der beschränkten Steuerpflicht unterliegen grundsätzlich nur die inländischen Einkünfte der Person der deutschen Einkommensteuer. Damit unterliegen auch die Einkünfte, die ein in Russland wohnender Arbeitnehmer aus einer Tätigkeit in Deutschland erzielt, zunächst der deutschen Einkommensteuer. Zudem unterliegt der Arbeitnehmer in Russland der dortigen unbeschränkten Steuerpflicht. Es entsteht eine Doppelbesteuerung.


Ein in Russland wohnender Arbeitnehmer kann dann in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sein, wenn er hier einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt begründet. Dies kann z. B. bei einer längeren Tätigkeit in Deutschland der Fall sein.

Liegen die Voraussetzungen der beschränkten Steuerpflicht vor, kann der Arbeitnehmer auf Antrag als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden, wenn er den ganz überwiegenden Teil seiner Einkünfte in Deutschland erzielt. Dies kann z. B. bei Saisonarbeitern der Fall sein.


Gehe ich also davon aus, dass der Wohnsitz hier begründet ist, dann ist die Person unbeschränkt steuerpflichtig.

In beiden Fällen entsteht aufgrund der in Russland ebenfalls bestehenden unbeschränkten Steuerpflicht eine Doppelbesteuerung.

Das bedeutet, was er in Deutschland verdient, muss auch hier versteuert werden.



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwältin Vicky Neubert, Dipl.-Jur.

Nachfrage vom Fragesteller 06.09.2018 | 17:02

Vielen Dank für Ihre Antwort, aber ich brauche eine Erläuterung genau zu dem zweiten Teil der Frage, und zwar:
welcher Betrag unterliegt dann in Deutschland zum Versteuern:
a) 50000 Euro, mit Steuerstufe wie bei gemeinsamen Einkommen 90000 Euro (50+40)?
b) 90000 Euro, mit Steuerstufe wie bei gemeinsamen Einkommen 90000 Euro aber die schon bezahlte 5200 Euro werden verrechnet?
c) 50000 Euro, mit Steuerstufe wie bei gemeinsamen Einkommen 50000 Euro?
oder andere Variante?



Zur Doppelbesteuerung gibt es Vereinbarungen...
Dazu habe ich schon mal was im Internet gefunden
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Russische_Foed/2006-03-09-Russische-Foederation-Abkommen-DBA-Verstaendigungsvereinbarung.html;jsessionid=4EDB39D4283671AFDE080001EAFC6BA6

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 06.09.2018 | 17:59

SEhr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für die Nachfrage.

Der Link den Sie mir geschickt haben ist mir bekannt, dieser ist in meine erste Antwort mit eingeflossen. Dieser sagt ebenso wie meine Antwort, dass die PErson hier ansässig sein muss. Und das ist die Problematik die ich Ihnen dargelegt habe. Es muss doch erstmal geklärt werden, ob jemand beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig ist, bevor man zu konkreten Zahlen Auskunft geben kann.

AUch das Deutsch Russische DBA stellt darauf ab:

Art. 4 Ansässige Person.

(1) Im Sinne dieses Abkommens bedeutet der Ausdruck „eine in einem Vertragsstaat ansässige Person" jede Person, die nach dem Recht dieses Staates dort aufgrund ihres Wohnsitzes, ihres ständigen Aufenthalts, des Ortes der Gründung als juristische Person durch Registrierung, des Ortes ihrer Geschäftsleitung oder eines anderen ähnlichen Kriteriums steuerpflichtig ist. Dieser Ausdruck umfaßt jedoch nicht Personen, die in diesem Staat nur in bezug auf Einkünfte aus Quellen in diesem Staat oder in bezug auf in diesem Staat gelegenem Vermögen steuerpflichtig ist;

(2) Ist nach Absatz 1 eine natürliche Person in beiden Vertragsstaaten ansässig, so gelten folgende Bestimmungen:

a) Die Person gilt als in dem Staat ansässig, in dem sie über eine ständige Wohnstätte verfügt; verfügt sie in beiden Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in dem Staat ansässig, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen hat (Mittelpunkt der Lebensinteressen);

b) kann nicht bestimmt werden, in welchem Staat die Person den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen hat, oder verfügt sie in keinem der Staaten über eine ständige Wohnstätte, so gilt sie als in dem Staat ansässig, in dem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat;

c) hat die Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt in beiden Staaten oder in keinem der Staaten, so gilt sie als in dem Staat ansässig, dessen Staatsangehöriger sie ist;

d) behandelt jeder der Vertragsstaaten sie als seinen Staatsangehörigen oder betrachtet keiner der Vertragsstaaten sie als solchen, so entscheiden die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten diese Frage in gegenseitigem Einvernehmen.

(3) Ist nach Absatz 1 eine andere als eine natürliche Person in beiden Vertragsstaaten ansässig, so gilt diese in dem Vertragsstaat als ansässig, in dem sich ihre tatsächliche Geschäftsleitung befindet.


Das DBA sagt dann weiterhin: Art. 15 [1] Einkünfte aus unselbständiger Arbeit.

(1) Vorbehaltlich der Artikel 16, 18 und 19 können Gehälter, Löhne und ähnliche Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus unselbständiger Arbeit bezieht, im anderen Vertragsstaat nur besteuert werden, wenn die Arbeit dort ausgeübt wird.

(2) Ungeachtet des Absatzes 1 können Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person für eine im anderen Vertragsstaat ausgeübte unselbständige Arbeit bezieht, nur im erstgenannten Staat besteuert werden, wenn alle nachstehenden Voraussetzungen erfüllt sind:

a) Der Empfänger hält sich im anderen Staat insgesamt nicht länger als 183 Tage während eines beliebigen 12-Monatszeitraums auf, der im betreffenden Steuerjahr beginnt oder endet, und

b) die Vergütungen werden von einem Arbeitgeber oder für einen Arbeitgeber gezahlt, der nicht im anderen Staat ansässig ist, und

c) die Vergütungen werden nicht von einer Betriebsstätte oder einer festen Einrichtung getragen, die der Arbeitgeber im anderen Staat hat.
...

Eine Doppelbesteuerung wird nur insoweit vermieden, wie es Artikel 23 des DBA zugesteht:

Art. 23 Vermeidung der Doppelbesteuerung.

(1) Bei einer in der Russischen Föderation ansässigen Person wird die Doppelbesteuerung wie folgt vermieden: Wenn eine in der Russischen Föderation ansässige Person Einkünfte bezieht oder Vermögen besitzt, die nach den Bestimmungen des Abkommens in der Bundesrepublik Deutschland besteuert werden können, so wird der in der Bundesrepublik Deutschland auf diese Einkünfte oder dieses Vermögen gezahlte Steuerbetrag von der Steuer, die von dieser Person in der Russischen Föderation erhoben wird, abgezogen. Dieser Abzug darf jedoch den Steuerbetrag, der von diesen Einkünften oder diesem Vermögen gemäß den Gesetzen und Vorschriften der Russischen Föderation ermittelt wird, nicht übersteigen.

(2) Bei einer in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Person wird die Doppelbesteuerung wie folgt vermieden:

a) Die Einkünfte aus der Russischen Föderation sowie die dort gelegenen Vermögenswerte, die nach diesem Abkommen dort besteuert werden können, werden von der deutschen Steuer freigestellt, sofern nicht die Anrechnung nach Buchstabe b durchzuführen ist. Die Bundesrepublik Deutschland behält aber das Recht, die so freigestellten Einkünfte und Vermögenswerte bei der Festsetzung des Steuersatzes zu berücksichtigen.

Für Dividenden gilt die Freistellung nur dann, wenn diese Dividenden an eine in der Bundesrepublik Deutschland ansässige Gesellschaft von einer in der Russischen Föderation ansässigen Gesellschaft gezahlt werden, deren Kapital zu mindestens 10 vom Hundert unmittelbar der deutschen Gesellschaft gehört.

Von Steuern vom Vermögen werden Beteiligungen freigestellt, wenn deren Dividenden, falls solche gezahlt werden oder gezahlt worden wären, nach dem vorhergehenden Satz freizustellen sind oder wären.

b) Auf die von den nachstehenden aus der Russischen Föderation stammenden Einkünften und den dort gelegenen Vermögenswerten zu erhebende deutsche Einkommen-, Körperschaft- und Vermögensteuer wird unter Beachtung der Vorschriften des deutschen Steuerrechts über die Anrechnung ausländischer Steuern die russische Steuer angerechnet, die nach russischem Recht und in Übereinstimmung mit diesem Abkommen gezahlt worden ist für

aa) Dividenden, die nicht unter Buchstabe a fallen;

bb) Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsvergütungen;

cc) Einkünfte von Künstlern und Sportlern.

c) Ungeachtet der Bestimmungen des Buchstabens a werden Einkünfte im Sinne der Artikel 7 und 10 und Gewinne aus der Veräußerung des Betriebsvermögens einer Betriebsstätte sowie die diesen Gewinnen zugrundeliegenden Vermögenswerte nur dann von der deutschen Steuer ausgenommen, wenn die in der Bundesrepublik Deutschland ansässige Person nachweist, daß die Betriebsstätte in dem Wirtschaftsjahr, in dem sie den Gewinn erzielt hat, oder die in der Russischen Föderation ansässige Gesellschaft in dem Wirtschaftsjahr, für das sie die Ausschüttung vorgenommen hat, ihre Bruttoerträge ausschließlich oder fast ausschließlich aus unter § 8 Absatz 1 Nummern 1 bis 6 des deutschen Außensteuergesetzes fallenden Tätigkeiten oder aus unter § 8 Absatz 2 dieses Gesetzes fallenden Beteiligungen bezieht.

d) Verwendet eine in der Bundesrepublik Deutschland ansässige Gesellschaft Einkünfte aus der Russischen Föderation zur Ausschüttung, so schließt Buchstabe a die Herstellung der Ausschüttungsbelastung nach den Vorschriften des deutschen Steuerrechts nicht aus.

e) Ungeachtet der Bestimmungen des Buchstabens a wird die Doppelbesteuerung durch Steueranrechnung nach Buchstabe b vermieden,

aa) wenn in den Vertragsstaaten Einkünfte oder Vermögen unterschiedlichen Abkommensbestimmungen zugeordnet oder verschiedenen Personen zugerechnet werden (außer nach Artikel 9) und dieser Konflikt sich nicht durch ein Verfahren nach Artikel 25 Absatz 3 regeln läßt und wenn aufgrund dieser unterschiedlichen Zuordnung oder Zurechnung die betreffenden Einkünfte oder Vermögenswerte unbesteuert blieben oder zu niedrig besteuert würden oder

bb) wenn ein Vertragsstaat nach gehöriger Konsultation und vorbehaltlich der Beschränkungen seines innerstaatlichen Rechts dem anderen Vertragsstaat auf diplomatischem Weg andere Einkünfte notifiziert, auf die er diesen Unterabsatz anzuwenden beabsichtigt. Die Notifikation wird erst am ersten Tag des Kalenderjahrs wirksam, das auf das Jahr folgt, in dem die Notifikation übermittelt wurde und alle rechtlichen Voraussetzungen nach dem innerstaatlichen Recht des notifizierenden Staates für das Wirksamwerden der Notifikation erfüllt sind.

So würden wahrscheinlich die in Deutschland zu versteuernden Einkünfte zu versteuern sein: Die Einkünfte aus Deutschland werden auch in Dtl versteuert. Das in Russland erworbene Einkommen würde nach Art. 23 Abs. 2 a) "Die Einkünfte aus der Russischen Föderation sowie die dort gelegenen Vermögenswerte, die nach diesem Abkommen dort besteuert werden können, werden von der deutschen Steuer freigestellt, sofern nicht die Anrechnung nach Buchstabe b durchzuführen ist. " behandelt werden.
Sodass letztenendes a) anzuwenden wäre.

ANTWORT VON

(79)

Zweinaundorferstrasse 1
04318 Leipzig
Tel: 015731344210
Tel: 034197475372
Web: http://www.kanzlei-vicky-neubert.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Strafrecht, Zivilrecht, Versicherungsrecht, Verkehrsrecht, Ordnungswidrigkeiten
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 65414 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,6/5,0
Die Antwort war sehr schnell, im großen und ganzen, bis auf paar Fremdwörter, deren Bedeutung man aber schnell im Duden recherchieren konnte, ausführlich, der Sinn der Fragestellung wurde erkannt und wenn man den vereinbarten ... ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle Rückmeldung, angemessene Erklärung, sehr freundlicher Ton, Sachverhalt konnte mit der Agentur für Arbeit daraufhin geklärt werden, herzlichen Dank, sehr empfehlenswerter Anwalt ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Top Beratung! Viel Dank! ...
FRAGESTELLER