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Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung


28.04.2006 20:45 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht



Die Polizei hat nach einer innerfamiliären Auseinandersetzung Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung gegen mich eingeleitet. Eine Vorladung zur Vernehmung erhielt ich heute. Ich habe vor, mir einen Fachanwalt für Strafrecht mit besonderer Erfahrung mit dem Jugendstrafrecht zur Seite zu nehmen.

Dabei kam es zu einer heftigen Wutausbruch, dessen Auslöser das wiederholt nervenaufreibende Verhalten meines älteren Bruders war, in dessen Folge ich überreagierte und mit jeweils einem bedrohlich lang wirkenden Küchenmesser in den Händen begleitet von verbalen Morddrohungen meinen älteren Bruder durchs Elternhaus jagte, bis er in seinem Zimmer verschwand.

Auch meinen Vater belegte ich mit Morddrohungen, für den Fall, dass er sich mir in den Weg stellen würde.

Mein Vater schätzte die Situation derart ernst ein, dass er die Polizei rief und deren Ermittlungen durch seine Zustimmung zur Strafverfolgung ins Rollen brachten. Ich selbst entzog mich der direkten Konfrontation mit der Polizei dadurch, dass ich vor deren Ankunft flüchtete.

Was meinem Vater und meinem älteren Bruder während meines scheinbar unkontrollierten Wutanfalls verborgen blieb, war, dass ich zu keiner Zeit die Absicht hatte, eine Person körperlich zu verletzen oder das Leben und die Gesundheit von Menschen zu gefährden.

Was soll ich nun tun?

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Sehr geehrter Ratsuchender,

Der Umstand, dass Sie Ihren Vater mit dem Messer bedrohten, macht noch keine gefährliche Körperverletzung. Da Sie wohl aber Ihrem Vater mit dem Tode gedroht haben, dürfte sicherlich eine Bedrohung im Sinne des § 241 StGB vorgelegen haben.

Bezüglich Ihres Bruders stellt sich die Frage, inwiefern Sie ihn auf Ihrer "Jagd" tatsächlich gefährdet haben. Zu einer Verletzung kam es ja scheinbar nicht, so dass letztlich ein Versuch einer gefährlichen Körperverletzung in Frage kommt, wenn die Gefährdung entsprechen hoch war, Sie zum Beispiel nach Ihrem Bruder gestochen haben und er lediglich durch Ausweichen Schlimmeres verhindert hat. In diesem Fall könnte ein Richter zu der Ansicht gelangen, dass Ihr Vortrag, dass Sie niemanden verletzen wollten, eine Schutzbehauptung ist. Eine Bedrohung ist aus den o. g. Gründen in jedem Fall gegeben.

Die Idee, einen (Fach-)Anwalt zu Rate zu ziehen, kann ich nur befürworten. Hinsichtlich der polizeilichen Vernehmung rate ich Ihnen, zu dieser nicht zu erscheinen und sich vorab bei der Polizei diesbezüglich persönlich oder durch den Anwalt zu melden.

So, wie Sie den Sachverhalt geschildert haben, haben Sie ein erhebliches Aggressionsproblem. Ich kann Ihnen nur raten, sich unabhängig von dem strafrechtlichen Verfahren an eine Beratungsstelle zu wenden. Es wird sicherlich auch in Ihrer Nähe ein Anti-Aggressionstraining angeboten werden. Wenn Sie dieses bereits freiwillig vor einer wahrscheinlichen gerichtlichen Verhandlung freiwillig durchführen und sich noch bei Ihren Angehörigen entschuldigen, würde dieses sicherlich eine denkbare Strafe erheblich mildern. So sind diese Folgen auch im Rahmen des Urteils des Jugendrichters denkbar, wie § 10 JGG zeigt.

In erster Linie sollte es Ihnen nach meiner Auffassung nicht vorrangig um die strafrechtlichen Sanktionen gehen, sondern darum, wie Sie Ihr künftiges Leben in der Familie gestalten wollen und können. Hierüber sollten Sie detailliert mit Ihrem Anwalt reden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen zumindest eine Richtung aufzeigen.

Mit freundlichen Grüßen,

Pilgermann, Rechtsanwalt



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§ 241 StGB: Bedrohung

(1) Wer einen Menschen mit der Begehung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bedroht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer wider besseres Wissen einem Menschen vortäuscht, daß die Verwirklichung eines gegen ihn oder eine ihm nahestehende Person gerichteten Verbrechens bevorstehe.



§ 10 Weisungen

(1) Weisungen sind Gebote und Verbote, welche die Lebensführung des Jugendlichen regeln und dadurch seine Erziehung fördern und sichern sollen. Dabei dürfen an die Lebensführung des Jugendlichen keine unzumutbaren Anforderungen gestellt werden. Der Richter kann dem Jugendlichen insbesondere auferlegen,

1. Weisungen zu befolgen, die sich auf den Aufenthaltsort beziehen,

2. bei einer Familie oder in einem Heim zu wohnen,

3. eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle anzunehmen,

4. Arbeitsleistungen zu erbringen,

5. sich der Betreuung und Aufsicht einer bestimmten Person (Betreuungshelfer) zu unterstellen,

6. an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen,

7. sich zu bemühen, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen (Täter-Opfer-Ausgleich),

8. den Verkehr mit bestimmten Personen oder den Besuch von Gast- oder Vergnügungsstätten zu unterlassen oder

9. an einem Verkehrsunterricht teilzunehmen.

(2) Der Richter kann dem Jugendlichen auch mit Zustimmung des Erziehungsberechtigten und des gesetzlichen Vertreters auferlegen, sich einer heilerzieherischen Behandlung durch einen Sachverständigen oder einer Entziehungskur zu unterziehen. Hat der Jugendliche das sechzehnte Lebensjahr vollendet, so soll dies nur mit seinem Einverständnis geschehen.

Nachfrage vom Fragesteller 28.04.2006 | 21:32

Gelten Ihre Ausführungen auch für einen 20-Jährigen, der noch im Elternhaus wohnt? Und: Sehen Sie in irgendeinerweise auch den Straftatbestand der Nötigung erfüllt? Schon am nächsten Dienstag um 16:30 Uhr ist der Vernehmungstermin. Der Montag ist ein Feiertag. Wie soll ich in der kurze Zeit Kontakt zu meinem Wunschanwalt aufbauen, so dass sichergestellt ist, dass er sich noch für mich bezüglich der geplanten Vernehmung rechtzeitig bei der Polizei melden kann? Was raten Sie mir, der Polizei telefonisch selbst durchzugeben, wenn es über einen Anwalt nicht klappt?

Nachfrage vom Fragesteller 28.04.2006 | 21:51

Gelten Ihre Ausführungen auch für einen 20-Jährigen, der noch im Elternhaus wohnt? Und: Sehen Sie in irgendeinerweise auch den Straftatbestand der Nötigung erfüllt? Schon am nächsten Dienstag um 16:30 Uhr ist der Vernehmungstermin. Der Montag ist ein Feiertag. Wie soll ich in der kurze Zeit Kontakt zu meinem Wunschanwalt aufbauen, so dass sichergestellt ist, dass er sich noch für mich bezüglich der geplanten Vernehmung rechtzeitig bei der Polizei melden kann? Was raten Sie mir, der Polizei telefonisch selbst durchzugeben, wenn es über einen Anwalt nicht klappt?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.04.2006 | 22:01

Das Jugendgerichtsgesetz gilt gem. § 1 Abs. 1 JGG für Jugendliche und Heranwachsende. Bei Heranwachsenden (bis 21 Jahre) gilt es jedoch nur nach Maßgabe des § 105 JGG. Die Texte füge ich unten an.

Einschlägig dürfte hier der § 105 Abs. 1 Nr. 1 JGG sein. Der Umstand, dass Sie noch in Ihrem Elternhaus wohnen, deutet schon darauf hin, dass das Jugendstrafrecht auf Sie Anwendung finden wird. Wenn hierzu noch andere Umstände vorliegen, welche auf eine fehlende Verselbständigung hindeuten, wie zum Beispiel keine Ausbildung, kein eigenes Einkommen, etc. wird dieses noch klarer. In der Regel sind die Gerichte aber sehr großzügig mit der Anwendung des Jugendrechts, wenn man von Straßenverkehrsdelikten mit Kraftfahrzeugen absieht.

Der Straftatbestand der Nötigung ist sicherlich auch erfüllt, da Sie mit Ihrer Handlung ja ein bestimmtes Verhalten erzwingen wollten. Im Ergebnis ist es aber nicht so wichtig, da sich die Folge mehr an dem Täter als an der Tat orientiert. Das Ziel des Jugendstrafrechts ist es, erzieherisch auf den Einzelnen einzuwirken. Der Strafzweck tritt grundsätzlich zurück.

Es genügt im übrigen ein Anruf von Ihnen bei der Polizei, dass Sie zur Vernehmung nicht erscheinen werden und einen Anwalt beauftragen. Sie können dieses natürlich auch schreiben und in den Briefkasten werfen. Im jeden Fall wird dieses in der Akte vermerkt werden. Diese wird dann zur Staatsanwaltschaft geschickt, soweit die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind. Bei dieser wird Ihr Anwalt dann Akteneinsicht nehmen und nach dieser individuell mit Ihnen die weitere Vorgehensweise besprechen. Tätigen Sie zu diesem Zeitpunkt keine Aussage zu der Sache bei der Polizei!

Sollten Sie letztlich keinen Anwalt bekommen, wird dann ohne Ihre polizeiliche Vernehmung entweder eine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft oder den Richter durchgeführt oder die Hauptverhandlung eröffnet. Zu diesen Terminen müssen Sie dann erscheinen.


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§ 1 JGG Persönlicher und sachlicher Anwendungsbereich

(1) Dieses Gesetz gilt, wenn ein Jugendlicher oder ein Heranwachsender eine Verfehlung begeht, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist.

(2) Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn, Heranwachsender, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist.


§ 105 JGG Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende

(1) Begeht ein Heranwachsender eine Verfehlung, die nach den allgemeinen Vorschriften mit Strafe bedroht ist, so wendet der Richter die für einen Jugendlichen geltenden Vorschriften der §§ 4 bis 8, 9 Nr. 1, §§ 10, 11 und 13 bis 32 entsprechend an, wenn

1. die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, daß er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder

2. es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt.

(2) § 31 Abs. 2 Satz 1, Abs. 3 ist auch dann anzuwenden, wenn der Heranwachsende wegen eines Teils der Straftaten bereits rechtskräftig nach allgemeinem Strafrecht verurteilt worden ist.

(3) Das Höchstmaß der Jugendstrafe für Heranwachsende beträgt zehn Jahre.

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