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Vorsteuerabzug bei betr.genutzten Räumen im priv. EFH


| 03.07.2007 07:48 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Guten Tag,

2006 habe ich ein Einfamilienhaus gebaut und zum 01.01.2007
bezogen.

Wie muss ich vorgehen,damit ich die für die in diesem Haus
betrieblich genutzten Räume(ich bin Freiberufler)anteilig
in den Baukosten enthaltene Vorsteuer abziehen kann (die
Rechnungen sind alle aus dem Jahr 2006) und nach welchen
Kriterien (= §)erfolgt die steuerliche Abschreibung?
Sehr geehrte Rechtsratssuchende,
sehr geehrter Rechtsratssuchender,

gerne nehme ich zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit einem etwaigen Vorsteuerabzug aus den Aufwendungen bzgl. der betrieblich genutzten Räume in Ihrem privaten Einfamilienhaus Stellung und beantworte diese wie folgt:

Diesbzgl. möchte ich darauf hinweisen, dass die Finanzverwaltung, konkret in den Umsatzsteuerrichtlinien (UStR, dort Abschnitt 192 Abs. 21 Nr. 2) Ihnen wie folgt ein Wahlrecht einräumt und im Ergebnis einen Vorsteuerabzug bzgl. der unternehmerisch genutzten Gebäudeteile hinsichtlich sämtlicher anteiliger Kosten (Baukosten, Inneneinrichtung etc.) gewährt:

Abschnitt 192 Abs. 21 Nr. 2 UStR:

„Wird ein Umsatz sowohl für das Unternehmen als auch für Zwecke ausgeführt, die außerhalb des Unternehmens liegen, ist hinsichtlich des Vorsteuerabzugs wie folgt zu verfahren:

1 Bei einem einheitlichen Gegenstand hat der Unternehmer ein Wahlrecht. 2 Er kann z. B. einerseits ein Gebäude mit dem dazugehörenden Grund und Boden insgesamt dem nichtunternehmerischen Bereich zuordnen, auch wenn das Gebäude teilweise unternehmerisch genutzt wird. 3 Andererseits kann er ein Gebäude auch insgesamt seinem Unternehmen zuordnen, wenn die unternehmerische Nutzung mindestens 10 % beträgt (§ 15 Abs. 1 Satz 2 UStG). 4 Nach dem EuGH-Urteil vom 4. 10. 1995 — BStBl II 1996 S. 392 — kann der Unternehmer einen nichtunternehmerisch (privat) genutzten Gebäudeteil (z. B. eine eigengenutzte Wohnung) auch von vornherein ganz oder teilweise seinem nichtunternehmerischen Bereich zuordnen. 5 Die Zuordnung eines Gegenstands zum Unternehmen erfordert eine durch Beweisanzeichen gestützte Zuordnungsentscheidung des Unternehmers bei Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Gegenstands. 6 Die Geltendmachung des Vorsteuerabzugs ist regelmäßig ein gewichtiges Indiz für, die Unterlassung des Vorsteuerabzugs ein ebenso gewichtiges Indiz gegen die Zuordnung eines Gegenstands zum Unternehmen. 7 Ist ein Vorsteuerabzug nicht möglich, müssen andere Beweisanzeichen herangezogen werden (BFH-Urteil vom 31. 1. 2002 — BStBl II 2003 S. 813). 8 Gibt es keine Beweisanzeichen für eine Zuordnung zum Unternehmen, kann diese nicht unterstellt werden (BFH-Urteil vom 28. 2. 2002 — BStBl II 2003 S. 815).

b)
1 Ist bei der Anschaffung oder Herstellung eines Gebäudes ein Vorsteuerabzug nicht möglich, muss der Unternehmer gegenüber dem Finanzamt durch eine schriftliche Erklärung spätestens bis zur Abgabe der Umsatzsteuererklärung des Jahres, in dem die jeweilige Leistung bezogen worden ist, dokumentieren, in welchem Umfang er das Gebäude dem Unternehmen zugeordnet hat. 2 Entsprechendes gilt, wenn ein Vorsteuerabzug nur teilweise möglich ist und sich aus dem Umfang des geltend gemachten Vorsteuerabzugs nicht ergibt, mit welchem Anteil das Gebäude dem Unternehmen zugeordnet wurde. 3 Im Fall der Zuordnung des nichtunternehmerisch genutzten Teils zum nichtunternehmerischen Bereich wird der nichtunternehmerisch genutzte Teil als separater Gegenstand angesehen, der nicht “für das Unternehmen” im Sinne des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG bezogen wird. 4 Somit entfällt der Vorsteuerabzug aus den Kosten, die auf diesen Gegenstand entfallen. 5 Wird dieser Gegenstand später unternehmerisch genutzt (z. B. durch Umwandlung von Wohnräumen in Büroräume), ist eine Vorsteuerberichtigung zugunsten des Unternehmers nach § 15 a UStG nicht zulässig (vgl. Abschnitt 214 Abs. 7). 6 Bei einer späteren Veräußerung des bebauten Grundstücks kann der Unternehmer unter den Voraussetzungen des § 9 UStG lediglich auf die Steuerbefreiung des § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG für die Lieferung des zu diesem Zeitpunkt unternehmerisch genutzten Teils verzichten. 7 Die Lieferung des zu diesem Zeitpunkt nichtunternehmerisch genutzten Teils erfolgt nicht im Rahmen des Unternehmens und ist somit nicht steuerbar. 8 Ein Gesamtkaufpreis ist entsprechend aufzuteilen.“

Damit Ihnen somit für den unternehmerisch genutzten Gebäudeteil der Vorsteuerabzug gewährt wird, müssen Sie gem. Abschnitt 192 Abs. 21 Nr. 2 Satz 5 und 6 UStR lediglich darauf achten, dass Sie spätestens in der Umsatzsteuerjahreserklärung 2006 den anteiligen Vorsteuerabzug aus den Baukosten etc. für den unternehmerisch genutzten Gebäudeteil geltend machen.

Ich hoffe, Ihnen mit meinen Anmerkungen weitergeholfen zu haben, wünsche Ihnen viel Erfolg und stehe Ihnen für etwaige Rückfragen und weitere Auskünfte gerne zur Verfügung.

Für das mir entgegengebrachte Vertrauen darf ich mich bei Ihnen bedanken und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Andrea Fey
Rechtsanwältin und Notarin
Fachanwältin für Steuerrecht

Nachfrage vom Fragesteller 03.07.2007 | 17:58

Gibt es also keine Möglichkeit, mehr die anteiligen Baukosten hinsichtlich der Vorsteuer zu erklären,wenn in der Umsatzsteuererklärung 2006 die Geltendmachung dieser Kosten ver-
gessen wurde?

Der Umsatzsteuerbescheid 2006 ist lediglich vorläufig.Bei einer Steuerprüfung können sich doch auch neue Sachverhalte zugunsten des Steuerzahlers ergeben,wenn z.B. tatsächliche Kosten noch nicht erklärt wurden.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.07.2007 | 01:51

Sehr geehrte Rechtsratssuchende,
sehr geehrter Rechtsratssuchender,

bzgl. der neuen Sachverhalte, die sich zugunsten des Steuerpflichtigen auswirken können, gibt es leider einige Einschränkungen, wie Sie dem nachfolgend zitierten § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO entnehmen können:

"Steuerbescheide sind aufzuheben oder zu ändern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachträglich bekanntwerden, die zu einer niedrigeren Steuer führen und (!) den Steuerpflichtigen kein grobes Verschulden daran trifft, dass die Tatsachen oder Beweismittel erst nachträglich bekannt werden."

Das FA wird in dem nicht sofort in der ursprünglichen USt-Erklärung 2006 erfolgten Geltendmachung des Vorsteuerabzugs ein grobes Verschulden Ihrerseits sehen und Ihnen zumindest eine Änderung nach § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO verwehren.

Sofern aber der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig sein sollte, Ihnen also noch nicht länger als 1 Monat vorliegen sollte, können Sie im Einspruchsverfahren noch eine Änderung des Steuerbescheids und damit die Anerkennung des Vorsteuerabzugs bewirken.

Sollte auch dies wegen Zeitablaufs nicht mehr möglich sein, empfehle ich Ihnen, einen Antrag auf sog. "schlichte Änderung" beim FA einzureichen und in der Begründung auf Abschnitt 192 Abs. 21 Nr. 2 UStR hinzuweisen, wonach ein Vorsteuerabzug in der Steuererklärung 2006 lediglich indizielle Wirkung hat. Es wäre Ihnen daher bei Glaubhaftmachung weiterer Umstände durchaus noch möglich, den Vorsteuerabzug zu erlangen, wenn nicht der USt-Bescheid 2006 bereits bestandskräftig wäre. Da aber Bestandskraft aller Wahrscheinlichkeit nach bereits eingetreten ist, denn der Vorläufigkeitsvermerk ändert grds. nichts am Eintritt der Bestandskraft des Steuerbescheids, bleibt Ihnen sodann nur noch der Antrag auf schlichte Änderung, da ein Einspruch nicht mehr fristgerecht erfolgen würde.

Selbstverständlich wäre ich auch gerne bereit, Ihre Interessen gegenüber dem Finanzamt zu vertreten. Sofern Sie dies wünschen, bitte ich um kurze Mitteilung an ra-fey@web.de
Ich würde sodann auf Sie zukommen und Ihnen mitteilen, welche weiteren Informationen und Unterlagen ich noch benötige.

Ich hoffe, Ihre Rückfrage hiermit beantwortet zu haben, wünsche Ihnen viel Erfolg und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Andrea Fey
Rechtsanwältin und Notarin
Fachanwältin für Steuerrecht

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