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Vorladung Ladendiebstahl, womöglich besonders schwerer Fall des Diebstahls

29.09.2019 13:07 |
Preis: 47,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Diplom Kaufmann Peter Fricke


Guten Tag,

Vor drei Monaten wurde ich beim Ladendiebstahl bei einer großen Kaufhauskette erwischt (Wert ca. 300€), ich habe dort schon öfter etwas mitgehen lassen, wurde aber bis jetzt noch nicht erwischt.
Ich bin dann mit dem Kaufhausdetektiv mit und habe 100€ Fangprämie gezahlt und ein Blatt unterschrieben, auf dem stand, dass ich zugebe, versucht die Sachen geklaut zu haben und ein einjähriges Hausverbot anerkenne.
Bei den Sachen, die ich stehlen wollte, handelt es sich um Kleidung, die gesichert war, ich hatte die Sicherung mit einem aus dem Internet bestellten Werkzeug entfernt, welches der Detektiv dann konfisziert hat. Allerdings war diese Tatsache nicht auf dem Zettel aufgeführt, den ich unterschrieben habe.
Jetzt habe ich aber zwei Vorladungen wegen einer Straftat zur Vernehmung als beschuldigte Person von der Polizei erhalten, eine für das Datum von vor drei Monaten, an dem ich erwischt wurde, und eine für einen Ladendiebstahl, den ich dort im März begangen haben soll. Leider kann ich mich nicht mehr an diesen Tag erinnern, es kann aber sehr gut sein, dass ich an diesem Tag dort etwas gestohlen habe und sie es auf Überwachungsvideo haben. Gelte ich dann schon als Wiederholungstäter? Ich bin sonst nicht vorbestraft oder mit dem Gesetz in Kontakt gekommen.

Ich weiß durch ein wenig Recherche, dass dadurch, dass die Ware ja gesichert war, es sich um einen § 243 besonders schweren Fall des Diebstahls handeln müsste, aber in beiden Vorladungen steht "in der Ermittlungssache wegen Diebstahl in/aus Verkaufsraum, Warenhaus, Kiosk oder Schaufenster gemäß § 242 StGB", heißt das nun, dass diese Tatsache irgendwie außen vor gelassen wurde? Welche Strafe wird mich voraussichtlich erwarten, werde ich womöglich ins Gefängnis müssen? Sollte ich zu der Vorladung gehen? Sollte ich mir einen Anwalt nehmen? Wenn ja, welche Kosten kommen auf mich zu?
Noch zu mir, ich bin 21 Jahre alt, Studentin, kriege kein Bafög, da ich von meinen Eltern unterstützt werde und habe einen 450€-Job.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort



Sehr geehrte Ratsuchende,

im Ergebnis vorweg gegriffen: Sie haben zweifach einen Diebstahl in einem besonders schweren Fall begangen, der nach § 243 StGB mit Freiheitsstrafe belegt ist. Diese würde bei Ihnen auf jeden Fall zur Bewährung ausgesetzt werden, da Sie noch nicht vorbestraft sind. Eine Freiheitsstrafe ist insoweit in ihrem Vollzug bei Ihnen definitiv ausgeschlossen.

Wenn die Sachen geringwertig sind, was ich nicht einschätzen kann, wäre sogar der besonders schwere Fall ausgeschlossen, so daß nur eine Geldstrafe in Betracht käme. Das wären bei 2 Taten ca. 50 Tagessätze zu 15 bis 20 Euro bei Ihnen, also ca. 700 Euro bis 1000 Euro Geldstrafe.

Dass das Verfahren nach § 153 StPO eingestellt wird wie bei anderen Ersttätern auch, halte ich hier für unwahrscheinlich, weil wohl offenkundig hier bekannt ist, daß Sie bereits zweimal die gleiche Straftat begangen haben.

Die Polizei scheint von der einfachen Begehung einer Straftat ohne "Werkzeug" auszugehen, so daß ich mich erst einmal nicht einlassen würde. Dann scheint ungewiss, wie die Beweislage der weiteren Tat ist, so daß Sie sich auch hier nicht einlassen sollten.

Übrigens, soweit bei der Tat aus dem März auch nur eine geringwertige Sache gestohlen worden sein sollte, könnte hier die Tat bereits nach § 248 a StGB verjährt sein. Der Strafantrag muss binnen 3 Monaten gestellt worden sein, wobei es aber auch auf die Kenntnis der Tatumstände / des Täters ankommen kann.

Ich würde hier zunächst schweigen und zur Vorladung so oder so nicht gehen, da Sie damit Ihre späteren Ansätze der Verteidigung nur noch verschlechtern könnten. Eigentlich müssten Sie dringend einen Strafverteidiger konsultieren, mit welchem Sie immer bessere Chancen haben als wenn Sie die Sache alleine betreiben.

Bei diesem würden je nach Verfahrensverlauf Kosten anfallen, die mindestens 500 Euro ausmachen würden und bis zu 1000 Euro reichen könnten. Das hängt u.a. davon ab, ob hier spätere ein Hauptverhandlung stattfindet, oder das Verfahren nicht vielleicht doch eingestellt wird.

Einen Pflichtverteidiger werden Sie hier wegen der Einfachheit der Sach- und Rechtslage nicht bekommen, so daß Sie diesen Anwalt selber bezahlen müssten. Bei Ihren Einkommensverhältnissen werden Sie einen solchen aber kaum bezahlen können, so daß Sie dieses Problem irgendwie lösen sollten.

Möglicher Weise findet sich ein Rechtsanwalt, der auf Honorarvereinbarung für Sie tätig wird und pauschal einen Preis mit Ihnen vereinbart, der moderat ist und später nicht mehr überschritten werden würd. Unter bestimmten Umständen kann hier die Vorgabe des RVG über den minimalen Ansatz der Rahmengebühren im Vorfeld verlässlich gestaltet werden.

Zusammengefasst: Die Sache wird Sie nur Geld kosten, mit oder ohne Anwalt. Die Einstellungsoption mit einem Anwalt ist gering, eine Verurteilung in der Sache relativ wahrscheinlich. Ob Sie für eine oder zwei Taten angeklagt werden und die Anklage auf normalen Diebstahl nach § 242 StGB oder einen solchen in einem besonders schweren Fall lauten wird ( § 243 StGB ), bleibt abzuwarten. Dazu müsste ein Rechtsanwalt die Akten anfordern und einsehen und dann erst prüfen, wie Sie am besten aus dieser Sache wieder "herauskommen".

Bei Rückfragen stehe ich verlässlich heute noch zur Verfügung.

MFG
Fricke
Strafverteidiger

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