Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Voraussetzung, um in Paraguay steuerpflichtig zu werden

28.02.2022 07:41 |
Preis: 67,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


In fast allen Ländern ist es so, dass ein Mindestaufenthalt von 183 Tagen notwendig ist, um eine steuerliche Ansässigkeitsbescheinigung zu erhalten.
Nun habe ich gelesen, dass es in Paraguay nicht der Fall sei, sondern nur die Daueraufenthaltsgenemigung (Cedula) und die Anmeldung beim Finanzamt notwendig sei, um dort mit seinem Welteinkommen steuerpflichtig zu sein. Um diese Cedula zu beantragen und zu behalten, müsse man nur ein mal alle 3 Jahre einreisen.

"Unlike other countries, the Paraguayan permanent residence visa has a unique advantage: it does not requires the continuity of physical presence in the country. The foreign resident may continue to travel or live elsewhere without losing the resident status – and, in many cases, without losing the tax resident status as well. This feature of the Paraguayan system makes permanent residence visas especially attractive to modern entrepreneurs without a fixed base, the so-called digital nomads."

Quelle: https://paraguaysolutions.com/en/tax-residency/

Das Augenmerk liegt auf "and, in many cases, without losing the tax resident status as well."

Allerdings verstehe ich dann diesen Satz hier nicht:
"Only with possession of the permanent residence visa may the individual legally reside in the country for a period of more than 183 days, which is a sufficient condition to become a tax resident."

Ist dies nun tatsächlich so, oder muss man zwingend 183 Tage dort sein, um steuerlich ansässig zu sein?
Denn die einzigen Länder die mir bekannt waren, die weniger als 183 Tage erfordern, sind Zypern (60) und die Schweiz (90).
Ich könnte mir vorstellen, dass es so ist, dass man 183 Tage dort sein muss, um die steuerliche Ansässigkeitsbescheinigung zu erhalten, ab dann aber keine Pflicht mehr hat (nur noch ein mal alle 3 Jahre).

Einsatz editiert am 01.03.2022 12:02:32

Einsatz editiert am 02.03.2022 10:58:59

Einsatz editiert am 03.03.2022 17:05:54

03.03.2022 | 19:07

Antwort

von


(627)
Charlottenstr. 14
52070 Aachen
Tel: 0241 - 53809948
Web: http://www.rechtsanwalt-andreaswehle.de
E-Mail:
Diesen Anwalt zum Festpreis auswählen Zum Festpreis auswählen

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich versuche einmal Ihre Fragen zu beantworten. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die eigentliche Frage der Steuerbarkeit in Paraguay hier von mir unbeantwortet bleiben muss, da mir paraguayisches Steuerrecht unbekannt ist und auch nicht recherchiert werden konnte.
Der richtige Ansprechpartner ist hier die Botschaft von Paraguay oder ein paraguayischer Rechtsanwalt oder Steuerberater. Nur dieser kann Ihnen rechtssicher darauf antworten, wann sie der Steuerpflicht in Paraguay unterliegen.

Jedoch haben Sie teilweise Recht in Ihrer Annahme, dass die Steuerpflicht und damit die Steuerbarkeit oft an den Aufenthalt oder Wohnsitz in einem Land gebunden ist.
Ich spreche hier absichtlich noch nicht von der Ansässigkeit, sondern von Wohnsitz und Aufenthalt, da dies zumindest in Deutschland die beiden wesentlichen Merkmale für die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland sind.
Ab dem ersten Tag des Innehabens einer Wohnung sind Sie so in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.
Für weitere Informationen möchte ich hier auf den Online-Kommentar zu § 8 Abgabenordnung verweisen.
https://www.haufe.de/steuern/haufe-steuer-office-excellence/schwarzpahlke-ao-8-wohnsitz_idesk_PI25844_HI894114.html

So jemand in Deutschland keinen Wohnsitz inne hat und nur in Hotels oder unter der Brücke in A (Deutschland) lebt, wäre hier ggf. ein gewöhnlicher Aufenthalt gemäß § 9 AO zu prüfen, dessen Vorliegen ebenfalls zu einer unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland nach § 1 EStG führt.

Erster Ausfluss in Deutschland der unbeschränkten Steuerpflicht ist, dass der Steuerpflichtige sein gesamtes Welteinkommen in Deutschland zu erklären hat. So darunter Einkünfte sind mit einem Auslandsbezug oder der Steuerpflichtige eine weitere steuerpflichtbegründende Wohnung/Aufenthalt/usw. im Ausland hat, ist hier zu prüfen, ob ein entsprechendes Doppelbesteuerungsabkommen mit dem jeweiligen Staat und Deutschland vereinbart worden ist.
Das ist nicht immer der Fall. So wurde das DBA mit den VAE auf Hinwirken von Deutschland nicht weiter verlängert, so dass dieses mit dem 31.12.2021 endete.

Nun soll es bei Ihnen aber Paraguay sein.
Das BMF liefert nicht allzu viel, nur zu Einkommen aus dem Betrieb von Luftverkehrsdiensten existiert hier ein Abkommen.
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Paraguay/1984-06-20-Paraguay-Abkommen-Luftfahrt.html

Nun wie kommen wir zu Ihrer Idee mit der berühmten 183-Tage-Regelung?
In dem OECD DBA Musterabkommen
https://www.uni-saarland.de/fileadmin/user_upload/Professoren/fr11_ProfGroepl/lehre___nur_Pdfs_/lehre19/OECD-MA-2017.pdf

In Art. 4 wird hier die Frage der Ansässigkeit definiert. Dies ist oft für die Frage des Besteuerungsrechts notwendig, da mittels eines DBA geklärt werden soll, ob dem Tätigkeitsstaat oder aber Ansässigkeitsstaat das Besteuerungsrecht für die einzelne konkrete Einkunft zusteht oder nicht.

Mit Paraguay besteht insoweit jedoch kein DBA, so dass es hier zu einer realen Doppelbesteuerung kommen kann.
Nun wollen Sie sicherlich nicht nach Paraguay auswandern(ansässig sein), um in zwei Staaten Einkommensteuer zahlen zu dürfen, sondern vielmehr um ggf. einer hiesigen Steuer zu entgehen.
Das wird schwierig bis unmöglich, soweit Sie in Deutschland Einkünfte erhalten. Ich möchte hierzu auf § 49 EStG hinweisen.
Denn OHNE Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland unterliegen die dort genannten Einkünfte in Deutschland der beschränkten Steuerpflicht. Der Nachteil der beschränkten Steuerpflicht ist der Wegfall sämtlicher Pauschalen und Vergünstigen, die ein unbeschränkt Steuerpflichtiger automatisch für sich beanspruchen kann (Steuerfreibeträge, Werbungskosten etc.).

So Sie über keine im o.g. Sinne steuerbaren Einkünfte in Deutschland verfügen, steht es Ihnen frei sich beispielsweise 5 Monate in Paraguay aufzuhalten, weitere 3 Monate auf den Philippinen wieder 3 Monate in Thailand und jeweils dort Ihr Einkommen zu generieren ggf. ohne dort jemals zu einer Einkommensteuer herangezogen zu werden. Von den beiden letztgenannten Staaten ist es mir persönlich bekannt, dass man dort nur als Residential der Besteuerung von Einkünften aus dem Inland unterzogen wird.
Laut der Seite https://staatenlos.ch/geld-ins-ausland-schaffen/paraguay-alternativen/#:~:text=Wie%20%C3%BCblich%20in%20anderen%20territorial,beschr%C3%A4nkte%20Steuerpflicht%20der%2010%25%20abgegolten. Ist dies wohl ähnlich in Paraguay.

Sie sollte hier mit Ihrem konkreten Plan und Angaben prüfen lassen, ob sich dieser in die Tat umsetzen lässt, ohne sich einer Steuerhinterziehung in D strafbar zu machen.
Achten Sie auch darauf, dass Sie in Deutschland alle Steuerangelegenheiten beendet haben und hier das FA nicht einen Schätzungsbescheid erlässt, der u.U. dann mangels einer zustellfähigen Adresse von Ihnen öffentlich zugestellt wird.
Mir sind schon Mandanten über den Weg gelaufen, die mit geschätzten Steuerschulden in Höhe von 500.000 Euro aufgrund des Einzugs des Reisepasses (und damit des Erlöschens sämtlicher Visa) nach Deutschland ausgewiesen wurden und in Frankfurt die Handschellen angelegt bekommen haben.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen


Rechtsanwalt Andreas Wehle

Rückfrage vom Fragesteller 04.03.2022 | 15:33

Sehr geehrter Herr Wehle,

vielen Dank für de Antwort.
Ich habe keinerlei Einkommen aus Deutschland, bin aber interessiert daran, einige Monate im Jahr in Deutschland zu sein, allerdings nicht in Paraguay.
Liege ich richtig in der Annahme, dass mich insofern eine Steueransässigkeit in Paraguay, selbst wenn ich dafür keine 183 Tage dort sein muss, in keiner Weise vor einer Steuerpflicht in Deutschlad schützt, falls mir hier zu Last gelegt werden sollte, dass ich zu lange hier bin (natürlich dennoch keine 183 Tage), und es aufs selbe herauskommen würde, wenn ich nirgendwo steuerpflichtig bin (als digitaler Nomade), und ich es mir somit in jedem Fall sparen könnte, da digitales Nomadentum auch nicht mehr Risiken hat oder ich andererseits durch eine Steuerpflicht in einem DBA-Land Sicherheiten genieße, und sich somit Paraguay in meinem Fall in keiner Hinsicht lohnt?



"Achten Sie auch darauf, dass Sie in Deutschland alle Steuerangelegenheiten beendet haben..."

Dies sollte mit der Abgabe der letzten Steuererklärung, der Abmeldung meines Gewerbes und der Stoppung aller Einkünfte aus Deutschland getan sein, liege ich da richtig, oder sprechen Sie von anderen bzw. weiteren Gefahren?
Sind denn auch Einkünfte in Deutschland beschränkt steuerpflichtig, wenn ich mich zeitweise hier aufhalte und rein digitale Arbeit erledige, die ich von überall aus mache, wo ich gerade bin?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 06.03.2022 | 19:00

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Nachfragen aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Liege ich richtig in der Annahme, dass mich insofern eine Steueransässigkeit in Paraguay, selbst wenn ich dafür keine 183 Tage dort sein muss, in keiner Weise vor einer Steuerpflicht in Deutschlad schützt,…

Richtig, sobald Sie eine Wohnung im Sinne von § 8 AO haben, sind Sie in der unbeschränkten Steuerpflicht, völlig unabhängig wie lange Sie in Deutschland verweilen.
Und für eine Wohnung genügt schon ein Gästezimmer oder gar nur eine Schlafstatt bei Freunden/Familie, zu dem Sie ungehinderten Zugang haben.
Hier geht es nicht darum, dass Sie sonst nirgends sonst Steuern zahlen, sondern vielmehr je nach Einkommensart (§ 2 EStG), ob diese in Deutschland besteuert werden können.
Ggf. sind Sie als digitaler Nomade als Selbständiger einzuordnen, so dass Ihre diesbezüglichen Einkünfte währen Ihres Aufenthaltes in Deutschland auch in Deutschland zu besteuern (beschränkt oder unbeschränkt) sind, so diese nicht einer im Ausland belegenen Betriebsstätte zuzuordnen sind.

Aufgrund des Fehlens eines DBA mit Paraguay lohnt sich diese Überlegung nicht.


Nein genau darauf stellt mein Hinweis ab.
Unter Umständen sind Ihre Einkünfte aus der Arbeit hier in Deutschland dann tatsächlich beschränkte Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit.
Müsste man aber genau prüfen, wann und unter welchen Umständen dies der Fall ist.

Ich hoffe Ihre Fragen beantwortet zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

ANTWORT VON

(627)

Charlottenstr. 14
52070 Aachen
Tel: 0241 - 53809948
Web: http://www.rechtsanwalt-andreaswehle.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Erbrecht, Arbeitsrecht, Zivilrecht
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 95667 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
4,8/5,0
die Antwort war klar und verständlich und hilfreich - danke ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Sehr schnelle, freundliche Antwort, umfassend und lebensnah zu einer präzisen und einfachen rechtlichen Frage. Empfehlenswert. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnelle und erschöpfende Antwort auf eine einfache Frage. Vielen Dank! ...
FRAGESTELLER