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Vom Fahrrad angefahren - Ansprüche

08.09.2004 15:01 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann


Meine Frau wurde auf einem Geh- und Radweg von einer 12-jährigen Fahrerin aufgrund von Unaufmerksamkeit von hinten angefahren.
Folge: diverse Prellungen und Blutergüsse, Schmerzen, verschmutzte Kleidung, Kosten für Arzt und Medikamente, Fahrkosten.
Die Eltern des Mädchens haben eine Haftpflichtversicherung.
Der Unfall fand am Urlaubsort am 2. Tag statt. Der Urlaubsaufenthalt wurde von uns aufgrund des beeinträchtigten Erholungseffektes (mehr als eine Woche Schmerzen und Behinderungen in der Beweglichkeit) von 2 auf 3 Wochen verlängert.
Meine Fragen:
Haben wir Anspruch auf eine Vergütung der Kosten für die Urlaubsverlängerung?
Hat meine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, und in welcher Höhe?

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Sehr geehrter Rechtssuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Zunächst wünsche ich Ihrer Frau gute Besserung. Ihre Fragen kann ich wie folgt beantworten:

Die Kosten für die Verlängerung des Urlaubs dürften nicht als Vermögensschaden ersatzfähig sein.

Ihren Ausführungen entnehme ich, daß Sie noch eine weitere Woche Urlaub an die ursprünglich geplanten 2 Wochen angehangen haben, weil aufgrund des Unfalls eine Woche nicht zur Erholung genutzt werden konnte. In den Fällen, in denen wegen einer Körperverletzung der Urlaub nicht angetreten werden konnte und die Urlaubszeit also quasi nutzlos vertan wurde, hat die Rechtsprechung einen Anspruch auf Schadensersatz wegen eines Vermögensschadens abgelehnt.

Der BGH versteht den Urlaubsschaden auch als Nichtvermögensschaden, mit der Folge, daß lediglich die Kosten für die entgangene Urlaubsfreude bei der Höhe des Schmerzensgeldes für berücksichtigungsfähig gehalten wurde (BGHZ 86, 212 mwN).

Ein solcher Schmerzensgeldanspruch sollte Ihrer Frau allerdings zustehen. Er ergibt sich aus § 253 Abs. 2 BGB und richtet sich zunächst gegen das schadensverursachende Kind. Dieses ist gem. § 828 BGB verschuldensfähig. Unter Umständen kommt auch eine Haftung der Eltern wegen Verletzung der Aufsichtspflicht gem. § 832 BGB in Betracht. Allerdings dürfte bei einem 12-jährigen Kind davon auszugehen sein, daß dieses genug altersgemäße Reife und Einsicht zeigt, so daß die Eltern das Kind nicht regelmäßig beim Fahrradfahren beaufsichtigen müssen. Etwas anderes kann aber dann gelten, wenn das Kind schon mehrfach durch unachtsames Fahren Unfälle provoziert hat.

Der Umfang des Schmerzensgeldanspruches ist von vielen Faktoren abhängig. Er richtet sich nach der Schwere der Verletzungen und des dadurch ausgelösten Ausmaßes an Leiden. Das betrifft die Art, die Dauer und die Schwere des Leidens. Außerdem ist noch die Wahrnehmungsmöglichkeit des Verletzten und der Umfang der durch die Verletzung entstandenen Einschränkung der Bewegungsfreiheit ins Kalkül zu ziehen. Bei Ihnen wäre dann auch noch die entgangene Urlaubsfreude Ihrer Frau zu berücksichtigen, was natürlich davon abhängt, wo der Urlaub stattfand und inwieweit der Urlaub durch die Verletzungen beeinträchtigt wurde. Bei Bemessung des Schmerzensgeldes kann nach der Rechtsprechung auch das Verschulden des Verletzters sowie seine Vermögensverhältnisse eine Rolle spielen.

Es wäre unseriös, Ihnen ohne genaue Kenntnis der oben genannten näheren Details einen Schmerzensgeldanspruch pauschal zu benennen. Ich rate Ihnen deshalb dazu, einen Rechtsanwalt mit der konkreten Ermittlung und Geltendmachung des Schmerzensgeldanspruches zu betrauen. Die dafür entstehenden Kosten sollten Sie nicht scheuen: Anwaltskosten im Zivilverfahren aus Anlaß eines Verkehrsunfalles stellen ebenfalls einen ersatzfähigen Schaden dar, für den die Gegenseite in der Regel aufkommen muß (BGH ZIP 86, 986 mwN).

Ich hoffe, daß ich Ihnen mit dieser Auskunft helfen konnte.
Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

A. Schwartmann
Rechtsanwalt


--
Rechtsanwalt Andreas Schwartmann
Schwerinstr. 37-39, 50733 Köln
Tel.: 0221-7787630 / Fax: 0221-7787629
www.rechtsanwalt.andreas-schwartmann.de


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