Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.084
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Verzicht auf Pflichteilsansprüche


| 18.10.2006 13:43 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Guido Matthes



Sehr geehrte Damen und Herren,
vor knapp 3 Monaten verstarb mein Vater. Sein Testament verfügte, dass seine zweite Ehefrau (nicht meine Mutter, bereits verstorben) alleinige und befreite Vorerbin wird. Das Barvermögen betrug bis zu seinem Tode 105.000,- €. Wir Kinder sind Nacherben und sollten erst nach ihrem Tod oder bei Wiederverheiratung erben. Meine Stiefmutter ist erst Ende 50 und hat demnach noch eine gute Lebenserwartung. Sie ist mit einer Rente und Pachteinnahmen gut abgesichtert. Wieviel Geld sie in den Jahren, in denen mein Vater schwer krank war, für sich beiseite gelegt hat kann ich nicht sagen. Da wir doch sehr enttäuscht waren, möchte sie nun freiwillig an jeden 10.000,- € zahlen. Doch dafür sollen wir auf jeglichen Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsanspruch verzichten und meine Stiefmutter zur Vollerbin erklären. Welche Konsequenzen hat das für mich? Ist es sinnvoll das Geld zu nehmen oder darauf hoffen, dass es irgendwann mal etwas zu erben gibt? Muß sie das Erbe für uns verwalten? Warum besteht sie so auf diese Vereinbarung? Bitte erklären Sie mir die Bedeutung und Tragweite dieser Angelegenheit.
Mit freundlichen Grüßen

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre Fragen beantworte ich nach Ihren Angaben wie folgt:

Der Nacherbe ist die vom Erblasser eingesetzte Person, die erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist. Die Nacherbeschaft begründet für den Nacherben ein Anwartschaftsrecht, auf das der Nacherbe zugunsten des Vorerben verzichten kann.

Hierauf zielt Ihre Stiefmutter ab. Der Verzicht hätte zur Folge, dass Sie beim späteren Tod der Stiefmutter nicht mehr erben würden, sofern die Stiefmutter Sie nicht durch eine letztwillige Verfügung bedenkt. Ob dies erfolgen soll, kann die Stiefmutter dann frei entscheiden. Die Hoffnung, in diesem Fall etwas zu erben, sollten Sie vom Verhältnis zur Stiefmutter abhängig machen.

Der gleichzeitige Verzicht auf Pflichtteils und Pflichtteilsergänzungsansprüche würde bedeuten, dass Sie aus dem Erbfall des Vaters außer der Abfindung keine weiteren Ansprüche herleiten können.

Eine Verwaltungspflicht des befreiten Vorerben besteht nur in dem Umfang, in dem der Erblasser ihn nicht befreit hat. Hierzu wäre das Testament auszulegen. In § 2136 BGB sind die gesetzlichen Beschränkungen und Verpflichtungen aufgeführt, von denen der Erblasser den Vorerben befreien kann. Eine Befreiung von der Verwaltung des Nachlasses ist möglich.

Der Vorschlag Ihrer Stiefmutter "riecht danach", dass Sie günstig auf Dauer abgefunden werden sollen. Die Stiefmutter hätte dann mit der Zahlung von 10.000,- € für Vergangenheit und Zukunft Ruhe.

Ich empfehle Ihnen, die ganze Angelegenheit, möglichst zusammen mit den anderen Erben, unter Vorlage sämtlicher Unterlagen durch einen Anwalt überprüfen zu lassen und das Angebot keinesfalls überstürzt anzunehmen. Erst dann kann die Angemessenheit der Zahlung unter Berücksichtigung der Familienverhältnisse, der aktuellen Ansprüche und des zukünftigen Risikos bewertet werden. Dies ist hier nicht abschliessend möglich.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Matthes
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 19.10.2006 | 14:23

Guten Tag, vielen Dank für die prompte Antwort.
Im Testament steht im Original ""von den gesetzlichen Beschränkungen befreite Vorerbin". Heißt das, sie kann tuen und lassen mit dem Geld was sie will ? Angenommen, ich verzichte jetzt auf das Geld in dem ich auf mein Erbe warte,woher weiß ich ob dann noch etwas da ist? Sie kann doch jederzeit ein eigenes Testament machen und zum Beispiel ihre Nichte reinsetzen. Wer sagt dann, welches Geld das ist? Kann meine Stiefmutter jetzt alle Konten auf ihren Namen ändern und verteilen wohin sie will? Habe ich irgendwie Anspruch auf Konteneinsicht? Desweiteren bezieht sie eine monatliche Pacht die mit Nießbrauch gekoppelt ist. Kann das auch vererbt werden? Im Grunde bin ich soweit, das Geld zu nehmen um Ruhe zu haben. Aber es stört mich der Gedanke, dass das Geld meines Vaters irgendwie dann doch in die Kanäle ihrer Familie gehen könnte. Als Nacherbe könnte ich doch auch absolut leer ausgehen, oder? Wenn ich das alles richtig deute, empfinde ich es auch als billige Abfindung. Warum verlangt sie sonst den Verzicht auf Pflichteilsanspruch. Sie könnte mit gutem Willen das Geld auch so zahlen und uns als Nacherben stehen lassen. Danke schonmal für Ihre kompetente Antwort.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 19.10.2006 | 21:45

Ihre Stiefmutter kann über das Vorerbe frei verfügen, allerdings keinen anderen Erben einsetzen. Wenn Sie den Nachlass aber vollständig ausgibt oder veräußert, kann es vorkommen, dass vom Nacherbe nichts übrig bleibt. Dies hätte nur durch eine andere Testamentsgestaltung verhindert werden können.

Einsichtsrechte in die Konten haben Sie leider nicht. Der Bezug einer monatlichen Pacht spricht ergänzend dafür, dass die Abfindung gering erscheint.

Ich wiederhole meine Empfehlung, einen Anwalt aufzusuchen. Möglicherweise können Sie durch die Geltendmachung Ihrer Pflichtteilsansprüche mehr als die angebotenen 10.000,- € "rausschlagen".

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Schnelle und kompetente Antworten. Vielen Dank. "
FRAGESTELLER 5/5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER