Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
479.578
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Verwendung von Video in der Erziehungsberatung


| 15.08.2007 21:36 |
Preis: ***,00 € |

Medienrecht



Ich verwende in meiner Arbeit als Dipl.Sozialpädagoge oftmals die Videokamera, um z.B. die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern aufzuzeichnen. Anschließend analysiere ich die Aufnahmen, erstelle daraus ein "Feedbackband" und bespreche dieses gemeinsam mit den Eltern. Ein solcher Prozeß beinhaltet bis zu zehn Aufnahmen + Feedback-Sitzungen.


Brauche ich hierfür eine Einverständnisserklärung und welcher Form bedarf diese gegebenenfalls? Welche Inhalte sind in solch einer Erklärung unerlässlich?

Wer ist Eigentümer der Aufnahmen?

Kann ich die Aufnahmen z.B., in Fachkreisen zeigen um diese Methode zu präsentieren?

Danke für Ihre Mühe
M.Z.
Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Frage berührt das Recht am eigenen Bild und das allgemeine Persönlichkeitsrecht.

Bei der Herstellung von Filmmaterial mit dem Bildnis anderer Menschen berühren Sie deren allgemeines Persönlichkeitsrecht. Unter Bildnis versteht man die bildliche Wiedergabe von Menschen, wobei die Menschen auf den Bildern identifizierbar sein müssen. Sie filmen die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern, so dass ich unterstelle, dass Eltern und Kinder auf den Filmaufnahmen zu erkennen sind.

Der Kommunikationsprozess zwischen Eltern und ihren Kindern berührt deren Privatsphäre, eine Einwilligung zur Aufnahme ist dafür erforderlich. Für diese Einwilligung benötigen Sie keine bestimmte Form. Es genügt, wenn die abgebildeten Personen damit einverstanden sind.

Ich verstehe Ihre Schilderung so, dass Sie die Filmaufnahmen nicht heimlich herstellen und diese danach mit den Eltern besprechen. Darin erkenne ich deren grundsätzliches Einverständnis mit der Herstellung der Filmaufnahmen. Die Eltern als Erziehungsberechtigte werden damit auch das Einverständnis für ihre Kinder ausdrücken. Sofern sich also niemand gegen das Filmen sperrt, handeln Sie mit deren Einwilligung, also rechtmäßig.

Etas anderes gilt für die von Ihnen angedachte Vorführung in Fachkreisen. Hierfür bedarf es einer gesonderten Einwilligung. Nach § 22 Kunsturhebergesetz (KUG) dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung der Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Diese Einwilligung bedarf ebenfalls keiner besonderen Form. Da Sie jedoch im Streitfall beweisen müssen, dass Sie über die Einwilligung verfügen, rate ich Ihnen zu einer schriftlichen Vereinbarung. Nennen Sie darin den Namen der abgebildeten Personen, das Datum der Aufnahmen und die Foren in denen sie die Aufnahmen zeigen wollen; etwa in Fachzeitschriften, auf Kongressen, fachlichen CD-Roms etc. Lassen sie die Einwilligung von beiden Eltern unterschreiben und lassen Sie sich auch versichern, dass die Eltern auch das alleinige Sorgerecht über das Kind haben.

Verweigern die Eltern die Einwilligung, können Sie die Filmaufnahmen nur verwenden, wenn Sie die gefilmten Personen ausreichend neutralisiert haben. Sie kennen das vielleicht aus dem Fernsehen, wenn die Gesichter "gescrambled" sind und die Stimmen verfremdet.

Eigentümer der Filmaufnahmen sind Sie. Die Eltern haben weder Recht auf eine Kopie noch ein Mitspracherecht über die Verwendung der Aufnahmen. D.h. die Eltern können "lediglich" bestimmen, wo sie nicht gezeigt werden wollen, hingegen können die Eltern Sie nicht zwingen, die Aufnahmen irgendwo zu zeigen.

Ich hoffe, dass ich damit Ihre Anfrage beantworten konnte.

Mit freundlichen Grüßen,

Domernicht
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 22.08.2007 | 10:07

Sehr geehrter Herr Domernicht,

erstmal "Danke" für die schnelle Antwort. Ich hätte gerne noch einige Details geklärt, die Sie - so hoffe ich - ohne goße Mühe beantworten können.

Einen wichtigen Punkt habe ich in meiner ursprünglichen Frage gänzlich vergessen: Ich zeige die Aufnahmen auch in einer Ausbildungsgruppe. In dieser Gruppe werde ich und die anderen pädagogischen Fachkräfte eben in dieser "Video-Erziehungsberatung" ausgebildet. Die regelmäßigen Treffen während der 2-jährigen Ausbildungszeit dienen der Supervision und der fachlichen Fortbildung. Brauche ich hier auch eine Einwilligung der Klienten, oder reicht in diesem Fall die "Schweigepflicht" - zu der jeder der Anwesenden ohnehin verpflichtet ist - aus?

Sie sprechen vom "Kunsturhebergesetz". Es fällt mir nicht leicht, in meinem Fall (Erziehungsberatung) von Kunst zu sprechen. Gibt es ein Pendant im Non-Profit-/Therapiebereich?

Hätten Sie außerdem noch einen Tipp für die Aufbewahrung der Videobänder,DVD´s, usw.?

Vielen Dank für Ihre fachliche Unterstützung
M. Zaworka

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 22.08.2007 | 11:10

Sehr geehrter Fragesteller,

das Kunsturhebergesetz findet in allen Bereichen der bildlichen Darstellung Anwendung, nicht nur im Bereich der Kunst. Es untersagt die Verbreitung und öffentliche zur Schau Stellung des Bildmaterials, sofern keine Einwilligung der abgebildeten Menschen vorliegt oder ein Ausnahmetatbestand vorliegt. Einen Ausnahmetatbestand kann ich Ihrer Schilderung nicht entnehemen. Ausnahmen betreffen etwa die Fälle der journalistischen Berichterstattung oder - hier kommt die Kunst ins Spiel - wenn die Verbreitung/Zurschaustellung des Bildmaterials einem höheren Interesse der Kunst dient.

Allenfalls könnte man annehmen, dass die Vorführung des Bildmaterials in Ihrer Ausbildungsgruppe nicht zu dem Bereich der Öffentlichkeit gehört. Diese ist für das Einwilligungsgebot aus § 22 KUG relevant in § 15 Abs. 3 UrhG (Urhebergesetz) definiert. Die Mitglieder Ihrer Gruppe müssten mit Ihnen persönlich verbunden sein. Das könnte man annehmen, wenn es eine bestimmte, feststehende Anzahl von Teilnehmern gibt und kein Aussenstehender Zugang zu den Vorführungen hat. Die Rechtsprechung zum Öffentlichkeitsbegriff ist zahlreich; es überwiegen die Entscheidungen, die die Öffentlichkeit bejaht haben. Auf diesem Wege kann ich Ihnen nur die Voraussetzung dieser Ausnahme zur Öffentlichkeit aufzeigen. Bitte betrachen Sie meine Ausführungen daher nicht als eine abschließende Einschätzung. Ich empfehle Ihnen auf jeden Fall die Einwilligung der gefilmten Personen einzuholen.

Einen Tipp zur Aufbewahrung der Bänder habe ich nicht. Das KUG untersagt Ihnen das von Ihnen veranlasste Verbreiten/zur Schau stellen. Ein Gebot der Absicherung der Bänder ist daraus nicht zu entnehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Domernicht


Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Vielen Dank für die blitzschnelle, vor allem aber kompetente Beantwortung meiner Fragen. Ich fühle mich in meinem Anliegen nun sehr viel sicherer. "