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Verwenden fremder Bücher für eigene Artikel/Bücher

| 22.01.2016 10:05 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Jan Wilking


Guten Tag,

ich schreibe/entwickle
a) Artikel für Fachzeitschriften,
b) ein Fachbuch über Mathematik,
c) Schulungen für eine Programmiersprache.

In allen drei Fällen basieren meine Informationen auf anderen Büchern.

Ich würde gerne wissen, ob und unter welchen Voraussetzungen ich in diesen drei Fällen folgende Inhalte fremder Bücher verwenden darf:

- "ideologische" Inhalte (d.h. Ideen, Konzepte, usw),
- wörtliche Zitate,
- Datensätze/Programmabschnitte,
- Aufgaben / Beispiele (wenn nicht wörtlich, sondern nur vom Rechenweg her übernommen),
- Bilder (auch wenn ich sie mit einem Grafikprogramm "abzeichne").

Mich interessiert, was ich ohne ausdrückliche Erlaubnis übernehmen darf, und ob/wie ich die Quellen angeben muss. Außerdem wäre wichtig zu wissen, ob sich die Regelung unterscheidet zwischen Schulungen, die nur im kleinen Kreis gehalten werden, und Büchern, die deutschlandweit veröffentlicht werden.

Vielen Dank im Voraus.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ideen und Konzepte sind grundsätzlich nicht urheberrechtlich geschützt, sondern nur deren konkrete Umsetzung.
Ein dem Urheberrechtsschutz zugängliches Werk ist also stets nur das konkrete Ergebnis der schöpferischen Formung, die hinter einem Werk stehende Idee bleibt dagegen ungeschützt. Urheberrechtlicher Schutz besteht daher auch nur gegen die unbefugte Verwertung eines Werkes als solches in unveränderter oder unfrei benutzter Form, nicht aber gegen die bloße Benutzung als Vorbild zur Erstellung eigener Werke. Dies bedeutet z.B., das nicht die didaktische Lernmethode geschützt ist, sondern allein die hinreichend eigentümliche Formgestaltung, in der die Anwendung dieser Methode umgesetzt und präsentiert wird (ausführlich zu der Thematik: OLG Köln, Urteil vom 28.08.2009, Az: 6 U 225/08).

Entsprechend kann die urheberrechtlich geschützte schöpferische Eigenart einer Darstellung wissenschaftlicher Art nicht im dargestellten Inhalt, sondern allein in der Form der Darstellung liegen. In der Form der Darstellung muss ein darstellerischer Gedanke auf eigenständige Weise zum Ausdruck gekommen sein. Dagegen kommt es nicht auf den schöpferischen Gehalt des wissenschaftlichen oder technischen Inhalts der Darstellung an. Das wissenschaftliche und technische Gedankengut eines Werkes ist nicht Gegenstand des Urheberrechtsschutzes und kann daher auch nicht zur Begründung der Schutzfähigkeit von Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art herangezogen werden, so der BGH, Urteil vom 1. 6. 2011, Az. I ZR 140/09 - Lernspiele.

Wörtliche Zitate sind nur erlaubt, wenn ein Zitatzweck im Sinne des § 51 UrhG vorliegt. Das Zitat muss also eine Belegfunktion erfüllen und darf auch nur im hierfür erforderlichen Umfang übernommen werden. Zudem ist gemäß § 63 UrhG eine Quellenangabe notwendig, z.B. Autor, Buchtitel, Auflage, Verlagsname- und Ort, Seite. Entscheidend ist, dass der Leser problemlos die Quelle ausfindig machen kann, um das Zitat zu überprüfen sowie die Urheberschaft des Autors anerkannt wird.

Programmiercode kann urheberrechtlich ebenfalls geschützt sein. Hier müsste konkret geprüft werden, ob der entnommene Datensatz Schutz genießt und die Übernahme ggf. vom Zitatrecht gedeckt ist - eine pauschale Beurteilung ist leider nicht möglich.

Prüfungs- und Übungsaufgaben erreichen regelmäßig die erforderliche Schöpfungshöhe, um urheberrechtlich geschützt zu sein (vgl. z.B. LG Köln, 19.05.1993 - 28 O 424/92). Wenn Sie nur die Idee übernehmen und ausreichend individuell selbst formulieren, liegt wie bereits oben ausgeführt aber keine Urheberrechtsverletzung vor.

Lichtbilder sind stets urheberrechtlich geschützt. Auch hier gibt es aber die Möglichkeit eines Bildzitats, wobei die Voraussetzungen aber strenger sind (siehe § 51 Nr.1 UrhG). Grafiken sind nicht zwangsläufig urheberrechtlich geschützt, es kommt insoweit auf die künstlerische Eigenart ("Schöpfungshöhe") an, siehe § 2 Absatz 2 UrhG.

Auch Schulungen sind regelmäßig als öffentlich im Sinne des Urheberrechts einzustufen, da es an einer persönlichen Beziehung zwischen den Teilnehmern fehlt, Daher macht es regelmäßig auch keinen Unterschied, ob das Material in einer Schulung verwendet oder deutschlandweit vertrieben wird.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 22.01.2016 | 10:56

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