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Versuchter Raub unter Alkoholeinfluss

| 01.06.2014 00:06 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tobias Rößler


Freitag Nacht nach der Arbeit gehen zwei befreundetet Arbeitskollegen (25/29) auf "Zechtour". In der letzten Kneipe/Bar des Abends verbleiben die Beiden nach Ladenschluss zusammen mit den Angestellten (2 Männer, 1 Frau) in der Bar und trinken weiter mit Ihnen. Es herrscht eine Ausgelassenen Stimmung. Es wird getanzt und viel getrunken. Die beiden Arbeitskollegen sind mittlerweile stark alkoholisiert. Zu einem im Moment nicht mehr genau rekonstruierbaren Moment kommt es aus heiterem Himmel zu einer Äußerung seitens der Beiden gegenüber dem Personal der Kneipe/Bar welche von den später hinzutreffenden Polizisten als Tatbestand eines versuchten Raubes bezeichnet wird. Dazu treten die Beiden hinter den Tresen und einer der beiden teilt in diesem Zuge dem Personal der Bar mit, dass die Beiden nun die Kasse mitnehmen würden und spricht eine vage Drohung aus im Sinne von "es wäre besser für euch uns die Kasse zu geben". Keiner der beiden ist zu diesem Zeitpunkt bewaffnet oder wendet direkte Gewalt an. Das Personal der Kneipe/Bar hält die Situation zunächst für einen schlechten Scherz und erklärt sich nicht bereit die Kasse auszuhändigen und macht Anstalten die Beiden Arbeitskollegen aus der Kneipe zu werfen. Im Zuge des dabei entstehenden Gerangels zückt ein Mitarbeiter der Kneipe/Bar eine Flasche Reizgas/Pfefferspray und attackiert damit einen der Beiden betrunkenen Arbeitskollegen (Gesicht). Darauf hin Wurden die beiden Arbeitskollegen aus der Bar geschmissen und werden kurz darauf unweit von der Bar von der alarmierten Polizei gestellt und mit auf die Wache genommen. Ein Alkoholtest mittels "blasen" ergibt für beide werte über 1,3 Promille ein Bluttest wird ebenfalls durchgeführt. Ein Ergebnis liegt zurzeit noch nicht vor. Nach dem Bluttest werden die beiden Arbeitskollegen für kurze Zeit in einer "Ausnüchterungszelle" festgesetzt. Gegen 06:00 morgens werden beide entlassen ohne ein Dokument diesbezüglich von der Polizei zu erhalten. An den genauen Hergang und den Moment der Entscheidung können sich die beiden Arbeitskollegen am nächsten Tag nur noch bruchstückhaft erinnern.

Nun stellen sich mehrere Fragen:

Erfüllen die Handlungen der beiden Arbeitskollegen den Tatbestand des versuchten Raubes (insbesondere ohne konkret formulierte Drohung)?

Inwiefern wirkt sich der Alkoholeinfluss auf die Beurteilung der Sache und auf das Strafmaß aus?

Ist in jedem Falle mit einer Freiheitsstrafe zu rechnen? Ist es wahrscheinlich dass diese auf Bewährung ausgesetzt werden kann/wird? Wie hoch ist das zu erwartende Strafmaß? Besteht die Aussicht auf Sozialstunden oder ähnliches?

Erfüllt die Attacke mit Reizgas/Pfefferspray seitens des Personals der Bar den Tatbestand einer Körperverletzung? Wen ja wird diese durch die Umstände als Selbstverteidigung legitimiert?

Wie gestaltet sich ein sinnvolles Vorgehen seitens der beiden Arbeitskollegen um eine günstige Entwicklung bzw. ein mildes Urteil zu forcieren?

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ob das geschilderte Verhalten den Tatbestand des versuchten Raubes ist vorliegend Tatfrage.

Das bedeutet: "Unter" welchem Tatbestand die Polizei die Ermittlungen führt, ist zunächst vollkommen ohne Bedeutung. Ohne rechtlich zu sehr ins Detail zu gehen, könnte ein versuchter Raub bereits daran scheitern, da keine Wegnahme im rechtlichen Sinne (rein äußerlich betrachtet) erstrebt war, sondern eine Herausgabe. Dann käme eine versuchte (ggf. räuberische) Erpressung in Betracht, was gleichfalls problematisch ist - es soll allerdings hiermit verdeutlicht werden, dass die Bezeichnung "versuchter Raub" keine zwingende Auskunft gibt.

Ganz entscheidend wird sein, was die Aussagen des Barpersonals ergeben. Diese werden bei der Polizei sicherlich (nochmals) vernommen werden.

Erfolgen dort (ggf. einseitig) maximal belastenden Aussagen (die Drohung ernst genommen / Angst gehabt etc.), dann kann auch eine versuchte (räuberische) Erpressung in Betracht kommen, so dass mit einer Anklage (ggf. Strafbefehl) gerechnet werden müsste.

Anderenfalls kämen aber auch noch weitere Delikte in Betracht, wie Körperverletzung / (versuchte) Nötigung, sogar Hausfriedensbruch.

Wie erläutert, hängt dies ganz maßgeblich von den Zeugenaussagen und dem weiteren Ermittlungsverfahren ab.

Die in Betracht kommenden (gravierenderen) Delikte sind in jedem Fall sehr ernst zu nehmen.
Es können auch Freiheitsstrafen drohen - dann dürfte aber wohl von Bewährungsfähigkeit auszugehen sein.

Angesichts der Gesamtschilderung und weiter abhängig vom weiteren Gang des Ermittlungsverfahrens kann aber auch eine Geldstrafe noch in Betracht kommen. Dabei spielt der Grad der Alkoholisierung ebenfalls eine Rolle, die zurzeit eher als strafmildernd anzusehen wäre (Kontrollverlust / Enthemmung).
Falls auch das Personal Alkohol konsumiert hat, kann auch das eine Rolle spielen.

Die Reizgas-Attacke erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung - hier wird aber sicherlich eine Notwehrlage vom Personal (unisono) ins Feld geführt werden; dann wäre die mögliche Tat gerechtfertigt und straflos.


Abschließend ist festzustellen, dass beide Arbeitskollegen einen Strafverteidiger so schnell wie möglich beauftragen sollten - eine Vernehmung durch die Polizei sollte in jedem Fall (freundlich) abgesagt werden und zunächst durch einen Rechtsanwalt Akteneinsicht genommen werden.

Erst, wenn anhand der Ermittlungsakte die belastenden und entlastenden Aspekte des Sachverhalts vollständig geklärt werden können, lässt sich eine zuverlässigere Aussage über mögliche Konsequenzen machen.

Wichtig jetzt ist, dass noch sehr viel Einflussmöglichkeit auf das Ermittlungsverfahren und deren möglicher Abschluss genommen werden kann. Das sollte angesichts der Bedeutung der Sache unbedingt erfolgen.

Keinesfalls sollten die beiden Kollegen die Sache "einfach liegen" lassen; in diesem Fall kann als Nächstes eine Anklageschrift per Post eingehen. Die Anklageerhebung sollte aber nach Möglichkeit jetzt noch verhindert werden.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 01.06.2014 | 15:28

Vielen Dank für die schnelle Beantwortung meiner Frage.

Würden Sie dazu raten, dass die beiden Arbeitskollegen sich zeitnah noch einmal in die besagte Kneipe/Bar begeben um den mutmaßlichen Ablauf zu erfragen/rekonstruieren und sich gegebenenfalls bei dem Personal für die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen?

Würde das den weiteren Ablauf gegebenenfalls positiv beeinflussen können oder würde dies eher negative Folgen haben - z.B. als eine Art Schuldeingeständnis gewertet werden welchem je nach weiterem Verlauf eventuell noch aus dem Weg gegangen werden könnte.

Beste Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 01.06.2014 | 17:45

Hallo,

das ist ein wenig, wie ein Stochern im Dunkeln, wovon in dieser Situation eigentlich dringend abzuraten ist, da unbekannt ist, was, wie gegenüber der Polizei bisher geäußert worden ist.

Irgendwann im Laufe des Abends ist die Stimmung offensichtlich umgekippt und Missverständnisse sind entstanden. Grundsätzlich wäre daher eine Aussprache nicht die schlechte Idee.

Wenn aber schon (ggf. belastende) Zeugenaussagen existieren, dann wird ein Besuch bei der Kneipe an diesen wohl nicht mehr viel ändern - im Gegenteil kann ein solcher Besuch auch vollkommen missverstanden werden (Vorwurf der Zeugenbeeinflussung / ggf. erneut Behauptung einer "latenten" Bedrohungssituation) - das würde dann die Problematik eher verschärfen, was in jedem Fall zu vermeiden ist.

Letztlich kommt hinzu, dass bei derartigen Vorwürfen Amtsermittlungspflicht besteht; d.h. die Ermittlungsbehörden sind gesetzlich verpflichtet, dem Vorwurf nachzugehen, selbst, wenn es zu einer "Rücknahme der Strafanzeige" käme.

Ich halte das Vorhaben daher für recht riskant: Zurzeit besteht ein Informationsdefizit, da unklar ist, in welchem Rahmen sich die Vorwürfe konkret verhalten - dieses Defizit gilt es zunächst über eine Akteneinsicht auszugleichen; andere Verfahrensweise bergen nicht überschaubare Risiken in sich, die bei diesen Vorwürfen eigentlich vermieden werden sollten.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 01.06.2014 | 15:42

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