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Versuchter Diebstahl - Ware zurück gelegt. Was ist zu erwarten?

18.02.2014 15:55 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Zusammenfassung: Das Einstecken von Waren in die Tasche in einem Selbstbedienungsladen stellt einen vollendeten Diebstahl gemäß § 242 Abs. 1 StGB dar.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Bekannter hat in einem Bauhaus etwas eingesteckt. Dann kam das schlechte Gewissen und er hat es wieder in das Regal gepackt. Dennoch kam ein Angestellter auf ihn zu und hat ihm Zeugen gebracht, die das Einstecken der Ware beobachteten. Der Bekannte hat es zugegeben und vor Ort 50 Euro Strafe gezahlt. Nun kam das Schreiben der Polizei mit Bitte der schriftlichen Anhörung. Was soll der Bekannte nun machen?

Der Bekannte leidet unter Depressionen und nimmt Anitdepressiva.

Vielen Dank.

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Sehr geehrte Ratssuchende,

gerne beantworte ich Ihre Frage aufgrund Ihrer Sachverhaltsschilderung wie folgt:

Ihr Bekannter dürfte sich wegen vollendeten (!) Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 BGB strafbar gemacht haben. Nach § 242 Abs. StGB wird bestraft, wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, sich diese rechtswidrig zuzueignen.

Unter einer Wegnahme ist die Aufhebung des Gewahrsams des bisherigen Gewahrsamsinhabers (vorliegend des Baumarkt-Geschäftsführers) sowie die Begründung neuen Gewahrsams des Täters gemeint. Ob eine Gewahrsamserlangung und damit die Vollendung des objektiven Tatbestandes des Diebstahls durch Wegnahme vorliegt, ist nach der Verkehrsauffassung zu beurteilen, wobei es darauf ankommt, ob der neue Gewahrsamsinhaber die Herrschaft über die Sache ungehindert durch den alten Gewahrsamsinhaber ausüben kann (Fischer, § 242 StGB Rn 17).

Im Selbstbedienungsladen erlangt bereits Gewahrsam, wer Waren in die Tasche steckt (sog. Gewahrsamsenklave); dies gilt grundsätzlich auch dann, wenn der Täter durch das Personal oder Dritte beobachtet wird (Fischer, § 242 StGB Rn 18; BGH NJW 1981, 997). Der Diebstahl ist grundsätzlich kein heimliches Delikt.

Dies bedeutet, dass in dem Augenblick, in dem Ihr Bekannter die Ware in die Tasche einsteckte, ein vollendeter Diebstahl vorlag. Insoweit spielt es auch keine Rolle, dass dieser die Ware nachfolgend wieder in das Regal zurücklegte. Ein Rücktritt ist grundsätzlich nur von einem unvollendeten, also versuchten Delikt möglich, was vorliegend jedoch gerade nicht gegeben ist.

Sofern es sich bei der Ware um eine geringwertige Sache handeln sollte – wobei die Wertgrenze nach der Rechtsprechung bei ca. 25,00 € liegt – würde der Diebstahl gemäß § 248a StGB lediglich auf Antrag verfolgt werden. Aufgrund der Tatsache, dass Ihr Bekannter bereits ein Anhörungsschreiben der Polizei erhalten hat, dürfte ein etwaiger erforderlicher Strafantrag jedenfalls gestellt worden sein.

Ihr Bekannter ist grundsätzlich nicht verpflichtet, gegenüber der Polizei Angaben zur Sache zu machen. Insoweit kann ich diesem nur dringend empfehlen, einen Verteidiger mit der Wahrnehmung seiner Interessen zu beauftragen. Dieser könnte nach Einsicht in die Ermittlungsakte die weitere Verteidigung ausarbeiten und diese mit Ihrem Bekannten besprechen. In diesem Zusammenhang sollte auch erörtert werden, ob die diagnostizierte Depression unter Umständen zu einer verminderten Schuldfähigkeit oder zu einer Schuldunfähigkeit gemäß §§ 20, 21 StGB führen könnte. Mangels weitergehender Angaben kann dies von hieraus leider nicht abschließend beurteilt werden.

Soweit Sie mitteilen, Ihr Bekannter habe vor Ort eine „Strafe" in Höhe von 50,00 € gezahlt, ist darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei wohl um die sog. „Fangprämie" handeln dürfte, die regelmäßig durch die Geschäftsinhaber von Ladendieben verlangt wird. Die Zahlung dieser Fangprämie hindert jedoch nicht die strafrechtliche Verfolgung und stellt nicht die Strafe in einem etwaigen Strafprozess dar.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Neubauer
Rechtsanwalt


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