Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.170
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Versuchte Steuerhinterziehung


| 22.08.2007 13:07 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Das Finanzamt hat ein Strafverfahren eingeleitet wegen versuchter Steuerhinterziehung.
Alle meine beruflich bedingten Familienheimfahrten habe ich in meiner Steuererklärung über die Kilometerpauschale eingesetzt. Zwar bin ich einen geringeren Teil der Familienheimfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Aber im Handbuch zu meinem Steuerprogramm steht eindeutig, dass auch Familienheimfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Kilometerpauschale abgerechnet werden. Das habe ich gemacht. Fahrkarten habe ich aus diesem Grunde auch gar nicht erst aufberwahrt. Allerdings habe ich eine Bestätigung meiner Nachbarn, dass ich die Wochenenden zuhause verbracht habe. Darüber hinaus eine Bestätigung von Mitfahrern, die ebenfalls die gleiche Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Ihren Familien nachhause fahren. Nun musste ich aber die gefahrenen Gesamtkilometer anhand von Kilometerständen meines PKW´S nachweisen, was ich natürlich nicht konnte. Wegen der nicht nachgewiesenen Kilometer (Erstattungssumme etwa 1500,00 €) wird mir nun versuchte Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Summe, um die es geht, wurde mir allerdings in meinem Steuerbescheid NICHT erstattet. Nun muss ich zu einer Anhörung. Wie soll ich mich verhalten? Soll ich einen Anwalt mit zu der Anhörung dazu nehmen?
Sehr geehrter Fragesteller,

die Fahrtkosten für die Familienheimfahrten können Sie in der Tat auch für die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln absetzen. Hier gelten allerdings zwei Einschränkungen:

Zum einen können Fahrten ohne weiteren Nachweis nur bis zur Höhe der Entfernungspauschale von 5.112 Euro anerkannt werden. Höhere Aufwendungen für Familienheimfahrten können nur mit dem eigenen Pkw anerkannt werden und müssen entsprechen nachgewiesen werden.

Zum anderen können nur Fahrtkosten für jeweils eine tatsächlich durchgeführte Heimfahrt wöchentlich anerkannt werden. Bestehen an der Durchführung wöchentlicher Heimfahrten begründete Zweifel, z.B. bei besonders großen Entfernungen, hat der Steuerpflichtige nachzuweisen zu machen, dass er die von ihm behaupteten Fahrten tatsächlich durchgeführt hat. Dieser Nachweis der wöchentlichen Fahrten kann bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel insbesondere durch Vorlage der Fahrkarten erbracht werden. Die Bestätigung Ihrer Nachbarn nützt insoweit nichts, da diese nur betätigen können, dass Sie zuhause waren, nicht aber auch, wie sie dorthin gekommen sind (denkbar wäre ja z.B. auch eine kostenlose Fahrgemeinschaft, die Ihnen jedenfalls dann nichts nützt, wenn Sie die Pauschale überschritten haben). Anders sieht es da allerdings schon mit den Bestätigungen der Mitreisenden aus, sofern diese sich nach der langen Zeit tatsächlich noch glaubhaft und nachvollziehbar daran erinnern, dass und an welchem Wochenende Sie mit der Bahn gefahren sind.

Kann der Steuerpflichtige die Zweifel an der Durchführung der geltend gemachten Fahrten nicht beseitigen, so ist ihm der Nachteil der verbleibenden Ungewissheit anzulasten; der Steuerpflichtige trägt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs die Feststellungslast für die Tatsachen, die eine Steuerermäßigung begründen (BFH-Urteile vom 17.7.1980, IV R 140/77, BStBl 1981 II S. 14 = SIS 81 04 12, und vom 7.7.1983, VII R 43/80, BStBl 1983 II S. 760).

Diese Feststellungslast ist jedoch zunächst eine rein steuerliche. Steuerstrafrechtlich muss es dagegen wahrscheinlich sein, dass Ihnen für diese Fahrten die Kosten gerade nicht angefallen sind.

Insgesamt kommt es daher für das weitere Vorgehen zunächst entscheidend darauf an, wie hoch die geltend gemachten Fahrtkosten waren.

Soweit Sie schreiben, dass es bisher noch nicht zu einer Steuererstattung gekommen ist, spiegelt sich dies auch im Tatvorwurf des FA wieder, da dort nur von einer *versuchten* Steuerhinterziehung die Rede ist.

Bevor Sie bei der Strafsachenstelle des Finanzamtes eine Aussage tätigen sollten Sie allerdings auf jeden Fall durch einen Anwalt zumindest Einblick in die Ermittlungsakte nehmen lassen, damit der genaue Tatvorwurf und die Höhe des angeblichen Schadens eruiert werden kann. Danach kann dann erst endgültig überlegt werden, ob - und wenn welche - Aussage von Ihnen vor der Strafsachenstelle des Finanzamtes gemacht werden soll.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser ersten Einschätzung geholfen zu haben. Für Rückfragen stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Meisen
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Steuerrecht

Nachfrage vom Fragesteller 23.08.2007 | 09:38

Vielen Dank für Ihre Antwort, die mir erst einmal weiter geholfen hat. Eine Zusatzfrage bitte.
Was kann mir denn passieren: Ich habe die Fahrten unternommen, kann sie aber nicht nachweisen. Ich habe die Angaben in der Erklärung aufgrund der Ausführungen im Steuersoftware-Handbuch getätigt und war im Glauben, rechtmäßig zu handeln. Ich hab doch gar nicht versucht Steuern zu hinterziehen! Diese Erklärungen hab ich auch bereits dem Finanzamt mitgeteilt. Dennoch steht die Anhörung an.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 23.08.2007 | 12:58

Sehr geehrter Fragesteller,

die Antwort auf die Frage, was Ihnen passieren kann, hängt von einer Reihe weiterer Punkte ab, die ich Ihnen in der Antwort bereits grob geschildert hatte, ohne deren Kenntnis kann realistischerweise keine genaue Prognose abgegeben werden. Desweiteren wäre auch wichtig zu wissen, in welcher Höhe eine "Steuerersparnis" hier im Raum steht. Rufen Sie mich einfach einmal kurz an.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Meisen
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Steuerrecht

Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Danke für die Antwort, die mir einige Klarheit verschafft hat darüber, wie ich nun vorzugehen habe. "