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Versteuerung bei Wohnsitz im Ausland (USA) und deutschem Arbeitgeber


| 29.01.2008 23:20 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Ich bin im Sommer 2007 mit meinem Mann in die USA gezogen (er wurde für 3 Jahre von seinem dt. AG entsendet). Ich habe mich für diesen Zeitraum von meinem deutschen Arbeitgeber beurlauben lassen, soll/möchte jetzt aber von USA aus weiter für diesen Arbeitgeber arbeiten (ab Feb 08). Ich würde ausschließlich von meinem Wohnsitz in den USA aus arbeiten (Telearbeit).

Mein Arbeitgeber fragte mich nun nach einem (Zweit-)Wohnsitz in D und einer dt. Lohnsteuerkarte mit der Begründung, dann sei ich in D steuerpflichtig und es könnten ganz normal Steuern, Sozialversicherung an die dt. Institutionen abgeführt werden.

Ich habe allerdings meinen deutschen Wohnsitz bereits im letzten Sommer abgemeldet, mir steht auch keine Wohnung mehr in D zur Verfügung, die ich als etwaigen Wohnsitz angeben könnte. Ich werde mich in 2008 voraussichtlich max. 2 Wochen in D aufhalten, den Rest der Zeit in den USA.

Meine Fragen:

1. Nach meinem Verständnis (und den Auskünften des amerikanischen Finanzamtes) bin ich mit meinen Einkünften in 2008 wg. der 183-Tage-Regel (DBA) in den USA steuerpflichtig. Wäre damit die Art der von meinem Arbeitgeber vorgesehene Bezahlung/Versteuerung in D überhaupt möglich (wie gesagt, die Arbeit wird ausschließlich von den USA aus erbracht werden)?
2. Mein Arbeitgeber behauptet, die von ihm vorgeschlagene Variante sei die einzige Möglichkeit der Bezahlung. Eine Auszahlung des Bruttolohns, den ich dann in den USA versteuere, sei z.B. nicht möglich. Stimmt das? Wenn nein, was müsste von mir und dem Arbeitgeber getan werden, um den Steuerabzug in D zu vermeiden?
3. Wie würde analog mit den Sozialabgaben verfahren? Könnten diese z.B. trotz Wohnsitz im Ausland an die deutschen Versicherungsträger gezahlt werden?

Ich hoffe, dass ich alle wesentlichen Angaben für die Beantwortung der Fragen gemacht habe und bedanke mich für eine Antwort.



Sehr geehrte Fragestellerin,

zunächst danke ich für Ihre Anfrage, die ich im Folgenden gerne beantworte.

1. Sie gehen zutreffend davon aus, alleine in den USA steuerpflichtig zu sein. Nach Ihren Angaben handelt es sich um eine nichtselbstständige Tätigkeit, d.h. Sie sind weiterhin als abhängig Beschäftigte Ihres ursprünglichen Arbeitgebers zu qualifizieren. Artikel 15 Doppelbesteuerungsabkommen USA (DBA USA) weist das Besteuerungsrecht in diesem Fall alleine dem Wohnsitzstaat zu, sofern die Tätigkeit in diesem Staat ausgeübt wird und sich der Arbeitnehmer nicht länger als 183 Tage in dem anderen Staat aufhält. Das Änderungsprotokoll vom 07. Dezember 2007 enthält diesbezüglich keine relevanten Änderungen. § 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG, wonach Sie in Deutschland (beschränkt) steuerpflichtig wären, sofern Ihre Arbeitsleistung hier verwertet wird, tritt hinter die Regelungen des DBA USA zurück.

2. Entsprechend den unter 1. dargestellten Grundsätzen besteht für Ihren Arbeitgeber folglich auch keine Verpflichtung zur Abführung von Lohnsteuer. Sollte Ihr Arbeitgeber diese Rechtsansicht nicht teilen wollen, so steht ihm ein Antrag auf das so genannte internationale Verständigungs- und Schiedsverfahren zur Verfügung. Aufgrund der eindeutigen Regelung des DBA USA halte ich jedoch eine notwendige Antragsbefugnis für nicht gegeben. Im Übrigen wird Ihnen bei einem alleinigen Wohnsitz im Ausland bereits keine Lohnsteuerkarte ausgestellt, so dass sich die diesbezügliche Äußerung Ihres Arbeitgebers erübrigt.

3. Ohne Wohnsitz in Deutschland sind Sie nicht mehr sozialversicherungspflichtig. Beispielsweise im Hinblick auf Ihre Rentenversicherung können Sie jedoch weiterhin freiwillig Beiträge entrichten. Ich rege jedoch an, den wirtschaftlichen Nutzen einer solchen freiwilligen Beitragsleistung gründlich zu hinterfragen.

Auf die vorstehenden Ausführungen sollten Sie Ihren Arbeitgeber hinweisen.

Zu Ihrer weitern Verwendung übersende ich die zitierten Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika an Ihre angegebene Internetadresse.

Schließlich möchte ich noch darauf hinweisen, dass die das Weglassen oder Hinzufügen auch von scheinbar bedeutungslosen Sachverhaltsangaben die rechtliche Würdigung der Angelegenheit vollständig verändern kann. Dieses Angebot ist daher grundsätzlich nicht geeignet, eine individuelle anwaltliche Beratung zu ersetzen.

Mit der Bitte bei Unklarheiten die kostenlose Nachfragefunktion zu nutzen verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

F.Lehmann
-Rechtsanwalt-

info@ra-lehmann.eu

Nachfrage vom Fragesteller 30.01.2008 | 17:50

Vielen Dank für die schnelle und umfassende Antwort, ich habe nur noch eine Nachfrage: Gilt die Aussage zu Punkt 2 auch für die Auszahlung von Boni für ein zurückliegendes Jahr? Konkret: Der Bonus wird im April 2008 ausgezahlt und bezieht sich auf im Jahr 2007 (in D) erbrachte Leistungen.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 03.02.2008 | 23:47

Sehr geehrte Fragestellerin,

zunächst möchte ich Punkt 2 meiner Anfrage wie folgt ergänzen. Ihr Arbeitgeber hat die Möglichkeit, bei dem für die betreffende Betriebsstätte zuständigen Finanzamt eine so genannte Freistellungsbescheinigung zu beantragen. Eine solche Bescheinigung wird auch dann erteilt, wenn die Steuerbefreiung nach dem Doppelbesteuerungsabkommen antragsunabhängig eintritt (EStR H123, 125).

Nach meinem Ermessen ist der in 2008 ausgezahlte Bonus ebenfalls nur in den USA zu versteuern, da es diesbezüglich auf Ihren Status im Zeitpunkt des Zuflusses der Zahlung ankommt.

Leider ließen sich die Abkommen nicht wie angekündigt an Ihre E-Mail Adresse verschicken. Sollten Sie daran noch interessiert sein, bitte ich Sie, Ihre E-Mail Adresse entsprechend zu korrigieren.

Mit freundlichen Grüßen

F. Lehmann

Bewertung des Fragestellers |


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"Frage wurde vollständig und gut verständlich beantwort, vielen Dank!
Das DBA-USA habe ich bereits, brauchen Sie mir also nicht mehr zuzusenden. "