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Versteuerung Abfindung nach Arbeitgeberwechsel

22.02.2015 14:51 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Falk-Christian Barzik, Diplom-Finanzwirt (FH)


Zusammenfassung: Besteuerung einer Abfindung

Hallo,

ich (unverheiratet, Steuerklasse 1/6) habe im vergangenen Jahr meinen Arbeitgeber gewechselt. Bei Arbeitgeber A habe ich bis 31.08.14 gearbeitet und bei Arbeitgeber B direkt im Anschluss ab dem 01.09.2014. Von Arbeitgeber A habe ich eine Abfindung erhalten, die aber erst nach dem 01.09.2014 ausbezahlt wurde. Folglich wurde mein Gehalt von Arbeitgeber B mit Steuerkl. 1 und die Abfindung mit Steuerkl. 6 versteuert.
Bei meiner Steuererklärung war ich nun verwundert über die geringe Steuerrückerstattung. Ich mache meine Steuererklärung mit einer Software und nach der Eingabe der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung von Arbeitgeber A (brutto: 31.700€) und Abfindung (brutto: 19.000 €) erhalte ich eine recht hohe Rückzahlung. Wenn ich dann die Daten von Arbeitgeber B (brutto: 16.700 €) eingebe, fällt die Rückzahlung auf fast 0.

Dazu meine folgenden Fragen:
- Wird die Versteuerung der Abfindung tatsächlich so stark durch das Gesamtjahreseinkommen (bzw. Einkommen Arbeitgeber B) beeinflusst?
- Dadurch wird man ja eigentlich benachteiligt, wenn man direkt nach Kündigung eine neue Arbeitsstelle antritt?
- Gibt es eine Möglichkeit die Steuer auf die Abfindung zu Reduzieren?

Vielen Dank & freundliche Grüße.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Die Besteuerung von Abfindungen erfolgt genauso wie die Besteuerung von normalem Arbeitslohn. Eine früher geltende Steuerfreiheit gilt nicht mehr. D.h., dass die zugeflossene Abfindung im Zeitpunkt Ihres Zuflusses Ihr zu versteuerndes Einkommen für das betroffene Jahr in voller Höhe erhöht. Dadurch steigt grundsätzlich Ihr Steuersatz entsprechend an.
Jedoch können Sie die sog. 1/5-Regelung nach § 34 EStG nutzen. § 34 EStG führt dazu aus:

"Die für die außer­or­dent­li­chen Einkünf­te an­zu­set­zen­de Ein­kom­men­steu­er beträgt das Fünf­fa­che des Un­ter­schieds­be­trags zwi­schen der Ein­kom­men­steu­er für das um die­se Einkünf­te ver­min­der­te zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men (ver­blei­ben­des zu ver­steu­ern­des Ein­kom­men) und der Ein­kom­men­steu­er für das ver­blei­ben­de zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men zuzüglich ei­nes Fünf­tels die­ser Einkünf­te."

Soll heißen: Man teilt die Ab­fin­dung (= die außer­or­dent­li­chen Einkünf­te) durch fünf und rech­net die­ses Fünf­tel zu den übri­gen, "re­gulären" Be­stand­tei­len des Jah­res­ein­kom­mens hin­zu. Dann be­rech­net man die Steu­er, die sich aus die­sem Jah­res­ein­kom­men er­gibt und ver­gleicht sie mit der (ge­rin­ge­ren) Steu­er, die sich ganz oh­ne Ab­fin­dung er­ge­ben würde. Her­aus kommt die steu­er­li­che Mehr­be­las­tung, die sich er­ge­ben würde, wenn der Ar­beit­neh­mer nicht die gan­ze, son­dern nur ein Fünf­tel der tatsächlich er­hal­te­nen Ab­fin­dung be­kom­men hätte (da­her der Aus­druck Fünf­tel­re­ge­lung). Die sich so er­ge­ben­de steu­er­li­che Mehr­be­las­tung wird mit fünf mul­ti­pli­ziert, d.h. die für ei­ne Fünf­tel der Ab­fin­dung sich er­ge­ben­de, re­la­tiv güns­ti­ge Be­steue­rung wird auf die gan­ze Ab­fin­dung an­ge­wen­det.

AM BEISPIEL: Wer re­gulär 30.000,00 EUR brut­to im Jahr ver­dient, zahlt gemäß dem aus der Ta­bel­le sich er­ge­ben­den Steu­er­satz (20,4 %) oh­ne al­le Ermäßigun­gen, Frei­beträge etc. ei­ne Lohn­steu­er ein­sch­ließlich So­li­da­ritäts­zu­schlag von 6.126,00 EUR. Er be­kommt im Jah­re 2008 ei­ne Ab­fin­dung von 30.000,00 EUR, die ent­spre­chend der Fünf­tel­re­ge­lung ver­steu­ert wird.

Da­zu wird ein Fünf­tel der Ab­fin­dung zu dem sons­ti­gen Ein­kom­men hin­zu­ge­setzt und die sich dar­aus er­ge­ben­de Steu­er be­rech­net. Man rech­net da­her: 30.000,00 EUR Ab­fin­dung : 5 = 6.000,00 Ab­fin­dung + 30.000 Ge­halt = 36.000 EUR. Die sich dar­aus er­ge­ben­de Steu­er­last beträgt 8.231,00 EUR ein­sch­ließlich So­li­da­ritäts­zu­schlag bei ei­nem Steu­er­satz von 22,9 %. Ver­gli­chen mit der Steu­er bei 30.000,00 EUR er­rech­net sich ei­ne Mehr­be­las­tung von (8.231,00 - 6.126,00 =) 2.105,00 EUR, die mal fünf zu neh­men ist.

Her­aus kommt ei­ne auf die Ab­fin­dung be­zo­ge­ne Steu­er ein­sch­ließlich So­li­da­ritäts­zu­schlag von 10.525,00 EUR, die zu­sam­men mit der oh­ne­hin auf­grund des Ge­hal­tes zu zah­len­den Steu­er (6.126,00 EUR) ins­ge­samt zu ei­ner Steu­er­last von 16.651 EUR führt. Die­se ist ge­rin­ger als die Steu­er­last, die sich bei ei­nem Jah­res­ein­kom­men von 60.000,00 EUR und dem dar­aus fol­gen­den Steu­er­satz von 30,4 % er­ge­ben würde (die­se Steu­er­last wäre 18.237 EUR).
Die Steu­er­ermäßigung auf­grund der Fünf­tel­re­ge­lung beträgt da­her in die­sem Bei­spiel 1.586,00 EUR.

Al­ler­dings ist zu be­ach­ten, dass die Fünf­te­lungs­re­ge­lung bei höhe­ren Ein­kom­men und größeren Ab­fin­dungs­beträgen zu kei­nen oder al­len­falls mi­ni­ma­len Steu­er­er­spar­nis­sen führt, da in die­sen Fällen die steu­er­li­che Mehr­be­las­tung, die sich durch die Ad­di­ti­on ei­nes Fünf­tels der Ab­fin­dung zu dem re­gulären Jah­res­ge­halt er­gibt, für den Ar­beit­neh­mer pro­gres­si­ons­be­dingt ver­gleichs­wei­se hoch ist. Mul­ti­pli­ziert man die­se Mehr­be­las­tung mit fünf, er­gibt sich ei­ne so dras­ti­sche Be­steue­rung der Ab­fin­dung, dass der durch die Fünf­tel­re­ge­lung be­ab­sich­tig­te Ermäßigungs­ef­fekt ver­pufft.

In sol­chen Fällen kann es sich da­her bei sehr großen und zah­lungs­kräfti­gen Ar­beit­ge­bern emp­feh­len, die Aus­zah­lung der Ab­fin­dung durch ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung über ei­ni­ge Jah­re zu stre­cken.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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