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Versicherung BU

| 07.11.2017 17:06 |
Preis: 25,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin Friseurmeisterin und war mehrere Jahre selbstständig. Dann wurde ich allergiebedingt berufsunfähig, seitdem zahlt meine private Berufsunfähigkeitsversicherung mir eine monatliche Rente. Nun habe ich aus eigenen Willen und auf eigene Kosten ein Bachelorstudium absolviert- in einem ganz anderen Berufszweig. Wenn ich jetzt eine neue Stelle anfange, möchte meine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr zahlen. Meine Frage ist, ob es Sinn macht dagegen vorzugehen. In den Versicherungsbedingungen heißt es:

Übt die versicherte Person jedoch eine andere, ihrer Ausbildung oder Erfahrung und bisherigen Lebensstellung entsprechende berufliche Tätigkeit konkret aus, liegt keine Berufsunfähigkeit vor. Gleiches gilt für Selbstständige und Freiberufler, wenn diese ihren Arbeitsplatz sowie ihren Tätigkeitsbereich in zumutbarer Weise umorganisieren können und eine Beeinträchtigung der bisherigen Lebensstellung dadurch nicht eintritt. Eine Umorganisation ist zumutbar, wenn sie wirtschaftlich zweckmäßig ist, vom Versicherungsnehmer oder der versicherten Person aufgrund ihres maßgeblichen Einflusses auf die Geschicke des Unternehmens realisiert werden kann und keinen erheblichen Kapitalaufwand erfordert. Unter der bisherigen Lebensstellung ist die Lebensstellung in finanzieller und sozialer Sicht zu verstehen, die vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung bestanden hat.

1. Meine Versicherungsmaklerin hat mir bei Vertragsabschluss und auch auf Nachfrage vor einer Woche noch versichert, dass die Versicherung weiter zahlt, wenn ich einen anderen Beruf ausübe- die Versicherung selber sagt aber nein.
2. Ich musste aufgrund meiner Berufsunfähigkeit meinen Friseursalon verkaufen. Dann habe ich für viel Geld studiert. Das hat natürlich Kapitalaufwand hervorgerufen.
3. Ich habe zwar jetzt einen höheren Bildungsstand, aber meine soziale Stellung ist doch schlechter. Ich war selbstständig, hatte ein eigenes Unternehmen und bin jetzt Angestellte. Zwar verdiene ich mehr, aber mein Friseursalon hätte sich ja weiter entwickelt und somit hätte ich heute viel mehr verdient, als vor ein paar Jahren.

Macht es Sinn dagegen vorzugehen? Ja oder nein? Beziehungsweise wie sind meine Erfolgschancen?

Mit freundlichen Grüßen
08.11.2017 | 14:12

Antwort

von


(73)
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ich nehme die Antwort mal vorweg. Nach meiner rechtlichen Einschätzung : Nein, es macht keinen Sinn.

Ich möchte das auch gern begründen:

DIe Berufsunfähigkeitsversicherung greift immer für den Berufszweig, in welchem Sie berufsunfähig erkrankt sind.
Betreffs der von Ihnen neuen Arbeit gilt Folgendes:

Grundsätzlich ist eine völlige Aufgabe Ihrer Berufstätigkeit ist nicht Voraussetzung für den Eintritt bedingungsgemäßer BU. Sie verlieren Ihren Anspruch auf die anerkannten Leistungen auch dann nicht, wenn Sie unter Einsatz übermäßiger Anstrengungen oder unter Aufzehrung Ihrer verbliebenen gesundheitlichen Substanz eine Berufstätigkeit mit dem (!)bisherigen vollständigen beruflichen Belastungsprofil(!) oder nur mit den gesundheitlich nicht beeinträchtigten Tätigkeitsfeldern fortsetzen, vorausgesetzt natürlich, der vertraglich vereinbarte BU-Mindestgrad wird nach ärztlichen Feststellungen nicht unterschritten.
Hier kommt nun das Aber: Die bloße Tatsache, dass Sie Ihren neuen Beruf in vollem Umfang uneingeschränkt trotz ärztlich bestätigter gesundheitlicher Funktionseinbußen ausüben, kann als Wiederherstellung Ihrer Berufsfähigkeit angesehen werden. Insofern kann also die Tatsache der vollen Berufsausübung als Nachweis wieder erlangter Berufsfähigkeit höher bewertet werden, als eine entgegenstehende ärztliche Aussage über Ihre Berufsunfähigkeit. Zumal, wenn sich die neue Tätigkeit nicht an der Allergie die Sie erwähnten stört.
Das bedeutet also, falls Sie einen neuen Beruf ausüben, welcher mit einem vergleichbarem Einkommen dotiert ist, bzw. hier sagen Sie dass Sie sogar mehr verdienen, dann kann die Versicherungszahlungen entfallen. Eben dies geht aus den Vertragsvereinbarungen, welche Sie wiedergegeben haben auch hervor.

Ich bedauere, Ihnen kein positiveres Feedback geben zu können und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Vicky Neubert
Rechtsanwältin


Rechtsanwältin Vicky Neubert, Dipl.-Jur.

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