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Vermögensausgleich Haus-Berücksichtigung Erbe


| 01.09.2007 15:44 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Ernst G. Mohr




Guten Tag,

mein Mann und ich haben uns getrennt und haben eine Frage zur Anrechnung eines Erbes, das zur Finanzierung unseres Hauses mit verwendet wurde.

In das von uns vor 15 Jahren zum Gesamtpreis von umgerechnet 350.000 € gebaute Einfamilienhaus hat mein Mann ein Erbe von 100.000 € gesteckt. Das Haus ist jetzt nach Schätzung des Ortsgerichtes 300.000 € wert.
Wie wirkt sich dieses Anfangsvermögen von 100.000 € auf die Berechnung des Betrages aus, der jedem von uns jetzt zusteht?

1.Möglichkeit: (Endvermögen – Anfangsvermögen) : 2
= ( 300.000 € - 100.000 € ) : 2 = 100.000 €
( mein Anteil am Haus)

2. Möglichkeit: Das Anfangsvermögen wird mit einem Inflations-
faktor ( ca. 1,3 )versehen, der die
Geldentwertung berücksichtigt:
( 300.000 € - 130.000 € ) : 2 = 85.000 €
(mein Anteil am Haus)

3. Möglichkeit: Die 100.000 € stellten beim Kauf des Hauses
einen Anteil von 100.000€/350.000€ = 2/7 am
Kaufpreis dar. Folglich beträgt das Erbe zum
jetzigen Zeitpunkt auch 2/7 des jetzigen
Hauswertes: 2/7 * 300.000 € = 85.700 €
Also: ( 300.000 € - 85.700 € ): 2
= 214.300 € : 2 = 107.150 €
( mein Anteil)

Welche der drei Berechnungen ( oder welche andere ) ist korrekt ?


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Sehr geehrte Ratsuchende,

wenn der Zugewinn des einen Ehegatten denjenigen des anderen übersteigt, so steht die Hälfte des Überschusses dem anderen Ehegatten als Ausgleichsforderung zu (§ 1378 Abs. 1 BGB). Unter Zugewinn ist derjenige Betrag zu verstehen, um den das Endvermögen eines Ehegatten das Anfangsvermögen übersteigt (§ 1373 BGB). Gemäß § 1375 Abs. 1 Satz 1 BGB ist das Endvermögen das Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten bei Beendigung des Güterstands gehört. Durch die Zustellung des Scheidungsantrags wird der Güterstand der Parteien beendet(§ 1384 BGB).

Dem Endvermögen ist das Anfangsvermögen gegenüberzustellen, also dasjenige Vermögen, das einem Ehegatten nach Abzug der Verbindlichkeiten beim Eintritt des Güterstandes gehört (§ 1374 Abs. 1 BGB). Eingetreten ist der Güterstand der Parteien mit der Eheschließung. Nach diesen Grundsätzen ist der jeweilige Zugewinn der Eheleute zu ermitteln.

Was als Anfangsvermögen gilt, regelt § 1374 BGB: Alle positiven Vermögenswerte abzüglich der bestehenden Verbindlichkeiten. Ein negativer Saldo wird dabei allerdings nicht berücksichtigt. Es ist also auch dann mindestens Null, wenn der Ehepartner verschuldet ist. Besonderheiten ergeben sich nun gerade aufgrund von Erbschaften, die während der Ehe anfallen. Diese werden gem. § 1374 II BGB dem Anfangsvermögen (und selbstverständlich auch dem Endvermögen) zugerechnet. Der andere Ehegatte soll von solchen Vermögenszuwächsen ausgeschlossen werden, mit denen er nichts zu tun hat.


Soweit die Erbschaft bei Beendigung der Ehe noch vorhanden ist, wird ihr Wert auch beim Endvermögen berücksichtigt. Insofern wird eine Erbschaft dem Anfangs- und dem Endvermögen hinzugerechnet.

Dem Anfangsvermögen wird die Erbschaft mit dem Wert hinzugerechnet, der zum Zeitpunkt des Vermögenserwerbs bestand. Dem Endvermögen wird die Erbschaft mit dem Wert hinzugerechnet, der bei Beendigung der Ehe vorliegt.


Es wird dann das gesamte Anfangsvermögen zur Berücksichtigung des Kaufkraftschwundes jeweils umgerechnet und zwar nach der Formel: Wert des Aktivermögens bei Beginn des Güterstandes x Lebenshaltungsindex zur Zeit der Beendigung des Güterstandes
: Lebenshaltungsindes zur Zeit des Beginns des Güterstandes.

Es erfolgt somit durch die Indexierung ein Inflationsausgleich. Aus dem rechnerischen Zugewinn wird so der ´unechte Zugewinn´, also die lediglich nominelle Erhöhung des Wertansatzes, die durch die Inflation bedingt ist, herausgerechnet.

Zudem ist für jeden Ehepartner der Zugewinn gesondert zu berechnen:

Insofern gehe ich davon aus, dass Sie beide Miteigentümer des Haus-Grundstückes mit jeweils ½ sind und Sie und Ihr Mann das Hausgrundstück während der Ehezeit erworben/bebaut haben, weitere Vermögenswerte nicht vorhanden sind (dies jedenfalls für die hier darzustellende Berechnung), keine Schuldbelastungen/Darlehn mehr für das Haus bestehen und das reine Anfangsvermögen eines jeden Ehegatten Null war.

Dies bedeutet, dass das Endvermögen jedes Ehegatten sich im Wert des hälftigen Miteigentum des Haus-Grundstückes darstellt, also sowohl für Sie als auch für Ihren Ehemann EUR 150.000,00 beträgt.

Das Erbe ist bei Ihrem Mann dem Anfangsvermögen zuzurechnen und zu indexieren. Ich unterstelle hier den von Ihnen angegebenen und von mir nicht näher geprüften Wert von EUR 130.000,00. Dieser Wert müsste bei der genauen Berechnung in jedem Fall – dies ist ganz wichtig – genau errechnet werden. Somit hätte dann Ihr Mann einen Zugewinn in Höhe von EUR 20.000,00 erzielt, Sie einen solchen in Höhe von EUR 150.000,00. Sie wären Ihrem Ehemann dann in Höhe von EUR 65.000,00 ausgleichspflichtig (EUR 150.000,00 ./. EUR 20.000,00 = EUR 130.000,00; EUR 130.000,00 : 2 = EUR 65.000,00).

Umgekehrt bedeutet dies: Würde man das Haus für EUR 300.000,00 verkaufen, so stünden jedem Miteigentümer EUR 150.000,00 zu. Abzüglich des Ausgleichsbetrages von EUR 65.000,00 würden Ihnen EUR 85.000,00 verbleiben.

Dreh- und Angelpunkt ist noch die Indexierung. Diese sollten Sie im maßgeblichen Zeitpunkt exakt berechnen lassen.

Ich hoffe, Ihnen hiermit einen ersten Überblick gegeben zu haben und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Ernst G. Mohr

Nachfrage vom Fragesteller 05.09.2007 | 16:37

Sehr geehrter Herr Mohr,

vielen Dank für Ihre schnelle und für uns sehr aufschlussreiche Antwort. Wir haben uns vom Statistischen Bundesamt per Internet die für uns zutreffenden Indices erfragt (Mehrere Teile des Erbes erhielt er zu verschiedenen Zeitpunkten).
Eine Frage haben wir noch:
Mein Mann und ich wollen uns entsprechend den einschlägigen Vorschriften vor Beginn des Scheidungsverfahrens über unsere Vermögensaufteilung einigen und diese Einigung schriftlich festhalten.
Genügt es dazu, sich diese Einigung und den Verzicht auf weitere gegenseitige Ansprüche von einem Notar rechtsverbindlich bestätigen zu lassen und die Vermögensangelegenheiten (abgesehen natürlich vom Versorgungsausgleich) damit aus dem Scheidungsverfahren herauszuhalten?

Vielen Dank und freundliche Grüße!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.09.2007 | 19:30

Eine Vereinbarung, die die Ehegatten während eines Verfahrens, dass auf die Auflösung der Ehe gerichtet ist, für den Fall der Auflösung der Ehe über den Ausgleich des Zugewinns treffen, bedarf der notariellen Beurkundung. Die notarielle Beurkundung kann durch eine gerichtliche Protokollierung der Vereinbarung im Verfahren ersetzt werden. Ferner bedürfen auch Verträge, die die Übertragung von Grundstücken, Immobilien, zum Gegenstand haben, der notariellen Beurkundung.

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Ernst G. Mohr

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