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Vermögensabwicklung bei Scheidung

13.11.2008 20:16 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Jutta Petry-Berger


Hallo,

folgendes Problem habe ich:

Mein Mann erbt (vor der Ehe) mit seinem Bruder ein Haus. Der Bruder wurde zu 50% ausbezahlt, dazu würde eine Hypothek aufgenommen, die ich mit unterschrieben haben. Diese Auszahlung erfolgte dann in der Ehe. Nach 3 Jahren wurde dieses Haus verkauft und ein neues gemeinsam angeschafft, wo ich zu 50% mit im Grundbuch stehe und auch alle Hypotheken mit unterschrieben habe. Wie sind die Besitzverhältnisse bei der Scheidung? Wird der geerbte Anfangswert des ersten Hauses vom Wert des zweiten Hauses abgezogen oder stehen wir jeder zu 50% für die Verpflichtungen und den Wert des Hauses gerade? Wie sieht es dann aus mit Geldern, die mit in die Ehe gebracht worden sind und dafür das neue gemeinsame Haus erworben worden ist?

Vielen Dank für eine schnelle Antwort im voraus!

Sehr geehrte Fragestellerin,

ich bedanke mich für Ihre online-Anfrage, zu der ich wie folgt Stellung nehme:

Zunächst müssen Sie zwischen der Vermögensauseinandersetzung und dem Zugewinnausgleich unterscheiden.

Die Vermögensauseinandersetzung zwischen Ihnen und Ihrem Ehemann erfolgt hinsichtlich der Vermögenswerte, die in Ihrem Miteigentum stehen. Dies bedeutet, dass der Erlös aus dem Verkauf des gemeinsamen Hauses entsprechend den Eigentumsverhältnissen Ihnen und Ihrem Ehemann zu je 50 % zusteht. Weiterhin sind die Verbindlichkeiten entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen von Ihnen und Ihrem Ehemann gesamtschuldnerisch zu tragen, so dass der Verkaufserlös nach Begleichung der Darlehen zwischen Ihnen und Ihrem Ehemann geteilt werden wird.

Erst im Rahmen des Zugewinnausgleiches ist zu bewerten, welche Vermögenswerte zum Zeitpunkt der Eheschließung vorhanden waren und was ist zum Zeitpunkt der Zustellung des Ehescheidungsantrages noch vorhanden ist. Zu dem Anfangsvermögen Ihres Ehemannes wird wohl die Erbschaft des hälftigen ersten Hauses, welches dieser sodann für den Erwerb des zweiten Hauses eingesetzt hat, und zu dessen Endvermögen der hälftige Wert des zweiten Hauses, abzüglich der anteiligen Verbindlichkeiten, zählen. Danach ist das Anfangsvermögen vom Endvermögen abzuziehen. Erst aufgrund des Vergleiches zwischen Anfangs- und Endvermögen wird festgestellt werden können, ob Ihr Ehemann einen Zugewinn erworben hat. Ist Ihr Zugewinn geringer als der Ihres Ehemannes, wird eine Zahlung an Ihre Person erfolgen müssen.

Was die Investitionen für das Haus betrifft, so werden diese - soweit der Beweis des jeweiligen Ehegatten dafür erbracht werden kann, dass sie bei Eintritt in den Güterstand der Ehe vorhanden waren - dem Anfangsvermögen des jeweiligen Partners zugerechnet werden. Der Zugewinn des Ehegatten, der die Investitionen aus seinem Vermögen nachweislich erbracht hat, reduziert sich im Ergebnis entsprechend.

Ich hoffe, Ihnen eine hilfreiche erste Orientierung gegeben zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
RA Petry-Berger

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