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Vermietung und Verpachtung, Abschreibungsdauer Küchen

| 13.07.2020 09:15 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

es geht um einen Streitfall mit dem Finanzamt:

wir hatten für zwei Wohnungen im Jahr 2007 bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zwei Küchen angeschafft gehabt (AK ca. EUR 8.000,00 und ca. EUR 7.500,00), welche fortan mit den Wohnungen zusammen vermietet worden waren. Die Mieteinnahmen wurden stets separat von Kaltmiete und Nebenkosten in der Steuererklärung ausgewiesen. Die Abschreibungsdauer hatten wir von Beginn an mit 20 Jahren angesetzt gehabt, da nach diesem Zeitraum dann die monatliche Miete von ca. EUR 30-40,00 die Anschaffungskosten kompensiert hätte.

Die Dauer der Abschreibung über 20 Jahre wurden seitens Finanzamt von Anfang an so akzeptiert, da dies auf einer separaten Anlage zur Steuererklärung erläutert und vermerkt gewesen war, welche jedes Jahr dem Finanzamt mit eingereicht worden war.

Mit der Steuererklärung 2018 erhielten wir nun seitens Finanzamt ein Schreiben, dass die Abschreibungsdauer von Küchen zehn Jahre beträgt und die Abschreibung folglich letztmalig im Jahr 2017 zu berücksichtigen gewesen sei. Zitat: „…Sie haben jedoch lediglich 50% der möglichen Abschreibung steuerlich geltend gemacht. Die Möglichkeit zum Abzug ist aufgrund des abgelaufenen Abschreibungszeitraums nicht mehr gegeben." Man kommt sich zum einen ein wenig veräppelt bzw. sogar betrogen vor, da zum einen jahrelang die Dauer von 20 Jahren so akzeptiert worden ist und es sich seit bestimmt 7-8 Jahren auch noch um dieselbe Sachbearbeiterin handelt, welche hier also im Bilde sein sollte. Nun soll einem einfach die Hälfte der Anschaffungskosten „geklaut" werden.

Dass die AfA-Dauer für Küchen bei zehn Jahren liegt und es hierzu wohl ein aktuelles Urteil gibt ist uns bekannt.

Unsere Fragen daher:
1. Ist die Vorgehensweise des Finanzamts - trotz der langen Handhabung – so rechtens? Gibt es keinen Vertrauensschutz o.ä.?
2. Kann die restliche AfA irgendwie „gerettet" werden? Als „Restabzug" im Jahr 2018 z.B.?
3. Kann die AfA-Dauer nicht weiterhin 20 Jahre betragen, da stets so gehandhabt worden ist?
4. Bitte gegebenenfalls um Mitteilung einer Gesetzesstelle oder eines Urteils.

Vielen Dank für Ihre Mühen.

Mit freundlichen Grüßen

15.07.2020 | 15:57

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihre Frage unter Zugrundelegung Ihrer Angaben wie folgt:

Im Kern geht es bei Ihrer Frage eigentlich darum, ob Sie an die Abschreibungstabellen, was die Abschreibung Ihrer Küchen anbetrifft, gebunden sind.

In dem Urteil des BFHs vom 3.8.2016 (IX R 14/15 ) wurde diese Frage nicht geklärt, es ging lediglich darum, dass eine Einbauküche nicht sofort absetzbar ist, sondern zwingend abgeschrieben werden muss.

Bei der Nutzungsdauer von 10 Jahren richtet sich das Gericht nach den Tabellen und bisheriger Rechtsprechung.

Wie verbindlich sind nun diese AfA-Tabellen?

So entschied das Finanzgericht Niedersachsen in seinem Urteil vom 9. Juli 2014 (Az. 9 K 98/14 ) folgendes:

AfA-Tabellen haben den Charakter einer Dienstanweisung.
Die Richter verkündeten, dass die AfA-Tabellen des BMF für das Finanzamt den Charakter einer Dienstanweisung haben. Mit anderen Worten: der Fiskus muss sich an die vorgegebenen Abschreibungssätze der AfA-Tabelle halten und darf hiervon zumindest so lange nicht zu Ungunsten des Steuerpflichtigen abweichen, als die Erfahrungswerte der Tabelle den Einzelfall vertretbar abbilden.
Für den Steuerpflichtigen und das Finanzgericht hingegen handele es sich bei den AfA-Tabellen lediglich um ein Angebot der Finanzverwaltung für eine tatsächliche Verständigung im Rahmen der Schätzung der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer. Dieses Angebot der Finanzverwaltung darf also angenommen werden – es muss aber nicht.
Bringt der Steuerpflichtige plausible Gründe vor, warum für ein Wirtschaftsgut eine kürzere Nutzungsdauer angenommen werden muss als in den amtlichen AfA-Tabellen „vorgeschlagen", z.B. weil eine Maschine vor Ende der steuerlichen Nutzungsdauer technisch unbrauchbar sein wird oder den rechtlichen Vorgaben nicht mehr entsprechen würde, so darf eine kürzere Nutzungsdauer berücksichtigt werden.
Will hingegen der Fiskus zu Ungunsten des Steuerpflichtigen von den Vorgaben seiner eigenen AfA-Tabellen abweichen, muss er dies deutlich besser begründen: Es sei in diesem Fall eine „detaillierte Auseinandersetzung mit den eigenen Erkenntnisgrundlagen erforderlich", wobei Schätzungenauigkeiten in der AfA-Tabelle hinzunehmen seien.

In Ihrem Fall gibt es gute Gründe, hier ausnahmsweise eine verlängerte Abschreibung anzusetzen, wie geplant.

Dies sollten Sie auch so Ihrem Finanzamt mitteilen und ggf. Einspruch erheben.

Eine andere Alternative wäre nur diejenige, sämtliche Steuerbescheide, deren Festsetzungsverjährung noch nicht eingetreten ist, rückwirkend zu ändern und zwar unter Zugrundelegung des 10 Jahres Wertes, verteilt auf die Zeiträume der noch änderbaren Bescheide.

Beantragen Sie nach Wahl des Finanzamt beides und legen Sie notfalls Einspruch ein.

Sie haben Recht: Dem Finanzamt hätte dies schon damals bekannt sein sollen und müssen und dies darf nicht zu Ihren Lasten gehen.

Deshalb wird man Ihnen hier helfen müssen.

Ist die AfA nach § 7 Abs. 1 oder Abs. 4 Satz 2 EStG ganz oder teilweise unterblieben, kann sie auf die Weise nachgeholt werden, dass die noch nicht abgesetzten Anschaffungs- oder Herstellungskosten (Buchwert) entsprechend der bei dem Wirtschaftsgut angewandten Absetzungsmethode auf die noch verbleibende Restnutzungsdauer verteilt werden, so dass auch die Abschreibung als Rest in 2018 angesetzt werden könnte.

Ich halte alle Alternativen für machbar.

Sie müssen sich in jedem Fall mit Ihrem Finanzamt auseinandersetzen, denn selbst, sollte keine der Möglichkeiten akzeptiert werden, sehe ich hier eine staatshaftungsrechtlichen Schadensersatzanspruch Ihrerseits für möglich.

Gerne helfe ich Ihnen hier weiter.

Viele Grüße!








Bewertung des Fragestellers 17.07.2020 | 09:14

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