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Vermächtnis durchsetzen


14.08.2007 16:56 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Guido Matthes



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um Rat bei folgendem Sachverhalt.

Meine Großmutter ist kürzlich verstorben und hat mir durch ein notariell erstelltes Testment ihr Haus icl. sämtlichem Inventar vermacht.

Als Erben wurden meine Mutter und meine Tante(Schwester meiner Mutter) zu je 1/2 Anteil eingesetzt.

Meine Tante ist aber mit dem Vermächtnis nicht einverstanden und weigert sich, mir das Haus zu überlassen.

Falls die Situation eskaliert und vor Gericht endet, möchte ich gerne wissen, ob ich eventuell das Vermächtnis aufgrund irgenwelcher Umstände verlieren könnte, oder ob ich in jedem Fall Anspruch darauf habe.

Welche rechtlichen Mittel wären denkbar, um meine Tante zu zwingen dem Vermächtnis zuzustimmen ?

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Sehr geehrter Fragesteller,

es ist durchaus möglich, dass Sie das Vermächtnis im Streitfall nicht erhalten.

Ein solcher Fall wäre dann gegeben, wenn sich das Testament der Großmutter aus welchem Grund auch immer als nichtig bzw. unwirksam herausstellen würde. In diesem Fall würde das Testament einschließlich des Vermächtnis als von Anfang nicht geschrieben gelten und die gesetzliche Erbfolge eintreten. Im Rahmen der gesetzlichen Erfolge wären Sie als Enkel nicht am Erbe beteiligt; Erbe wären dann Mutter und Tante.

Eine Möglichkeit Ihrer Tante auf eine Nichtigkeit des Testamentes hinzuwirken, liegt möglicherweise in einer Anfechtung nach § 2078 ff. BGB. Ob allerdings die Voraussetzungen und insbesondere ein Anfechtungsgrund vorliegt, sollte eingehend erörtert werden.

Falls Sie das Vermächtnis angenommen haben und die Erben das Vermächtnis nicht freiwilliig erfüllen, kommte eine Geltendmachung durch eine Klage gegen die Erben in Betracht.

Da Sie Ihre Frage sehr pauschal gestellt haben und wegen der erheblichen Bedeutung der Angelegenheit, empfehle ich Ihnen dringend persönlich einen Anwalt aufzusuchen und sich in dieser Angelegenheit ausführlich beraten zu lassen. Eine Online-Beratung ersetzt diesen Gang in dieser Sache auf keinen Fall. Insbesondere wird es erforderlich sein, die Gründe zu erörtern, die die Tante zu ihrer Weigerung veranlassen, um so das mögliche Prozess- und Kostenrisiko abschätzen zu können. Die genannten Gründe aus denen das Vermächtnis entfallen kann, sind sicherlich die Ausnahme, aber nicht abschließend und dürfen gleichwohl nicht vernachlässig werden.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick verschafft zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Matthes
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 14.08.2007 | 17:59

Ich bin zwar kein Jurist, aber da das Testament notariell erstellt worden ist und der Notar die geistige Zurechnugsfähigkeit bestätigt hat und meine Großmutter auch sonst nicht durch irgendetwas bei ihrem Handeln beeinflusst wurde, glaube ich kaum, das es möglich ist, das Testament für unwirksam zu erkären.

Desweiteren ist die Sachlage im Testament auch recht eindeutig : Ich bekomme das Haus, die Erben den Rest jeweils zur Hälfte. Dies lässt eigenlich kaum Raum für Interpretationen, was den letzten Willen meiner Großmutter angeht.

Wäre ich nach der jetzigen Lage berechtigt mich eigenmächtig ins Grundbuch eintragen zu lassen?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 14.08.2007 | 21:19

Ich stimme Ihnen zu, dass bei einem notariellen Testament viel dafür spricht, das dieses auch wirksam ist. Trotzdem sollten die Gründe für die Weigerung der Tante dahingehend geprüft werden, ob die Einwendungen begründet sind oder nicht.

Sie können sich nicht eigenmächtig ins Grundbuch eintragen lassen. Der Vermächtnisnehmer hat (nur) einen Anspruch gegen die Erben auf Verschaffung des Eigentums. Sie müssen daher die Auflassung und Eintragung des Eigentums von den Erben verlangen. Wirken die Erben nicht freiwillig mit, muss geklagt werden.

Mit freundlichen Grüßen

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