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Verlustvortrag in ESt.-Erklärung falsch eintragen

| 25.06.2020 15:40 |
Preis: 50,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Elisabeth v. Dorrien


Zusammenfassung: Verlustvortrag noch nicht aufgebraucht.

Guten Tag,
vielen Dank für Ihre Einschätzung bezüglich des im folgenden dargestellten Sachverhalts.

Während meines Master-Studiums habe ich Verluste geltend gemacht, sodass vom FA zum 31.12.2016 10.000 Euro Verlustvortrag festgestellt worden sind. Im Jahr 2017 hatte ich ein Einkommen von ca. 15.000 Euro und habe in der ESt.-Erklärung fälschlicherweise die 10.000 Euro mit dem Hinweis "Verlustvortrag zum 31.12.2016" in den Werbungskosten eingetragen. Dies hat dazu geführt, dass mein Einkommen im Bescheid für 2017 zunächst durch die Werbungskosten um 10.000 Euro gemindert wurde und anschließend nochmal der automatische Abzug des Verlustvortrags erfolgte. Demnach ist zum 31.12.2017 ein Verlust von -5.000 Euro entstanden. Meine Steuerlast in 2017 wäre auch bei korrekter Erklärung gleich null gewesen, sodass sich in 2017 kein direkter Stuervorteil ergibt. Es wurde von mir zudem kein Antrag auf Feststellung des Verlustes zum 31.12.2017 gestellt.

Trotzdem hat das FA den Verlust i.H.v. 5.000 Euro im Bescheid für 2018 berücksichtigt. Diesmal hatte ich in der ESt.-Erklärung natürlich keinerlei Angaben mehr hierzu gemacht. An dieser Stelle entsteht mir jetzt durch meinen ursprünglichen Fehler ein Vorteil, wobei ich diesen nicht aktiv - durch Beantragung der Feststellung des Verlustes - erzielt habe. Erkannt habe ich diesen Vorteil bzw. den Fehler zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Es kam mir lediglich etwas komisch vor.

Mit dem Bescheid für 2019 hat das FA nun erneut Verluste i.H.v. 5.000 Euro berücksichtigt. Ich hatte die ESt.-Erklärung natürlich wieder ganz normal und ohne jeglichen Hinweis auf Verluste im Vorjahr ausgefüllt. Hierbei müsste es sich nach meinem Verständnis um einen Fehler des FA zu meinen Gunsten handeln. Spätestens jetzt hätte der ursprüngliche Verlust ja "aufgebraucht" sein müssen.

Noch einmal zusammenfassend: Mein versehentlicher Fehler im Zusammenhang mit dem Verlustvortrag war die separate Eintragung in den Werbungskosten. Anschließend habe ich nirgends aktiv gehandelt, sei es durch Beantragung der Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags oder durch geltend machen irgendwelcher Verluste im Rahmen der ESt.-Erklärung.

Mich interessiert nun Ihre Einschätzung dieses Falles insbesondere in Bezug auf die folgenden Punkte:
- Hätte das Finanzamt den falsch aber mit konkretem Hinweis versehenen Verlustvortrag in den Werbungskosten erkennen müssen?
- Im Jahr des Fehlers kam es nicht zu einem Steuervorteil. Außerdem wurde nicht versucht einen Verlust zum 31.12.2017 feststellen zu lassen. Wie ist Ihre Einschätzung dieser Situation bzgl. des Straftatbestands der Steuerhinterziehung?
- Nach meinem Kenntnisstand muss ich das Finanzamt nicht auf Fehler zu meinen Gunsten hinweisen. Jetzt ist es in diesem Fall sicherlich etwas komplexer. Basierend auf den dargestellten Informationen: Wie wäre Ihr Rat bezüglich des weiteren Vorgehens?
(Zu Ihrer Information: Meine Einstellung wäre es zunächst keine schlafenden Hunde zu Wecken und zu hoffen, dass in 2020 nicht erneut 5.000 Euro eingetragen werden und die Situation somit entspannt wird)

Besten Dank für Ihre Einschätzung.
Freundliche Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Vorausschicken möchte ich den Hinweis, dass es sich nur um eine erste Einschätzung handeln kann, denn ohne Kenntnis der konkreten Steuerbescheide kann sich kein Anwalt seriöserweise festlegen.

Mir scheint hier alles korrekt gelaufen zu sein - Sie haben keine Steuerverkürzung bewirkt. Vielmehr wurde der Verlustvortrag im Veranlagungsjahr 2017 nicht aufgebraucht, denn Sie schreiben ja, dass es auch ohne Verlustvortrag zu einer Steuerfestsetzung=0 gekommen wäre. Dann wird aber der Verlustvortrag "weitergetragen", bis er verbraucht ist.

Insofern haben Sie keine falschen Angaben gemacht, was für die Annahme einer vorsätzlichen Steuerhinterziehung aber Voraussetzung wäre. Neben der Angabe unter "Werbungskosten" haben Sie ja sicher das Kästchen "Erklärung zur Feststellung des Verlustvortrages" angekreuzt, so dass das Finanzamt von selbst die Sachlage überprüft.

Hier mache ich allerdings die Einschränkung, dass nicht unbedingt ein Sachbearbeiter die Erklärung überprüft, da (zumal wenn Sie Ihre Erklärung mittels ELSTER eingereicht haben) das EDV-System die Auswertung vornimmt. Um ganz sicher zu sein, dass Sie nichts falsch gemacht haben, empfehle ich Ihnen, bei dem auf dem letzten Steuerbescheid angegebenen Sachbearbeiter anzurufen und nachzufragen. Denn das ist der beste Weg, um einem Vorwurf wegen Steuerhinterziehung zu entgehen.

Das hat nichts mit den schlafenden Hunden zu tun, weil die ohnehin meist irgendwann wach werden. Sie aber können so auf jeden Fall besser schlafen.

Wenn noch etwas unklar geblieben ist, fragen Sie gerne nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Nachfrage vom Fragesteller 28.06.2020 | 19:32

Sehr geehrte Frau von Dorrien,

vielen Dank für Ihre Einschätzung bezüglich des dargestellten Sachverhalts. Hierzu möchte ich die Eingangs dargestellte Ausgangssituation im Jahr 2017 noch einmal präzisieren. In diesem Jahr wurde der angesammelte Verlust, durch einen Fehler doppelt berücksichtigt - Aus meiner Sicht aufgrund der Tatsache, dass ich ihn manuell bei den Werbungskosten eingetragen habe und die Erklärung dann direkt durch das EDV-System gerutscht ist. Trotzdem kam unmittelbar in diesem Jahr kein Steuervorteil zustande, da das Einkommen auch mit einfacher Abrechnung des Verlustes aus den Vorjahren unter dem Freibetrag gelegen hätte. Jetzt kommt es durch die doppelte Berücksichtigung in 2017 jedoch zu einem Vorteil in 2018. Ich habe in der Erklärung für 2017 übrigens nicht mehr den Haken "Erklärung zur Feststellung des Verlustvortrages" gesetzt, da ich ja eigentlich wusste, dass kein Verlust mehr in 2018 weiterzugeben ist. Trotzdem ist es dann in 2018 zu dem Verlust gekommen, der dann im Steuerbescheid auftaucht.

Vielleicht können Sie Ihre Antwort bezüglich diesen Punktes noch einmal präzisieren.

Besten Dank und freundliche Grüße.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 28.06.2020 | 20:49

Sehr geehrter Fragesteller, vielen Dank für Ihre freundliche Nachfrage!

Ich bin immer noch der Meinung, dass alles "mit rechten Dingen" zugegangen ist, weil sich der (korrekte) Verlust in 2017 nicht ausgewirkt hat und deshalb weiter vorgetragen wurde. Um da aber ganz sicher zu gehen, würde ich Sie gerne bitten, wenn es Ihnen möglich ist, mich morgen vormittag einfach mal anzurufen, damit wir Ihren Bescheid von 2017 zusammen durchgehen können. Wäre das für Sie in Ordnung?

Bis dann und einen schönen Abend!

EvD

Bewertung des Fragestellers 30.06.2020 | 12:08

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"Frau von Dorrien hat sehr umfassend und freundlich geantwortet. Zudem haben wir Ihre Antwort nach der Durchsicht von weiteren Unterlagen in einem ausführlichen Telefonat noch einmal sehr detailliert besprochen. Ich kann Frau von Dorrien daher uneingeschränkt weiterempfehlen. Vielen Dank!"
Stellungnahme vom Anwalt:
Ich danke Ihnen für einen interessanten Fall und freue mich über Ihre freundliche Bewertung!