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Verlorene Unterlagen - Schadensersatz

11.02.2013 17:06 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

kürzlich brach ich meine Ausbildung zur RA-Fachangestellten in einer Kanzlei ab. Der Grund hierfür war in erster Linie die Tatsache, dass mein ehemaliger Chef schwerwiegende Vorwürfe gegen mich hat.

Es sind wertvolle Unterlagen von Mandanten (u. a. notariell beurkundete Kaufverträge einer Eigentumswohnung) verloren gegangen. Da diese Unterlagen essentiel für die Geltendmachung von Ansprüchen waren, werden die Mandanten evtl. Schadensersatz von der Kanzlei fordern. Hierbei kann es sich um einen Betrag von ca. 100000 EUR handeln.

Mir wurde die Aufgabe erteilt die Akte in der Angelegenheit anzulegen. Da ich dies zeitlich an diesem Tag nicht mehr schaffte, übertrug ich mündlich die Aufgabe an meinen Kollegen, damit er dies am nächsten Tag erledigen konnte, während ich in der Berufsschule war. Als mein ehemaliger Chef die Akte nach einigen Tagen bearbeiten wollte, fiel ihm auf, dass diese nicht angelegt war. Mein Kollege hat es nämlich am nächsten Tag stressbedingt ebenfalls nicht geschafft sie anzulegen.

Wo die Unterlagen an sich nun sind, weiß keiner. Ich selber vermute, sie wurden versehentlich! einfach weggeschmissen (wie salopp das auch klingen mag).
Mein Kollege sagte, dass er den Stapel an Aufgaben, den er an dem besagten Tag nicht mehr geschafft hat, mir einfach auf den Tisch lag, damit ich diesen weiterbearbeiten kann. Ob die nunmehr verlorenen Unterlagen dabei waren, kann ich jetzt nicht mehr sagen.

Mein Chef denkt nun, dass ich die Unterlagen versteckt habe, damit ich keinen Ärger bekomme, dass die Akte nicht fristgerecht angelegt wurde.
Wir hatten neue Akten immer bis spätestens den nächsten Tag anzulegen.

Dies ist aber ganz gewiss nicht der Fall.

Es gibt allerdings einige Punkte die gegen mich sprechen: als klar wurde, dass die Unterlagen verloren gegangen sind, habe ich mich krankschreiben lassen, da ich schlichtweg keine Lust darauf hatte, dass wir, das Sekretariat, bestehend ausschließlich aus Azubis, uns immer wieder in Schwierigkeiten bringen, da wir haushoch im Stress sind und uns immer wieder dafür rechtfertigen müssen etwas zeitlich nicht zu schaffen, wenn unsere 3! Chefs uns keine ausgebildete RA-Fachangestellte an die Seite stellen, die uns unterstützen könnte. Ich spielte bereits damals mit dem Gedanken zu kündigen, da in der Kanzlei das reinste Chaos herrscht. Des Weiteren habe ich zugegebenermaßen meinen Chefs zu Beginn meiner Ausbildung in Bezug auf die Berufsschule nicht immer ganz die Wahrheit gesagt, ich schwänzte oft und brachte nur sehr fragwürdige Entschuldigungen dar. Trotzdem wurde ich nicht gekündigt o. ä., weil ich mir stets Mühe gab auf der Arbeit zu brillieren und es sich für die Anwälte nicht so schnell jemand finden lässt, der sich so wie ich ausnutzen lässt.
Was aber nunmehr am stärksten gegen mich spricht ist die Tatsache, dass ich nach einem sehr intensiven (Streit-)Gespräch kündigte, was evtl. auch als Fluchtinstinkt gewertet werden kann.

Meine Frage ist nun, welche Ansprüche kann mein ehemaliger Chef gegen mich und die anderen zwei Azubis geltend machen, wenn er keine Beweise hat, dass wir die Unterlagen geklaut haben?
Anzumerken ist, dass wir drei Azubis in einem Gespräch mit den evtl. zu Schaden gekommenen Mandanten eine Bestätigung unterschrieben, in der es heißt, dass wir für die Wiederherstellung der Unterlagen ggf. finanziell Sorge tragen werden. In der Bestätigung war aber nie von Schadensersatz o. ä. die Rede. Nach Aufforderung der Mandanten unterschrieb auch mein ehemaliger Chef so eine Versicherung. Dieser sagte aber, dass er zwar für die Forderungen wie Schadensersatz und Wiederherstellung der Unterlagen der Mandantschaft aufkommen wird, dieses Geld wird er aber von uns drei Azubis wieder verlangen. Auf welcher Rechtsgrundlage kann er dies machen? Wir sind doch lediglich Azubis, die zwar offensichtlich nicht allzu vorsichtig mit den Unterlagen umgegangen sind, dennoch haben wir gewiss niemandem mit Absicht einen Schaden zufügen wollen. Außerdem würde mich interessieren, ob er tatsächlich die Polizei bzw. ein Ermittlungsverfahren zur Sache ziehen könnte. Das würde mir tatsächlich etwas Angst machen, da o.g. Punkte gegen mich als Person sprechen.

Außerdem müsste die Mandantschaft um bei meiner alten Kanzlei Schadensersatz geltend machen zu können, zunächst doch beweisen, dass deren eigentliche Gegner ihnen einen Schaden zukommen ließen bzw. ihnen Geld schulden. Warum dann nicht gleich von ebendenen das Geld verlangen?

Für eine zeitnahe Antwort bedanke ich mich bereit jetzt.

11.02.2013 | 19:59

Antwort

von


(143)
Mühltorstr. 9/1
71364 Winnenden
Tel: 07195/589260
Web: http://www.rems-murr-kanzlei.de
E-Mail:

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, daß dieses Forum lediglich die Funktion hat, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage zu geben. Eine persönliche Beratung kann durch Ihre Anfrage nicht ersetzt werden.

Grundsätzlich könnte Ihr Chef dann Schadensersatz von Ihnen verlangen, wenn er Ihnen nachweisen könnte, dass Sie im Rahmen Ihres Berufsausbildungsverhätnisses eine vorsätzliche Pflichtverletzung begangen haben.

Auszubildende haben die Pflicht, die ihnen im Rahmen ihrer Berufsausbildung
aufgetragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen. Die vom Auszubildenden anzuwendende Sorgfalt bemisst sich nach der
Einsichtsfähigkeit und den Kenntnissen, die je nach Ausbildungsstand
erwartet werden können.

Meines Erachtens müsste allerdings hier, wenn zutrifft das die Akten unbeabsichtigt "verloren" gegangen sind und der Mandant einen Schaden hat, die Berufshaftpflichtversicherung Ihres ehemaligen Arbeitgebers für den Schaden eintreten, da hier ein sog. Organisationsverschulden bzw. Überwachungsverschulden angenommen werden könnte.

Sie schreiben, dass Sie "in einem Gespräch mit den evtl. zu Schaden gekommenen Mandanten eine Bestätigung unterschrieben, in der es heißt, dass Sie für die Wiederherstellung der Unterlagen ggf. finanziell Sorge tragen werden" würden. Ohne nähere Kenntnis des genauen Wortlauts dieser "Bestätigung" kann ich Ihnen diesbezüglich keine näheren Auskünfte erteilen, inwiefern sich hieraus Ansprüche Ihres ehemaligen Arbeitgebers ableiten lassen könnten.

Geht Ihr ehemaliger Arbeitgeber von einem Diebstahl der Unterlagen durch Sie aus, steht es ihm natürlich frei, gegen Sie Strafanzeige zuerstatten. Vom Abluf her wäre es dann so, dass Sie von der Polizei eine Vorladung erhalten würden, in der Sie aufgefordert werden würden, zu einer Vernehmung in dieser Sache als Beschuldigte auf die Dienststelle zu erscheinen. Dieser Ladung müssen Sie nicht folge leisten, und auch bei Nichtbefolgung keine Konsequenzen daraus fürchten.

Sollte es zu einer solchen Ladung kommen, rate ich Ihnen einen Kollegen vor Ort aufzusuchen, damit dieser Akteneinsicht beantragen kann und so ggfls. mit Ihnen effektiv eine Verteidigung besprechen kann.

Ich hoffe, meine Antwort hat Ihnen hinsichtlich einer ersten Einschätzung weitergeholfen. Bedenken Sie bitte, dass ich Ihnen hier im Rahmen einer Erstberatung ohne Kenntnis aller Umstände keinen abschließenden Rat geben kann. Sofern Sie eine abschließende Beurteilung des Sachverhaltes wünschen, empfehle ich, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren und die Sachlage mit diesem bei Einsicht in sämtliche Unterlagen konkret zu erörtern

Mit freundlichen Grüßen
Rechtsanwalt Philipp Wendel


ANTWORT VON

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