Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.252
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Verkäufer will vom Vertrag zurücktreten


| 03.01.2007 08:58 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von


in unter 1 Stunde

Auf der neuen Auktionsplattform auvito.de wurden am 28.12. 100 Aquarienpumpen zu einem Preis von 1,40 EUR für Sofortkauf und 11,50 EUR Auktionspreis mit Auktionsende am frühen Nachmittag des 31.12.2006 eingestellt. Zunächst hielten wir das für einen Tippfehler. Am 30.12. stand das Angebot immer noch unverändert da, jedoch waren inzwischen nur noch 99 Stück verkäuflich. Aus der Überlegung heraus, dass es sich möglicherweise um den günstigen Abverkauf von Naturalrabatten mit dem Zweck des Erlangens positiver Bewertungen handeln könnte, orderten wir 20 Stück und zahlten sofort per PayPal.
Am 31.12. lag der Restbestand noch bei 69 Pumpen, die wir kurz vor Auktionsende per Sofortkauf erstanden und ebenfalls sofort per PayPal bezahlten.
Gegen Abend des 31.12. erhielten wir 2 eMails: eine von PayPal über die Rücküberweisung der zweiten Zahlung und eine vom Verkäufer, der sinngemäß schrieb, dass es sich bei dem Angebot um einen Irrtum gehandelt habe. Seine eigenen AGB enthalten keinerlei Hinweis auf ein Rücktrittsrecht des Verkäufers. Nach den AGB von auvito.de kommt der Kaufvertrag mit Abgabe eines Gebotes oder einem Sofortkauf zustande.
Wir meinen, dass die von der Einstellung des Angebotes bis zum ersten Kauf verstrichene Zeit ausgereicht hätte, einen eventuellen Schreibfehler zu korrigieren. Unsere Recherchen haben ergeben, dass derselbe Händler bei ebay die gleiche Pumpe in 3 Shop-Artikeln anbietet: einmal mit einem Restbestand von 4 Stück, einmal 992 Stück zu jeweils 13,50 EUR als Sofort&Neu-Angebot, des weiteren als 2-er Pack mit einer Reststückzahl von 995 Verpackungseinheiten zum Preis von 26,- EUR. Bei derartigen Stückzahlen ist ein Naturalrabatt von 100 Exemplaren eher wahrscheinlich als ausgeschlossen.
Zwischenzeitlich hat der Händler seine sämtlichen Angebote bei auvito.de gelöscht. Einer negativen Bewertung ist zu entnehmen, dass auch ein anderer Käufer auf das ausgesprochen günstige Angebot hereingefallen ist.

Unsere Frage:
Können wir auf der Erfüllung der beiden Kaufverträge bestehen oder gibt es eine Irrtums-Rückzugsmöglichkeit seitens des Verkäufers?

Mit freundlichen Grüßen
eng-cons

03.01.2007 | 09:21

Antwort

von


344 Bewertungen
Austr. 9 1/2
89407 Dillingen a. d. Donau
Tel: 09071/2658
Web: www.rechthilfreich.de
E-Mail:
Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für die Anfrage, die ich wie folgt beantworte:

Es ist tatsächlich davon auszugehen, dass sich der Verkäufer in einem beachtlichen Irrtum befand. Die Anfechtung des Rechtsgeschäfts nach § 119 Abs. 1 BGB erfolgte im Sinne des § 121 BGB auch unverzüglich, da sie Ihnen bereits am 31.12.2006 per eMail übermittelt wurde.

Es ist zu prüfen, ob Sie nach § 122 BGB Schadensersatzansprüche geltend machen können. Dieser Schadensersatzanspruch wäre auf den sogenannten Vertrauensschaden begrenzt. Zu ersetzen wären also die Kosten, die im Vertrauen auf die Gültigkeit des Geschäfts gemacht wurden. Der Anspruch wäre auf das Erfüllungsinteresse nach oben begrenzt.

Nach erster Beurteilung der Sach - und Rechtslage gehe ich allerdings davon aus , dass der beschriebene Schadensersatzanspruch nach § 122 Abs. 2 BGB ausgeschlossen ist.
Der Anspruch ist nämlich ausgeschlossen, wenn der Beschädigte den Grund der Anfechtbarkeit kannte oder infolge von Fahrlässigkeit nicht kannte ( kennen musste ). Sie selbst hielten auf Grund der objektiven Umstände des Angebots dieses zunächst für einen Tippfehler, sodass ich Schadensersatzansprüche für ausgeschlossen erachte.

Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche noch für das neue Jahr alles Gute und viel Erfolg bei Ihrem Unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Kohberger
Rechtsanwalt


Rechtsanwalt Michael Kohberger

Ergänzung vom Anwalt 03.01.2007 | 10:40

Wird dem Geschäftsgegner lediglich das Ergebnis der Berechnung, nicht aber die Kalkulation mitgeteilt, stellen etwaige Berechnungsfehler einen unerheblichen Motivirrtum dar und begründen somit kein Anfechtungsrecht.

Irrt sich der Erklärende jedoch über den Inhalt seiner Erklärung, so liegt nach allgemeiner Auffassung nach § 119 Abs. 1 Alt. 1 ein zur Anfechtung berechtigender Irrtum über den Erklärungsinhalt vor.

Ich mutmaße, dass der Verkäufer die Verkaufsmodalitäten beim
" Sofortkauf" und " Verkauf zum höchsten Gebot" verwechselt hat und daher weder ein Tipp - noch ein Kalkulationsirrtum, sondern ein beachtlicher Irrtum über den Erklärungsinhalt besteht.
Bewertung des Fragestellers |


Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"herzlichen Dank für die schnelle Antwort. Demnach gibt es also doch ein Hintertürchen, wenn man sich verkalkuliert oder vertippt hat. "
Mehr Bewertungen von Rechtsanwalt Michael Kohberger »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER
5/5.0

herzlichen Dank für die schnelle Antwort. Demnach gibt es also doch ein Hintertürchen, wenn man sich verkalkuliert oder vertippt hat.


ANTWORT VON

344 Bewertungen

Austr. 9 1/2
89407 Dillingen a. d. Donau
Tel: 09071/2658
Web: www.rechthilfreich.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Arbeitsrecht (Arbeiter und Angestellte), Mietrecht, Straßenverkehrsrecht, Strafrecht, Internet und Computerrecht