Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Vergnügungsfahrt während Krankschreibung

| 12.09.2013 11:46 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


13:06

Zusammenfassung: Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer muss sich so verhalten, dass die Genesung nicht gefährdet wird. Anderenfalls riskiert er eine Abmahnung oder sogar die Kündigung.

Wir sind eine Facharztpraxis mit 2 Vollzeitkräften, 4 Teilzeitkräften, 3 Mitarbeiterinnen auf 400€ Basis, sowie einer Auszubildenden. Nun ist eine Mitarbeiterin, die auf 400€-Basis arbeitet, seit dem 14.08.13 Krank geschrieben und hat am 02.09.13 eine Verlängerung bis zum 27.09.13 bekommen. Sie hatte eine ambulante Hüft-OP.
Im Arztbrief steht, dass sie wieder voll belastbar ist. Sie selbst sagt, dass sie nicht so lange sitzen könne. Für heute und morgen hatte sie ursprünglich Urlaub beantragt. Das ist ja nun hinfällig, da sie ja einen AU hat. Trotzdem ist sie heute morgen am Bahnhof gesehen worden, wie sie mit ihrem Frauenclub eine Vergnügungsfahrt angetreten hat. Was kann ich als Arbeitgeber tun? Ich bin darüber ebenso verärgert, wie auch meine anderen Mitarbeiterinnen es sind. Sie haben bedingt durch Urlaubszeit und Krankenstände erhebliche Mehrarbeit. Das Verhalten dieser Mitarbeiterin ist äußerst unkollegial. Aber was habe ich für rechtliche Möglichkeiten? Über eine baldige Antwort würde ich mich freuen. Vielen Dank!
12.09.2013 | 12:49

Antwort

von


(9)
Berliner Allee 14
30175 Hannover
Tel: 0511 2359483
Web: http://www.karoff-moehring.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegeben Informationen verbindlich wie folgt beantworten:


Dass sowohl Sie als auch die Kolleginnen über das Verhalten der Arbeitnehmerin verärgert sind, ist nur allzu verständlich. Tatsächlich drängt sich der Eindruck auf, dass hier gegen arbeitsvertragliche Pflichten verstoßen wurde.

Bei dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Arbeitnehmerin ist gar nicht mehr arbeitsunfähig, in diesem Fall würde sie sich die Lohnfortzahlung erschleichen. Sie könnten für die Zeit, in der die Arbeitnehmerin tatsächlich nicht mehr arbeitsunfähig war, die Lohnfortzahlung verweigern. Da sie ihre Arbeitsleistung nicht erbracht hat, könnten Sie den Lohn einbehalten. Allerdings wären Sie im Falle des Streites beweispflichtig dafür, dass die Mitarbeiterin nicht arbeitsunfähig war. Dies dürfte wohl nur mit Hilfe von Gutachten der Fall sein und würde einen hohen Aufwand bedeuten.

Die andere Möglichkeit ist, dass Sie davon ausgehen, dass die Mitarbeiterin noch arbeitsunfähig ist, dann müsste sie sich allerdings so verhalten, dass sie bald wieder gesund wird und an ihren Arbeitsplatz zurückkehren kann. Sie hätte alles zu unterlassen, was ihre Genesung verzögern könnte. Ein erkrankter Arbeitnehmer hat insoweit auf die schützenswerten Interessen des Arbeitgebers, die sich unter anderem aus der Verpflichtung zur Entgeltfortzahlung ergeben, Rücksicht zu nehmen. Es kann ein pflichtwidriges Verhalten vorliegen, wenn ein Arbeitnehmer bei bescheinigter Arbeitsunfähigkeit den Heilungserfolg durch gesundheitswidriges Verhalten gefährdet. Damit verstößt er nicht nur gegen eine Leistungspflicht, sondern zerstört insbesondere auch das Vertrauen des Arbeitgebers in seine Redlichkeit. Dies ist nicht nur dann der Fall, wenn der Arbeitnehmer während der Krankheit nebenher bei einem anderen Arbeitgeber arbeitet, sondern kann auch gegeben sein, wenn er Freizeitaktivitäten nachgeht, die mit der Arbeitsunfähigkeit nur schwer in Einklang zu bringen sind (BAG, Urt. v. 02.03.2006 - 2 AZR 53/05).

Zwar ist nicht bekannt, wohin die Zugfahrt führte und wie lange die Arbeitnehmerin dafür sitzen musste. Da sie Ihnen gegenüber aber angegeben hat, der Grund für die andauernde Erkrankung sei, dass sie nicht sitzen könne, ist ihr Verhalten zumindest widersprüchlich. Allerdings könnte sie gegen dieses Argument einwenden, im Zug habe sie die Möglichkeit hin und wieder aufzustehen. Dies dürfte für die Tätigkeit in Ihrer Praxis aber auch gelten.

Als Arbeitgeber haben Sie die Möglichkeit, Ihr Missfallen über das Verhalten der Mitarbeiterin durch eine Abmahnung zum Ausdruck zu bringen. Sie müssten darin geltend machen, dass der dringende Verdacht besteht, dass die Mitarbeitern nicht mehr arbeitsunfähig war bzw. dass sie sich so verhalten hat, dass sich ihre Genesung verzögern könnte. Sie müssen die Mitarbeiterin auffordern, sich zukünftig vertragsgemäß zu verhalten und Sie
darauf hinweisen, dass Sie ein derartiges Verhalten in Zukunft nicht mehr dulden werden.
Sollte sich eine derartige oder gleichartige Pflichtverletzung wiederholen, müsste die Mitarbeiterin mit weiteren arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen, bis hin zu einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses.

Da bei der von Ihnen genannten Mitarbeiterzahl das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung findet, können Sie der Mitarbeiterin aber auch einfach unter Einhaltung der gesetzlichen oder vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist kündigen. Die Kündigung müssen Sie nicht begründen, insbesondere müssen Sie nicht auf den heutigen Vorfall hinweisen.

Zwar ist ein Arbeitnehmer auch ohne Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes nicht schutzlos, die Kündigung dürfte nicht treuwidrig oder sittenwidrig sein. Da im vorliegenden Fall ein konkretes Fehlverhalten im Raum steht, wäre die Kündigung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht treu- oder sittenwidrig. Die Einschränkung ist nötig, da nie mit absoluter Sicherheit gesagt werden kann, wie ein Arbeitsgericht den Sachverhalt beurteilen würde. Jedenfalls würde die Mitarbeiterin die Beweislast dafür tragen, dass die Kündigung treuwidrig ist.

Für eine außerordentliche fristlose Kündigung sehe ich allerdings keinen Raum. Ohne vorhergehende Abmahnung dürfte diese unverhältnismäßig sein.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Sie sowohl die Möglichkeit der Abmahnung oder der ordentlichen Kündigung haben.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Fachanwältin für Verwaltungsrecht Anja Möhring, Rechtsanwältin


Nachfrage vom Fragesteller 12.09.2013 | 13:00

Da Sie sehr verständlich und ausführlich geantwortet haben, habe ich keine Nachfrage, aber ich wollte mich doch wenigstens eben herzlich dafür bei Ihnen bedanken! Also, vielen Dank und einen schönen Tag noch!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 12.09.2013 | 13:06

Ich freue mich, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte und bedanke mich für die gute Bewertung!

Bewertung des Fragestellers 12.09.2013 | 12:56

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Sehr schnelle und sehr ausführliche Antwort!! Vielen herzlichen Dank!!"
Stellungnahme vom Anwalt:
Mehr Bewertungen von Rechtsanwältin Anja Möhring »
BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 12.09.2013
5/5,0

Sehr schnelle und sehr ausführliche Antwort!! Vielen herzlichen Dank!!


ANTWORT VON

(9)

Berliner Allee 14
30175 Hannover
Tel: 0511 2359483
Web: http://www.karoff-moehring.de
E-Mail:
RECHTSGEBIETE
Arbeitsrecht, Beamtenrecht, Hochschulrecht
Jetzt Frage stellen